Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Feuilleton regional
Icon Pfeil nach unten

Theater: Von Friedberg auf die großen Theaterbühnen

Theater

Von Friedberg auf die großen Theaterbühnen

    • |
    Die Schauspielerin Veronika Bachfischer – hier bei ihrem kurzen Heimataufenthalt in der Probenzeit für die Salzburger Festspiele.
    Die Schauspielerin Veronika Bachfischer – hier bei ihrem kurzen Heimataufenthalt in der Probenzeit für die Salzburger Festspiele. Foto: Mercan Fröhlich

    Es ist Festspielzeit in Salzburg und Bayreuth: Wer jetzt ein Engagement hat, hat es auf der einen Seite geschafft. Größer können die Aufmerksamkeit und der Rummel kaum noch werden. Auf der anderen Seite ist man ein armer Tropf, weil die anderen Kollegen bereits im Urlaub weilen, während man erst probt und später dann in hochsommerliche Zeit spielt. Genauso geht es jetzt der Schauspielerin Veronika Bachfischer.

    Die in Friedberger Aufgewachsene spielt gerade zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen. Ihr Part dort in der Inszenierung von Ödön von Horvaths „Jugend ohne Gott“. In dieser Produktion, in deren Mittelpunkt Jörg Hartmann (bekannt aus dem Tatort Dortmund) steht, hat sie neun Rollen zu spielen. In Kritiken dazu heißt es zum Beispiel, dass sie „durch ihre unaufgeregte Wandelbarkeit beeindruckt“. Sie selbst nennt es „eine Herausforderung“, aber eine, die sie gerne und auch sportlich annimmt – die schnellen Wechsel, die großen Verwandlungen – auch das will gekonnt sein. Bachfischer geht dann mit dem Ehrgeiz heran, eine Figur, nein, einen Menschen in einem Auftritt, der nur 30 Sekunden dauert, glaubwürdig auf die Bühne zu stellen.

    Veronika Bachfischer spielt an einem der renommiertesten Theaterhäuser in Deutschland

    Angefangen hat das bei ihr wie bei so vielen Schauspielern – in der Schule – die damals bei ihr noch Wernher von Braun Gymnasium hieß. Johannes Werner, der Lehrer, der die AG leitete, hat sich ihr besonders eingeprägt. „Ein gebildeter, toller Mensch, der das mit sehr großer Passion und sehr ernsthaft betrieben hat“, sagt die Schauspielerin, die heute an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, einem der renommiertesten Theaterhäuser in Deutschland, ein festes Engagement hat. Bis sie dorthin kam, traf sie immer wieder auf Menschen wie

    Zum Beispiel auf ihrer nächsten Schauspiel-Station, dem jtt – wie damals der Jugendclub des Theaters Augsburg hieß. Holger Seitz brachte mit den Jugendlichen nicht nur eine, sondern immer mehrere Produktionen heraus. Jedes Mal wurde die Besetzung der Rollen mit Spannung erwartet – im Grund die perfekte Vorbereitung auf das, was danach kam. „Ich kenne einige andere aus dieser Zeit, die ebenfalls am Theater gelandet sind“, sagt Bachfischer. Und wundert sich im Nachhinein, wie erfolgreich das Konzept gewesen sei, obwohl Seitz das eher unpädagogisch angelegt habe. „Er war streitbar, er war authentisch und immer getragen von großem Respekt.“ Irgendwann da wusste Bachfischer, dass sie eine Begegnung mit ihrer Zukunft gemacht hatte, dass das Theater einmal ihr Beruf und ihre Berufung werden sollte.

    Der Traum nach dem Abitur - einmal um die ganze Welt

    Bevor die junge Erwachsene sich aber auf die Ochsentour machte, bevor sie an den Schauspielschulen vorsprach, wollte sie die Welt sehen. Mit zwölf oder 13 Jahren, ganz genau kann sie es nicht mehr sagen, hatte sie einmal gelesen, dass es relativ günstige Around-the-World-Flugtickets gibt. Von da an hatte sie so gut wie alles gespart, um sich diesen Traum nach dem Abitur zu erfüllen. Nur vier Tage, nachdem sie die Hochschulreife in den Händen hielt, stieg sie in den Flieger und war ein halbes Jahr auf Reisen.

    Was darauf folgte, war für Bachfischers Weg die wohl schwierigste Zeit. Gut zwei Jahre sprach sie an Schauspielschulen vor. Immer wieder hörte sie dort, dass das gut sei, toll sei, interessant sei, was sie mache, nur nicht das Richtige für diese oder jene Schule. „22 Mal habe ich vorgesprochen“, sagt sie. Und zwischenzeitlich ein Studium der Philosophie in Wien aufgenommen. Und als sie gerade dabei, wirklich in dieses Fach einzutauchen, bekam sie endlich die Zusage an der Folkwang-Schule in Essen. Nach dem Studium spielte Bachfischer erst am Jungen Staatstheater Karlsruhe und später dann am Staatstheater. Als sie dann mit einer Produktion des Dokumentartheater-Regisseurs Hans-Werner Kroesinger zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, folgte der nächste Schritt – sie fiel Thomas Ostermeier, dem Intendanten der Schaubühne auf, der sie wenig später ziemlich spontan erst für eine Rolle und kurz danach fest fürs Ensemble engagiert hat.

    Mit einem Koffer voller Bücher in den Urlaub

    Die Welt sehen, dem Leben begegnen, den Geist auffüllen – das begleitet Bachfischer von ihrer großen Reise nach dem Abitur bis heute. Nach der anstrengenden und durch die Festspiele auch langen Saison bleiben ihr drei Wochen Urlaub, bis es in Berlin mit der dortigen Premiere von „Jugend ohne Gott“ wieder losgeht. Am liebsten würde sie in der Zeit nach Südostasien reisen, aber dann ist sie sich gleichzeitig unsicher, ob das nicht zu stressig werde. Gesichert ist aber, dass sie mit einem Koffer voller Bücher Urlaub machen werde. „Ich möchte ganz viel lesen“ – querbeet, von Politischem, über Philosophisches bis hin zur Literatur. „Ich brauche Input“, sagt sie, Leben, damit sie auch in der neuen Spielzeit ihren Figuren wirkliches Leben auf der Bühne einhauchen kann. Eine kluge, nachdenkliche und äußerst reflektierte Schauspielerin, die seit zwei Jahren mit Kollegen wie Mark Waschke und Lars Eidinger arbeitet – oder aber mit Augsburgs ehemaligem Brechtfestivalleiter Patrick Wengenroth.

    Die letzten beiden Vorstellungen von „Jugend ohne Gott“ am 10. und 11. August bei den Salzburger Festspielen sind ausverkauft. Die Inszenierung wird an der Schaubühne Berlin weiter gespielt – Premiere ist dort am 7. September.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden