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Brechtfestival

13.03.2019

So soll es 2020 mit dem Brechtfestival weitergehen

Dauergäste beim diesjährigen Brechtfestival: Jürgen Kuttner (links) und Tom Kühnel sahen sich als künftige Festivalleiter viele Veranstaltungen an, obwohl sie im Deutschen Theater Berlin gerade für Heiner Müllers „Die Umsiedlerin“ proben.
Bild: Richard Mayr

Plus Die beiden neuen Leiter Jürgen Kuttner und Tom Kühnel haben Vorstellungen, was sie verändern wollen. Und sie nennen auch gleich ein paar Namen.

Auf den ersten Blick sind die Zahlen des diesjährigen Brechtfestivals eine Enttäuschung: 6000 Besucher kamen zu der zehntägigen Veranstaltungsreihe, wie Kulturreferent Thomas Weitzel sagt. Im Vorjahr waren es noch 8300 Gäste. „Allerdings gibt es dafür eine einfache Erklärung“, sagt Weitzel. Im Vorjahr zählten zu den Festivalveranstaltungen auch ein Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker, das heißt zwei Abo-Konzerte des Theaters im Kongress am Park sowie zwei Abo-Vorstellungen der „Fatzer“-Produktion des Staatstheaters, die im Martinipark gegeben wurde. Diese vier Vorstellungen haben genau jene 2300 Besucher gesehen, die nun in der Festivalbilanz 2019 gefehlt haben. In diesem Jahr habe man diese Theater-Termine anders gelegt. Deshalb der Besucherrückgang. Die Festivalveranstaltungen seien in diesem Jahr ansonsten ja gut besucht gewesen.

Im Publikum waren immer wieder auch zwei neue Gäste auszumachen, die extra aus Berlin angereist waren: die Regisseure Tom Kühnel und Jürgen Kuttner. Beide werden im kommenden Jahr als Leitungsduo die Nachfolge von Patrick Wengenroth übernehmen. Es bot sich für sie die Gelegenheit, das Festival, die Spielstätten und die Augsburger Akteure kennenzulernen.

Mehr Programm an den Wochenenden

Schon zuvor sind sie öfter nach Augsburg gefahren, um ihre möglichen Kooperationspartner persönlich kennenzulernen. Am Rand einer solchen Tour-de-Force durch Augsburg sprachen beide darüber, welchen Ideen sie für das Brechtfestival einbringen wollen. Und vor allem anderen fiel dieser Satz: „Wir wollen da noch stärker ein Spektakel machen“, sagte Kuttner. Und er erklärte gleich noch, was das Regie-Duo damit meine: an beiden Festivalwochenenden noch mehr Programm konzentrieren, auch mehr sich gegenseitig überschneidende Veranstaltungen. Für die Lange Brechtnacht schwebe ihnen vor, zusätzliche Angebote zur Musik zu bieten: Lesungen zum Beispiel. „Wir wollen nicht so sehr an die Wochentage denken“, sagte Kuttner.

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Programmatisch und inhaltlich wollen und können sie noch nicht so viel verraten. „Wir sind nicht primär an großen Namen interessiert und nicht an Sachen, die schon gut abgelegen sind“, sagten beide. Das klang auch schon bei ihrem Vorgänger Patrick Wengenroth ähnlich. Dafür wollen Kühnel und Kuttner andere, lebendigere mobile Formen finden und nach Augsburg bringen. Vor allem Brechts Schaffensphase von 1920 bis 1933 interessiere sie. Und dann fallen auch noch ein paar Namen, die nach Brecht kommen und von diesem inspiriert worden sind: Heiner Müller, Peter Hacks, Hartmut Lange sowie Rainer Werner Fassbinder und Herbert Achternbusch.

Vieles verbindet sie mit Brecht

Ein Anliegen ist den beiden auch, dem Publikum in Augsburg zum Festival etwas Besonderes zu bieten: „Nicht die 28. Vorstellung als Gastspiel, sondern Produktionen, die im Brechtfestival nach einem kurzen kreativen Prozess ihren Ausgang nehmen“, sagte Kuttner. Sie können sich vorstellen, dass solche Festival-Produktionen im Anschluss auch auf Tournee gehen können.

Als Team haben Kühnel und Kuttner schon oft zusammengearbeitet. In ihren Arbeiten verbindet sie bereits vieles mit Brecht. 2016 haben sie am Deutschen Theater Berlin Bertolt Brechts Fragment „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ inszeniert, zehn Jahre zuvor verpassten sie Brechts Jasager-Neinsager-Lehrstücken einen neuen Anstrich am Thalia Theater Hamburg und am Berliner Ensemble, und 2010 brachten sie gemeinsam Harun Farockis Dokumentarfilm „Die Schöpfer der Einkaufswelten“ im Sinne Brechts als quasi-maoistisches Lehrstück auf die Bühne.

Der Kulturbeirat spricht eine Empfehlung aus

Die beiden neuen Festivalleiter Kühnel und Kuttner haben erst einmal einen Vertrag für ein Jahr bekommen, obwohl schon bei ihrem Vorgänger Patrick Wengenroth im Kulturausschuss davon gesprochen worden ist, die Leitung künftig immer für drei Jahre zu vergeben. Nun meldet sich der Kulturbeirat zu Wort, ein unabhängiges Experten-Gremium, das den Kulturausschuss beraten soll. Im jüngsten Beschluss heißt es: „Der Kulturbeirat empfiehlt nachdrücklich, das neue Leitungsteam des Brechtfestivals für einen dreijährigen Zyklus zu verpflichten.“ Mit diesem Beschluss wird sich der Beirat in der nächsten Kulturausschusssitzung zu Wort melden.

Kulturreferent Thomas Weitzel sagt, dass es eine politische Entscheidung gewesen sei, den Vertrag erst einmal nur für ein Jahr auszustellen. Er hofft allerdings, dass es bereits im Sommer dieses Jahres zu einer Verlängerung mit Kühnel und Kuttner auf dann drei Festivals kommt. Zuvor sollen die beiden im Kulturausschuss eine Programmvorschau auf ihr Festival 2020 präsentieren. Auf dieser Grundlage könne entschieden werden. Andernfalls drohe das Brechtfestival und dessen Ausrichtung im Frühjahr 2020 zu einem Thema des Kommunalwahlkampfs zu werden.

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