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Premiere

10.10.2019

So wird die Premiere "Der Sturm" am Staatstheater

Patrick Rupar und Klaus Müller spielen in André Bückers Inszenierung „Der Sturm“ im Martinipark.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Intendant André Bücker inszeniert Shakespeares „Der Sturm“. Das Spiel im Spiel ist dabei seine Leitidee.

Da sitzt man zwei Männern gegenüber, die am Staatstheater nun ein Stück auf die Bühne bringen, in dem es um Macht und Manipulation geht, in dem es gerade mal eine Frauenrolle gibt, und es drängt sich die Frage auf: „Geht es in Shakespeares „Der Sturm“ um männliche Machtfantasien?“ In gewisser Weise schon, geben Intendant André Bücker als Regisseur und Dramaturg Lutz Keßler zu, aber so wollen sie es dann doch nicht stehen lassen. „Es gibt in diesem Stück sehr viele Deutungsebenen“, sagt Bücker diplomatisch und verweist außerdem darauf, dass in seiner Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“ eine weitere Rolle mit einer Frau besetzt sei. So kommt zur Königstochter Miranda, die Katja Sieder verkörpert, nun noch Natalie Hünig als Trinculo hinzu.

Uraufgeführt im Jahr 1611 ist „Der Sturm“ Shakespeares letztes Stück. In dessen Mittelpunkt steht Prospero, der rechtmäßige Herzog von Mailand, der von seinem Bruder Antonio vertrieben wurde und mit seiner Tochter Miranda auf eine Insel geflüchtet ist. Ein Sturm, den Prospero mit Magie entfacht hat, treibt seine Feinde Jahre später auf diese Insel.

Die Alten danken ab

Märchen, Komödie, politische Parabel, vor allem aber ein melancholischer Abgesang ist für Bücker dieses letzte Stück des großen englischen Dichters. „Prospero verabschiedet sich von der Macht, Shakespeare hat damit dem Theater und London den Rücken gekehrt und ist zurückgegangen nach Stratford“, erläutert Bücker zu den Hintergründen und Lutz Keßler ergänzt: „Prospero geriert sich im Stück ja gern als Besserwisser mit seiner magischen Macht. Diese Macht gibt er dann ab. Da könnte sich mancher Besserwisser heutzutage ein Vorbild nehmen.“ So thematisiere dieses Stück auch einen Generationenwechsel: Die Alten danken ab und lassen Jüngere ans Ruder. Das mache auch die Melancholie Prosperos aus. Er spüre, dass er nicht mehr die Kraft habe und nicht mehr gefragt sei mit seiner Magie.

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Ein besonderer Reiz für André Bücker ist das Spiel im Spiel, ein dramaturgisches Mittel, das bei Shakespeare Tradition hat, das er etwa auch im „Hamlet“ oder im „Sommernachtstraum“ verwendet. Bücker nimmt dies als Leitidee für seine Aufführung, inszeniert das Stück als Theaterprobe, in der die Schauspieler in die Rollen der Figuren schlüpfen. „Das ganze Stück ist durchdrungen von der Terminologie des Theaters und Prospero ist der Autor, Regisseur und Darsteller dieser Aufführung, der am Ende auch noch zum Schlussapplaus auffordert“, führt Lutz Keßler aus.

Eine Band begleitet den Abend

Wie schon in seiner Inszenierung des „Peer Gynt“ arbeitet André Bücker wieder mit Musikern aus Augsburg zusammen, diesmal mit der Band On The Offshore. Sängerin Lucy Pereira und Gitarrist Girisha Fernando haben dafür Songs mit eigenen Texten geschrieben, die die Motive des Shakespeare-Stückes aufgreifen.

Das Bühnenbild von Jan Steigert wird die Theater-Thematik aufnehmen – allerdings mit dem speziellen Augsburger Bezug des Interims. „Im Grunde sind wir hier im Martinipark ja auch auf einer Insel gestrandet – auf einer unwirtlichen, wenn man an die Baustellen denkt.“ Und so werden Prospero, Miranda, Alonso und ihre Begleiter auf einer riesigen Baustelle zugange sein, auf der es viel zu arbeiten gibt. „Denn Theater ist ja nicht nur großer Zauber, sondern auch viel Arbeit, und das wird man in dieser Inszenierung sehen“, kündigt Regisseur André Bücker an.

Weitere Informationen

Premiere von William Shakespeares „Der Sturm“ am Samstag, 12. Oktober, um 19.30 Uhr im Martinipark

Dauer zirka drei Stunden

Inszenierung André Bücker

Bühne Jan Steigert

Kostüme Suse Tobisch

Songs/Komposition Lucy Pereira, Girisha Fernando

Dramaturgie Lutz Keßler

Darsteller Kai Windhövel (Alonso, König von Neapel), Anatol Käbisch (Sebastian, sein Bruder), Klaus Müller (Prospero), Sebastian Müller-Stahl (Antonio, sein Bruder), Sebastian Baumgart (Ferdinand, Sohn von Antonio), Thomas Prazak (Gonzalo), Gerald Fiedler (Caliban), Natalie Hünig (Trinculo), Patrick Rupar (Stephano), Katja Sieder (Miranda, Tochter von Prospero), Andrej Kaminsky (Ariel)

Livemusik On The Offshore (Gesang, Keyboards: Lucy Pereira, Bass, Samples: Girisha Fernando, Drums: Kilian Bühler, Gitarre: Andreas Rosskopf, Percussion, Sampler: Stefan Brodte)

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