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Augsburg

12.12.2020

Warten auf Tag X: Wann geht der Spielbetrieb am Staatstheater weiter?

Im Martinipark des Staatstheaters herrscht Ruh’: Eine Szene aus „Ohne Kultur wird’s still“.
Bild: Thomas Herzog

Plus Bis mindestens Ende Januar ruht der Spielbetrieb. Was bedeutet das für den Spielplan? Und kann man in diesen Zeiten überhaupt noch planen? Intendant Bücker gibt Antworten.

Auf seiner Homepage hat das Staatstheater Augsburg gerade einen kleinen visuellen Theaterrundgang platziert unter dem Titel „Ohne Kultur wird’s still“. Klickt man da hinein, setzt sich eine Bilderfolge in Bewegung mit Ansichten aus dem Martinipark dieser Tage: leere Flure, Probenräume ohne Menschen, ein verwaistes Klavier, ein verlassenes Regiepult … Der Betrachter am Bildschirm wird den Eindruck nicht los, an seinem Gerät sei der Ton ausgeschaltet, da muss doch irgendwo zumindest Musik erklingen zu diesen Bildern! Tut es aber nicht, die Tonlosigkeit ist Programm: Ohne Theater, will die Bilderserie sagen, ist’s still um die Kultur in Zeiten von Corona.

Fragt man den Intendanten, wie die Perspektive denn nun aussieht am Staatstheater nach einem Dreivierteljahr Koexistenz mit der Pandemie, nach dem ersten Lockdown im Frühjahr, nach den Minimal-Lockerungen im Sommer, den paar Premieren im September und Oktober und jetzt in Anbetracht des neuerlich stillgelegten Betriebs – dann hört man André Bücker am anderen Ende der Leitung tief seufzen. Und nach einer längeren Pause sagt der aus Erfahrung vorsichtig gewordene Theatermann mit Blick auf die bis zum 31. Januar geschlossenen bayerischen Staatstheater: So, wie sich die Lage gerade täglich zuspitze, „kann man nicht wirklich davon ausgehen, dass wir im Februar wieder Theater spielen“. Zumindest nicht in der Form, wie man es kennt und liebt.

André Bücker: "Wir können nicht große Oper vor 50 Leuten machen"

Einen Spielplan aufstellen, verwerfen, neu disponieren und wieder in den Wind schreiben, das ist seit Monaten ein zum Standard gewordenes Geschäft. Eines, das viel Aufwand erfordert, zugleich aber Frustration schafft, wenn am Ende alle Pläne sich wieder nur als Makulatur erweisen. Trotzdem geht es auch jetzt nicht ohne Überlegungen, wie das Theater sich vorbereitet auf den Tag X, an dem es wieder grünes Licht für den Spielbetrieb geben wird. Wobei die Frage nicht nur ist, ob es sich dabei nun um den 1. Februar, den 1. März oder ein anderes Datum handelt, sondern ganz wesentlich auch, in welcher Weise dann die Behörden Aufführungen genehmigen werden.

Schon jetzt steht für André Bücker fest: „Wir können nicht große Oper vor nur 50 Leuten im Saal machen.“ Wie viel Publikum aber wird nach der Wiedereröffnung im Martinipark, in der Brechtbühne, im Kongress am Park zugelassen sein?

Still ruht das Theater im Martinipark: Keiner geht hinein und keiner kommt raus.
Bild: Thomas Herzog

Mit Interesse hat der Augsburger Intendant die wissenschaftliche Studie an der Bayerischen Staatsoper verfolgt, die in das Ergebnis mündete, in dem Münchner Haus könnte sehr wohl ein Spielbetrieb vor 500 Besuchern – statt der bis dahin pauschal geltenden maximal 200 – stattfinden. Ihn überrasche das Ergebnis nicht, versichert Bücker und appelliert deshalb an die Politik: „Wir brauchen unbedingt angepasste Lösungen!“ Keine Vorgaben nach dem Rasenmäherprinzip, sondern solche, die an die jeweiligen räumlichen Bedingungen und die individuellen Hygienekonzepte angepasst sind. Die bis zum aktuellen Lockdown geltenden 150 Besucher im Martinipark sind Bücker jedenfalls entschieden zu wenig, er wünsche sich für die Zeit nach der Wiederöffnung „die Hälfte“ der Martinipark-Kapazität, also rund 300. Sonst machten viele Vorstellungen einfach keinen Sinn. Und mit Blick auf Vorstellungen, die nur vor einem handverlesenen Publikum stattfinden können, sagt der Intendant auch: „Es muss die Würde der Kunst schon noch gewahrt bleiben.“

Staatstheater Augsburg könnte den Betrieb schnell wieder hochfahren

Egal, wann und wie denn nun die Theater wieder an den Start gehen können: Das Staatstheater Augsburg ist überzeugt, rasch einen kompletten Spielbetrieb herstellen zu können. Nicht nur, indem Stücke wiederaufgenommen werden, die beim Fallen des Lockdown-Vorhangs Anfang November auf dem Programm standen, Stücke also wie der „Orfeo“ im Musiktheater oder im Schauspiel „Die Physiker“. Rasch würden auch Neuinszenierungen folgen, Rossinis Oper „Il viaggio a Reims“ oder Neil LaButes Stück „Die Antwort auf alles“, eine deutschsprachige Erstaufführung.

Wo sonst die Akteure sich für den Auftritt vorbereiten, herrscht Stillstand.
Bild: Thomas Herzog

Möglich ist dies, weil für diese Produktionen der Probenbetrieb weiterläuft – der, sagt André Bücker, ja auch ausdrücklich erlaubt sei, ebenso wie das Theater auch weiterhin für seine digitalen Formate tätig sei. Gegenwärtig läuft die Planung des Theaters dergestalt, dass man – vorausgesetzt, der Lockdown endet Ende Januar – mit den ursprünglich geplanten Premierenterminen einigermaßen schritthalten würde: LaButes „Antwort auf alles“ war für den 8. Januar angesetzt, Rossinis „Viaggio“ für den 31. Januar. Allerdings, was jetzt im Herbst nicht neu auf die Bühne gebracht werden konnte, wird den Weg dorthin länger nicht finden: Die Musiktheater-Produktion „In der Strafkolonie“ wird auf einen noch unbestimmten Termin ins Frühjahr verlegt, das Jugendtheater „Tintenherz“ soll es gar erst in der kommenden Spielzeit geben.

Theateraufführungen zu disponieren, ist von Haus aus eine komplexe Angelegenheit. Mittlerweile aber, sagt André Bücker, ist es „sehr komplex“. Wie plant man da eine ganze neue Spielzeit, jetzt, wo bereits die Stücke, Besetzungen, Termine für 2021/22 festgelegt werden müssen? „Man muss defensiv vorgehen.“ Muss auch, sagt der Intendant, an die Regisseure die Losung ausgeben: Bedenkt, dass die Pandemie auch im Herbst 2021 vermutlich noch nicht völlig von der Bildfläche verschwunden sein wird, mit Folgen für Abstandsregeln zwischen Gesangssolisten, Chorsängern, Orchestermusikern … Defensiv, das heißt für Bücker auch: „Ich werde keine große Verdi-Oper zur Eröffnung der Spielzeit 2021/22 ansetzen.“

Lesen Sie mehr zur Situation des Staatstheaters in Corona-Zeiten:

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