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Debatte

03.07.2020

Über die Theaterleitung könnte man doch reden

Beim Staatstheater Augsburg stehen wichtige Personalentscheidungen an.
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Beim Staatstheater Augsburg stehen wichtige Personalentscheidungen an.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Bei der Vertragsverlängerung von Intendant und Generalmusikdirektor gibt sich der Stiftungsrat arg bedeckt. Dabei gibt es durchaus Gesprächsbedarf.

Unbestritten steht dieser Tage eine Entscheidung über die Zukunft des Staatstheaters Augsburg und die Zukunft von dessen Intendant André Bücker und dessen Generalmusikdirektor Domonkos Héja an. Sollen ihre bis 2022 laufenden Verträge verlängert werden – oder nicht?

Zuständig in dieser Frage ist der sechsköpfige Staatstheater-Stiftungsrat, dessen Vorsitz jetzt Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber inne hat. Aus München inoffiziell bestätigt tagt er am kommenden Montag, offiziell aber mag sich die Oberbürgermeisterin weder zu dem genauen Sitzungstermin noch zu dessen Tagesordnungspunkten äußern.

Ein Grüppchen kocht da exklusiv

Nicht nur das stimmt nachdenklich. Denn in der Causa Vertragsverlängerung gibt man sich mit unterschiedlichen Begründungen von mehreren Seiten bedeckt bis verstockt. Obwohl doch der Bürger, zumal der Theater- und Konzertgänger, nicht nur ein Interesse, sondern womöglich auch das Recht besitzt, nicht alles, aber doch Näheres zur anstehenden Entscheidung zu erfahren – wie zum Beispiel notwendige Kriterien. Letztlich finanzieren die Bürger das Staatstheater, letztlich sind sie dessen (Dauer-)Bezieher. Aber einer Auseinandersetzung um Für und Wider der anstehenden Vertragsverlängerungen soll anscheinend ebenso wenig Nahrung gegeben werden wie jeglicher Beurteilung der Maßstäbe für die Entscheidungsfindung – wenn noch nicht einmal Sitzungstermin und Tagesordnung offiziell kommuniziert werden. Ein Grüppchen kocht da exklusiv.

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Auch zum Folgenden möchte die Oberbürgermeisterin, die auf den Schutz der zu verhandelnden Personen verweist, nichts sagen: Ob der sechsköpfige Stiftungsrat sich Empfehlungen weiterer Gremien einholt für seine zu treffende Entscheidung. Zu denken wäre beispielsweise an das derzeit umzubesetzende 14-köpfige Stiftungskuratorium, an die Augsburger Philharmoniker, an den Personalrat des Theaters, an den alten städtischen Kulturausschuss, der zwar nicht mehr für das Theater zuständig ist, in dem aber Menschen mit womöglich mehr spezieller Augsburger Theaterkenntnis saßen, als diese vielleicht so mancher aus München, vom Freistaat angereiste Stiftungsrat/Stiftungskurator aufzubringen vermag.

André Bücker, Intendant des Staatstheaters Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Ein Kenner der Situation ist nicht mehr dabei

Die Frage nach Berücksichtigung von Empfehlungen seitens wirklich Staatstheaterkundiger stellt sich aber umso dringlicher, als ein Kopf nicht mehr im Stiftungsrat sitzt, der das Theater und seine künstlerischen Leistungen seit Jahren so intensiv wie wohl kein zweiter verfolgt hat und viel Hintergrund sowie wissenswerte Interna hätte einbringen können: der gewesene Kulturreferent Thomas Weitzel. Die Entscheidungen über die Vertrags(nicht)verlängerungen fallen ausgerechnet in die Zeiten von Stadtregierungsumbildung und herausforderndem Coronavirus. Die Spezialkenntnisse von Weitzel muss nun Bildungsreferentin Martina Wild von den Grünen aufbringen, bevor sie im Herbst durch den künftigen Kulturreferenten Jürgen Enninger wieder entlastet wird.

Man sieht: Es steckt Improvisation in dem Verfahren, das hoffentlich nicht auf ein reines Durchwinken hinausläuft – auch wegen der gewiss nicht einfachen und sich noch länger hinziehenden Sanierungsphase. Wichtig zu wissen ist freilich auch: Wollen Héja wie Bücker überhaupt eine Verlängerung? Im Gespräch erklären beide ihre grundsätzliche Bereitschaft – wenngleich Bücker hinzufügt, es komme natürlich auch auf die Ausgestaltung der Vertragsverlängerung an.

Einfacher jedenfalls scheint der Fall Domonkos Héja zu liegen. Der GMD ist eine verlässliche Qualitätsbank, und die Philharmoniker stehen mehrheitlich offenbar hinter ihm. Das ist aus ihren Kreisen unter der Hand zu hören, nicht offiziell. Ein weiteres rätselhaftes Schweigen vor der Sitzung des Stiftungsrats, zu dem auch der bayerische Kunstminister Bernd Sibler gehört. Diskret ist das Schweigen der Philharmoniker wohl, aber gleichzeitig wirklich klug? Einmal schon ist der auch beim Publikum beliebte GMD um zwei Jahre verlängert worden; von seiner Leistung und der der Philharmoniker profitiert das Staatstheater im Spartenvergleich ganz erheblich.

Generalmusikdirektor Domonkos Héja.
Bild: Ulrich Wagner

Dass die wahrlich schwierig zu meisternde Sanierungsphase für eine Verlängerung auch Bückers den Ausschlag geben könnte, liegt länger schon auf der Hand. In solchen Zeiten das Pferd zu wechseln, birgt Unwägbarkeiten. Die enormen Erschwernisse der letzten Jahre sind ja in den Ausweichspielstätten im Großen und Ganzen gut bewältigt worden – obwohl künstlerisch immer wieder noch Luft nach oben bestand, obwohl immer wieder Klagen über einen rüden Ton im Hause zu vernehmen waren.

Es ist nun – parallel zu Héja – auch über den einen oder anderen Spartenverantwortlichen zu sprechen und zu verhandeln. Dass man nämlich auf diesen Positionen zeitnah eine ähnlich hohe Professionalität erwartet und verlangt. Im Grunde ist damit die Dauer der Intendanten-Vertragsverlängerung zu koppeln.

Hoffentlich geht das alles gut.

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