Premiere

26.11.2018

Und nachts da kommen die Monster

Zu viel Fantasie, das macht Lotte (Lucia Reng) nachts zu schaffen, dann sieht sie vor dem Schlafengehen überall Monster.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Junge Theater Augsburg bringt Doris Dörries Lotte-Bilderbücher auf die Bühne.

Nächtliche Monster, eine Reise nach New York oder der Wunsch, Prinzessin zu sein: Doris Dörrie lässt ihre junge Heldin Lotte über fünf Bilderbücher hinweg einiges erleben. Vieles davon ist bei Eltern allzu bekannt, aber aus dem Dörrie-Blickwinkel wunderbar unkonventionell erzählt. Drei der Bücher hat Susanne Reng ausgewählt, um sie für das Junge Theater Augsburg zu dramatisieren und gemeinsam mit Cassandra Darabos zu inszenieren. Rund um ein kuscheliges Himmelbett mit buntem Sternchen-Vorhang und zauberhafter Beleuchtung (Ausstattung Amelie Neblich) erlebte „Lotte“ am Sonntagnachmittag erstmals ihre Augsburger Theaterabenteuer vor Publikum auf der JTA-Bühne.

Alles beginnt in jenem Bett, in dem die Mutter (Yasemin Kont) Lotte (Lucia Reng) an einem Novemberabend gerne schlafend sehen möchte. Alleine die Monster lassen Lotte nicht schlafen, die in Lottes Fantasie aus einem knallgelben Kopfkissen und verdächtigen Geräuschen entstehen. Wie oft beim JTA ist das Theatermachen Teil des Bühnengeschehens: Offen wird z. B. eine Metallwalze über die Bühne gerollt und erzeugt ein gruseliges Knirschen. Die Zuschauer können beobachten, wie aus einem solchen Geräusch in Lottes Kopf ein Monster entsteht. Oder man lässt sich von den tollen Monster-Projektionen von Amelie Neblich an den Bühnenwänden zum Gruseln inspirieren. Alle Tricks der Mutter, die Monster zu vertreiben, damit Lotte und sie endlich schlafen können, fruchten nicht. Aber Lotte wäre nicht Lotte, hätte sie nicht einen eigenen Plan: Den braucht sie dringend, als die Monster ihr Schlaf-Schaf Erich holen wollen. Da fällt Lotte ein, wie sie Erich fast schon einmal in einer New Yorker Hotel-Wäscherei verloren hätte.

Zwischen Familienalltag und Nervenzusammenbruch

Nach dieser Nacht voller Monster-Abenteuer und Reise-Erinnerungen verschläft die Mutter. Lotte soll sich entsprechend beeilen, damit sie und Mama noch rechtzeitig zur Arbeit und in die Vorschulgruppe im Kindergarten kommen. Aber ausgerechnet an diesem November-Morgen mag Lotte nicht den gestreiften Pullover, sondern das Prinzessinnen-Kleid und ihre Krone tragen…

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Lucia Reng und Yasemin Kont spielen „Lotte“ so gekonnt balancierend auf dem Grat zwischen sympathischem Familienalltag und drohendem mütterlichen Nervenzusammenbruch bzw. kindlichem Durchsetzungswillen, dass sowohl junge Theaterbesucher ab fünf Jahren als auch deren erwachsene Begleiter sich abgeholt fühlen. Wenn z. B. Lotte darauf besteht, dass auch Erich im Gute-Nacht-Lied bedacht wird, trägt die Szene sowohl der Wichtigkeit solcher Wünsche für Kinder als auch der wachsenden Genervtheit müder Eltern Rechnung.

Das Familien-Gespann funktioniert

Kont hält den zu reißen drohenden Geduldsfaden mit viel augenzwinkernder pädagogischer Kreativität heil. Immer ist sie Anspielpartnerin für Reng und wie echte Eltern abwechselnd liebste Mami und potenzielle Konfliktpartnerin, ohne sich je an ihr Bühnenkind oder an die Youngster im Publikum anzubiedern. Lucia Reng zeigt die große Kunst, als Erwachsene glaubhaft ein Kind zu spielen, ohne je kindisch zu werden, das muss man in einem buntgeringelten Onesie und mit Zöpfen erst mal schaffen. Dass Regisseurin Susanne Reng ihre Mutter ist und im Spielplan-Flyer erklärt, die „Lotte“-Bücher schon Lucias älterer Schwester namens – Achtung! – Lotte vorgelesen zu haben, tut dem keinen Abbruch, sondern rundet das Mutter-Tochter-Thema künstlerisch ab. Offensichtlich funktioniert das Familien-Gespann professionell und man darf auf weitere Auftritte der talentierten 18-Jährigen gespannt sein.

Kont und Reng packen beide enorme Spielfreude auf die Bühne, auch in den ebenfalls von ihnen verkörperten Nebenrollen: etwa Kont als italoamerikanischer Taxifahrer und Reng als verlorenes Schlafschaf auf dem „Wäääääg“ zurück zu Lotte. Abgerundet mit Musik von Kilian Bühler macht das alles die weiteren Aufführungen auf der JTA-Bühne und im Kulturhaus Abraxas zum lohnenden Theatererlebnis für Schulklassen oder Familien.

Karten im freien Verkauf am 15. und 26. Dezember sowie am 3. Februar, 17. März und 12. Mai. Karten und Termine für Schulklassen bis Mai unter www.jt-augsburg.de oder 0821/4442995.

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