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Staatstheater Augsburg

11.06.2019

Stefan Sevenich gibt den erbarmenswerten Schwerenöter

Aus Stefan Sevenich macht Maskenbildnerin Veronika Eßer Don Pasquale: Am Staatstheater Augsburg ist der Sänger derzeit und in der nächsten Spielzeit in seiner Paraderolle zu sehen.
Bild: Siegfried Kerpf

Stefan Sevenich spielt in Donizettis „Don Pasquale“ die Titelrolle. Dabei macht er sich nicht nur aus künstlerischen Gründen Gedanken über das Alter.

Gar nicht so einfach, einen lüsternen alten Dackel wie Donizettis Titelfigur Don Pasquale, der sich partout ein junges Mädchen als Ehefrau einbildet, auch ein wenig sympathisch rüberkommen zu lassen – gerade in Zeiten von #MeeToo. Bei Stefan Sevenich ist diese Paraderolle für einen Bassbariton, die er gerade am Staatstheater Augsburg spielt, aber in den allerbesten Händen. Wenn die ebenso hübsche wie durchtriebene Norina ihm eine Lektion erteilt, kann man eigentlich nur noch Erbarmen mit ihm haben.

Mit seinem komödiantischen Talent und seiner Beweglichkeit in Stimme und Körper nimmt Sevenich das Publikum für sich ein. Da tänzelt er über die Bühne wie Bär Balu aus dem „Dschungelbuch“ und brilliert mit einem Parlando in Hochgeschwindigkeit. „Ich liebe diese Figur, weil sie so widersprüchlich ist“, sagt Sevenich, und beschreibt es als Reiz dieser Rolle, mit dem Publikum in einen Dialog zu treten: „Er ist der größte Idiot, der herumläuft, aber so kann man nicht mit ihm umgehen“, will er vermitteln.

Jetzt hat Stefan Sevenich mehr Routine

Stefan Sevenich hat darin bereits einige Übung, denn Corinna von Rads Inszenierung im Martinipark ist die vierte, in der er die Titelpartie verkörpert. Das erste Mal war er 27 Jahre alt, jetzt ist er 52 und hat damit einen anderen Blick auf den alternden Schwerenöter, fragt sich angesichts des rüden Verhaltens gegenüber Don Pasquale auch „wie wir mit dem Alter umgehen“. Dass er jetzt mehr Routine hat und nicht mehr „gegen jede Mauer laufen muss, sondern auch weiß, wie man drum herum gehen kann“, ist für ihn das Privileg seiner 32-jährigen Berufserfahrung.

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Die nachlassende Kondition dagegen die Schattenseite: Denn derzeit steht der freischaffende Sänger, der von 2002 bis 2007 im Ensemble des Augsburger Stadttheaters engagiert war, nicht nur im Augsburger „Don Pasquale“ auf der Bühne, sondern auch an der Hamburger Staatsoper in Schostakowitschs „Die Nase“. Da kann es schon passieren, dass er nach der Vorstellung im Martinipark zum Hauptbahnhof eilt, um am nächsten Tag in Hamburg auf der Bühne zu stehen. „Nach einer Nacht im Zug, in der ich trotz Schlafwagen kein Auge zu- bekomme, wird das immer mehr zur Herausforderung“, gibt er zu.

Die beiden Kinder sind in Augsburg geblieben

Besser sind da schon die Nächte, in denen er vor oder nach der Vorstellung bei seinen zwei erwachsenen Söhnen in Augsburg auf der Couch schlafen kann – in einer „wilden WG“, sagt er mit einem Augenzwinkern und mit Verweis auf umkämpfte Playstation-Schlachten. Die Beiden sind in Augsburg geblieben, nachdem Stefan Sevenich und seine Frau Edda nach 15 Jahren in Augsburg im vergangenen Jahr hier wegzogen. Zurück nach Westerburg in Rheinland-Pfalz, wo sie herkommen und wo sie ihre alt gewordenen Eltern besser versorgen können.

„Das müssen wir jetzt leisten“, sagt Sevenich und macht deutlich, dass er und seine Frau dies als Selbstverständlichkeit ansehen. Das Thema Alter lässt ihn nun nicht nur in seiner Rolle als Don Pasquale nicht mehr los. Er ist überzeugt: „Wie wir unser Alter einmal erleben wollen, das müssen wir jetzt schon aktiv gestalten.“

Ein Szenenbild von Stefan Sevenich als Don Pasquale und Jihyun Cecilia Lee als Norina in der Inszenierung des Staatstheaters Augsburg.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Übrigens gibt es auch am Theater so eine Art „Generationenvertrag“, hat Sevenich festgestellt. Immer jünger würden die Ensembles in den deutschen Theatern, auch in Augsburg. Da werde er in seinem Alter und mit seiner Erfahrung unversehens zum „Erklärbär“, wie er es nennt. „Da gibt es tatsächlich Kollegen, die mich um Rat fragen, denen ich empfehlen kann, eine Szene mal so oder so zu spielen“ erzählt er und man sieht ihm an, dass er sich in dieser Rolle gar nicht so unwohl fühlt.

Als "Provinzsänger" plötzlich mitten in Berlin

Einer, der er nichts mehr erklären muss, ist allerdings Dagmar Manzel, die aus dem Fernsehen bekannte Schauspielerin und Sängerin, mit der er ab September an der Komischen Oper in Berlin singt. Vier Jahre war Stefan Sevenich dort unter Intendant Barrie Kosky Ensemblemitglied. Er habe damals nur staunen können, was da auf die Bühne gebracht wurde – und er als „kleiner Provinzsänger“ mittendrin, so Originalton Sevenich.

Jetzt freut sich Stefan Sevenich auf eine Inszenierung Koskys, die wieder aufgenommen wird und schon Kultstatus in Berlin hat: die Operette „Die Perlen der Cleopatra“ von Oskar Straus. Dagmar Manzel sei ein Naturereignis, sie bringe die Leute zum Toben, kommt Sevenich ins Schwärmen. Von ihr habe wiederum er sehr viel gelernt. „Von der lasse ich mich gern an die Wand spielen“.

Weitere Termine von "Don Pasquale" am Mittwoch, 12. Juni, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 16. Juni, um 15 Uhr. Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit.

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