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Internationaler Jazzsommer

09.07.2020

Trotz Corona: Im Botanischen Garten gibt es wieder Jazz

Tilman Herpichböhm (links) übernahm im vergangenen Jahr, als man sich über Abstandsregeln noch keine Gedanken machen musste, von Christian Stock die Leitung des Internationalen Jazzsommers. Mit maximal 450 Zuschauern können auch heuer zwei Konzerte im Botanischen Garten stattfinden.
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Tilman Herpichböhm (links) übernahm im vergangenen Jahr, als man sich über Abstandsregeln noch keine Gedanken machen musste, von Christian Stock die Leitung des Internationalen Jazzsommers. Mit maximal 450 Zuschauern können auch heuer zwei Konzerte im Botanischen Garten stattfinden.
Bild: Fabian Schreyer

Plus Die Stars aus Amerika können in diesem Jahr nicht kommen, dennoch finden zwei Konzerte mit internationalem Format statt. Der neue Festivalleiter Tilman Herpichböhm will in den nächsten Jahren einige Akzente setzen.

Tilman Herpichböhm hätte wirklich allen Grund, sauer, wütend und enttäuscht zu sein. Es ist sein erstes Jahr als künstlerischer Leiter des Internationalen Jazzsommers. Im vergangenen Sommer hatte dessen Begründer und langjährige Festivalleiter Christian Stock den Stab an den Augsburger Schlagzeuger übergeben. Und nun Corona: Über Monate hinweg die Unsicherheit, ob überhaupt Konzerte stattfinden können und wenn ja, wie viele Besucher kommen dürfen.

Gäste aus Übersee werden im nächsten Jahr kommen

Aber Tilman Herpichböhm ist weder sauer und wütend noch enttäuscht. Ja, er sagt sogar: „Unterm Strich ist alles gut.“ Munter sitzt er vor einem Kaffee und kann berichten: „Der Jazzsommer findet statt, zwar in abgespeckter Form, aber mit einem tollen Programm.“ Zwei Konzerte gibt es im Botanischen Garten, am 31. Juli spielt das Olivia Trummer Trio, am 5. August das Joachim Kühn Trio. Und Herpichböhm macht schon mal Vorfreude aufs kommende Jahr, denn die Stars aus Übersee, die er bisher verpflichtet hatte, werden dann 2021 nach Augsburg reisen. Wer das sein wird, verrät er natürlich nicht. Dafür erklärt er, dass mehr Konzerte wegen des Ausfallrisikos nicht möglich gewesen seien, denn es gibt diesmal keine Schlechtwettervariante. „Wir spielen zwar auch bei Regen, weil die Musiker im Pavillon geschützt sind, bei Unwetter müssen wir aber absagen.“ Zwei ausgefallene Konzerte mit jeweils 450 zugelassenen Zuschauern sind für die Veranstalter verkraftbar, sechs wären es auf keinen Fall, stellt der Festivalleiter dar.

Alles also ganz anders, als er sich das gedacht hatte, als vom Kulturamt das Angebot kam, das über die Grenzen Augsburgs bekannte Festival zu übernehmen. Dabei wollte Herpichböhm gar nicht so viel anders machen als sein Vorgänger. Der Internationale Jazzsommer ist ein eingeführtes Festival mit internationalem Format, „eines der wenigen in Deutschland, die die Jazzfahne wirklich noch hochhalten“, da sei es erst einmal nicht angebracht, alles umzupflügen, macht er deutlich. „Normalerweise übernehmen neue Festivalleiter einen Scherbenhaufen und müssen erst einmal aufräumen, da bin ich sehr privilegiert.“ Deshalb will Herpichböhm beim Konzept der Konzerte mit internationalen Jazz-Stars, die man sonst in Augsburg nicht zu sehen bekommt, bleiben.

Einige Akzente will er dennoch setzen. Etwa mehr deutsche Jazzkünstler, die, wie er sagt, „eine mittlere Größenordnung in der Popularität haben“, nach Augsburg zu holen. Dafür sucht er noch nach einem geeigneten Veranstaltungsort. „Die haben oft einen ganz anderen Jazzstil als die Amerikaner und auch die Skandinavier, stärker von der Klassik getrieben, intellektueller und mit einer großen Experimentierfreude in der Instrumentierung“, führt Herpichböhm aus.

Eine sechsköpfige Combo mit Sänger und Bläsern - in diesem Jahr unmöglich

Und noch etwas hat sich der neue Festivalleiter vorgenommen: Der Internationale Jazzsommer muss weiblicher werden. „Die Mädels können es genauso gut“, weiß er, ist mit diesem Vorhaben aber auch schon an Grenzen gestoßen. „Der Jazz ist nach wie vor eine Männerdomäne“, musste er feststellen. Immerhin, freut sich Herpichböhm, hat er doch in seinem ersten Jahr ein Trio unter weiblicher Führung verpflichten können. Dass nun zwei Trios auftreten und die Vielfalt damit eher gering ist, ist nicht programmatisch zu verstehen, sondern den Umständen, sprich den Abstandsgeboten auf der Bühne, geschuldet. Eine sechsköpfige Combo mit Sänger und Bläsern sei in diesem Jahr einfach nicht möglich, stellt Herpichböhm dar.

Der 35-jährige gebürtige Augsburger ist wie sein Vorgänger in der internationalen Jazzszene bestens vernetzt als Arrangeur, Komponist und Musiker mit seinem Jazz-Quartett Jilman Zilman. Dass er sich aber immer auch für „die Sachen drum herum“, also Management, Booking und Veranstaltungsfragen, interessiert hat, auch dass er Konzertkritiken für unsere Zeitung schrieb und damit die Perspektive wechselte, kommt ihm nun bei seiner neuen Tätigkeit zugute. Nicht nur da, wie Tilman Herpichböhm in den letzten Monaten feststellen konnte. „Es ist nie gut, wenn man alles nur auf eine Karte setzt“, sagt er im Hinblick auf die Corona-Pandemie. Denn die Veranstaltungsverbote trafen natürlich auch ihn als Musiker. Ein starkes Miteinander der Kulturszene hat er in dieser Zeit festgestellt. Dies weiterzutragen ist ihm als Festivalleiter ein Anliegen. Deshalb dürfe man sich nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Für die nächsten Jahre denkt er da auch an Kooperationen mit der hiesigen Szene. „Das war mir schon vor der Pandemie wichtig und ist dadurch nun noch zusätzlich untermauert worden.“

Karten für die beiden Konzerte des Internationalen Jazzsommers gibt es ab heute 18 Uhr ausschließlich im Vorverkauf unter www.augsburger-jazzsommer.de oder der Ticket-Hotline 01806700733.

Lesen sie dazu auch das Interview Was Mr. Jazzsommer Christian Stock zum Abschied sagt

und die Kolumne Der Dirigent der 27 Sommer - drin oder draußen

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