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Fuggerforum

11.05.2019

Warum der Kaiser seinen Gläubiger schätzte

Höchstpersönlich traten beim Fuggerforum die beiden Großen ihrer Zeit auf: Kaiser Maximilian (Florian Fisch, links) und Jakob Fugger der Reiche (Heiko Dietz).
Bild: Roberto Schechinger

Maximilian I. wäre ohne Augsburger Geld nicht Herrscher gewesen. Doch er hätte den lästigen Schuldner abschütteln können.

Auch wenn man ihn den letzten Ritter nannte: Kaiser Maximilian (1459 bis 1519) war ein moderner Herrscher der Renaissance, der nach allen Regeln der Machtpolitik regierte. Und der sich von den Fuggern finanzieren ließ – aus den eigenen Ressourcen der Tiroler Silberbergwerke. War es eine unheilige Allianz?

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Danach fragte am Donnerstagabend ebenso unterhaltsam wie informativ das Fuggerforum in der Fürst-Fugger-Privatbank. In den Ring stiegen der österreichische Maximilian-Experte Manfred Hollegger und der Leiter des Fugger-Archivs, Prof. Dietmar Schiersner.

Die ungenügende Zahlungsmoral Maximilians

Jakob Fugger (1459–1525) hatte mit dem gleichaltrigen Maximilian außerordentliches Glück. „Die Fugger vom Reh gingen pleite, weil ihnen der König die Kredite nicht zurückgezahlt hat“, wusste Hollegger. „Einem Kaiser kannst du nichts tun …“ Maximilian hätte dem Augsburger auch die kalte Schulter zeigen können, als es 1490 darum ging, die riesigen Schulden des abgesetzten Tiroler Herzogs Sigmund zu übernehmen. Anstatt seinen Finanzier nach dem Rat seiner Landstände eiskalt abzuschütteln, verpfändete der Kaiser dem Kaufmann die Silberminen in Schwaz.

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Vielleicht nicht ohne Bauchgrimmen. Jedenfalls lässt sich Maximilian, verkörpert von dem Schauspieler Florian Fisch, in einer Szene von Jakob Fugger (Heiko Dietz) ungern an seine ungenügende Zahlungsmoral erinnern. Hat der Fugger nicht einen Adelstitel erhalten und einträgliche kaiserliche Herrschaften wie Kirchberg an der Iller?

Maximilian brauchte Geld, führte ständig Krieg

Trotzdem: Die beiden muss eine Männerfreundschaft verbunden haben, meinte Hollegger. Maximilian sprach gern von Mann zu Mann. Aber auch politische Zwänge schweißten Kaiser und Kaufmann zusammen. Maximilian hätte gern den allgemeinen Reichspfennig eingeführt.

Doch die deutschen (Kur-) Fürsten – seit jeher starke Gegenspieler in der Machtbalance des Reiches – dachten nicht daran, ihm diese Steuer zu gönnen. Maximilian brauchte jedoch Geld, denn er führte ständig Krieg. Eine halbe Million Tote forderten laut der Information im Fuggerforum seine 27 Feldzüge gegen den Konkurrent Frankreich, die aufständischen Niederlande, die abtrünnigen Ungarn und Böhmen.

Fugger verstand es, auf die Bedürfnisse des Kaisers einzugehen

„Maximilian konnte sich nicht vorstellen, dass es gleichberechtigte Machtträger gibt – weder im Reich noch in der Religion“, erklärte Schiersner. Das sollte erst sein Nachfolger lernen, der im Augsburger Religionsfrieden 1555 hinnehmen musste, dass jeder Landesfürst seine Konfession selbst festlegte.

Gemeinsam ist beiden die Risikofreude. „Maximilian hatte immer viele Eisen im Feuer“, wusste Hollegger. „Jakob Fugger ist es gelungen, seine Leistung als unverzichtbar darzustellen“, ergänzte Schiersner. Der Augsburger verstand es, auf die Bedürfnisse des Kaisers einzugehen. Und Maximilian schätzte seinen wirtschaftlichen Erfolg, war er doch selbst auf Ruhm und Ehre bedacht für ein ewiges Gedächtnis.

Mochten auch Luther und die Tiroler gegen die „Fuckerei“ mit ihrem Zinswesen zu Felde ziehen: Die modernere Wirtschaftsweise, so Schiersner, übten die Fugger aus in einer Zeit, die teure Handelsexpeditionen spekulativ auf ferne Kontinente ausschickte und kostspieligen Bergbau betrieb. Auch den kritisierten „Fürkauf“, dem Bevorraten von Waren zu günstigen Preisen, fand der Historiker nicht verwerflich.

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