Friedberger Musiksommer

31.08.2018

Stürme, Sonne und Stille

Großes Virtuosentum im Galakonzert in Friedberg. Solist Kolja Bracher glänzt.

Heute beginnt der meteorologische Herbst – passend dazu ließ der Abend in der Rothenberghalle den Friedberger Musiksommer mit allen Jahreszeiten und Naturerscheinungen Revue passieren. Es durfte musikalisch heiß geschmachtet oder vor Kälte gezittert werden, stille Abendstimmungen oder frischer Morgen waren zu spüren, Stürme und Wind. Im ersten Teil inszenierten Solisten mit Kammermusik um 1900 eher stille Naturereignisse. Nach der Pause aber ging ein Kultwerk der Barockzeit mit allen klimatischen Angeboten zur Sache.

Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ wurden mit Festivalstreichern zum Kunst-Natur-Ereignis. Unter der Leitung des Solisten Kolja Blacher erlebten die Zuhörer Wetterextreme und Violinzauber in einem. Blacher, einst Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, Weltstar als Solist, konnte so alles ausspielen: Führungsmagie, Klangfantasie, Virtuosität. Er nahm mit auf eine Abenteuerreise in die Natur im Wechsel der Jahreszeiten – vier Violinkonzerte mit je drei Sätzen, in denen Vivaldi das Schema schnell/langsam/schnell oft mit extremen Einschüben unterbricht.

Die Hoffnung auf den neuen Frühling

Zum Erwachen der Natur im „Frühling“, wenn Pflanzen und Vogelwelt erste Regungen zeigen, spannte sich Blachers Geigenklang im plastischen Ebenmaß. Blitzartige Einschübe seiner entfesselten Violine fahren im „Sommer“ in die Szene, wenn die Natur und der Hirte per Streichersound schmachten. Der „Herbst“ schildert die erntefeiernden Bauern, die im Rausch delirieren und von der Geige mit derb stampfenden Tanztakten wieder in Bewegung gebracht werden. Der „Winter“ lässt mit den im Wahnsinnstempo präzis ausgeschleuderten Soli mitbibbern, bis zuletzt die Hoffnung auf den neuen Frühling mitschwingt. Was Kolja Blacher an Virtuosität, bezwingender Agogik und tollem Farbspektrum aus seiner Violine zauberte, übertrug sich auf das Ensemble. Frenetischer Applaus.

Miniaturen der Kammermusik gingen dem Vivaldi-Rausch voraus. Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ verbreitete die wunderbar träge Magie einer mythologischen Sommerszene, mit der großartigen Flötistin Ruth Ron im Mittelpunkt. Sie gestaltete auch mit Florian Barak (Cello) und Michal Friedländer (Klavier) die feine Melancholie in Lili Boulangers „D’un soir triste/D’un matin de printemps“. Karl-Heinz Steffens (Klarinette), der auch, wie Friedländer, im „Faun“ spielte, Merav Goldmann (Horn), Nikolaus Boewrer (Violine) sowie Barak und Friedländer präsentierten Franz Schrekers an Gustav Mahler erinnernde kleine Suite „Der Wind“ als spannendes Klang- und Rhythmusjuwel, komponiert für ein Damentrio des Ausdruckstanzes.

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