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Ausstellung

13.11.2018

Was ist Kunst? Vielleicht doch nur ein Spiel?

Und dann und wann ein Treffer: Vladimir Nikolic versucht, mit einem Ring einen Kegel zu treffen.
Bild: Felix Weinold, Neue Galerie im Höhmannhaus

Videoarbeiten von sechs Künstlern aus Belgrad sind in der Neuen Galerie im Höhmannhaus zu sehen

Was ist Kunst? Wann ist Kunst Kunst? Und wie schafft ein Künstler Kunst? Darüber unterhalten sich Kritiker, Museumsbesucher, Ausstellungsmacher. Ein Stimmengewirr, undurchdringlich auf den Ohren. Sie reden darüber, wie der Künstler Vladimir Nikolic arbeiten, was er beachten müsste. Dieser allerdings entzieht sich diesem Gerede, er sitzt vor einer weißen Wand (möglicherweise in einer Galerie oder einem Museum) und versucht, einen runden Ring so zu werfen, dass er auf einem Kegel landet. Ein Spiel, das er stoisch immer wieder von vorn beginnt, obwohl er so gut wie keine Treffer landet. Was diese Videoarbeit sagen will, erklärt sich von selbst. Für den Künstler ist Kunst ein Spiel, eines, bei dem er nicht automatisch gewinnt, sondern nur in Ausnahmefällen. Die anderen hingegen haben Kategorien, Ideen und Vorstellungen, die vollkommen anders funktionieren.

Diese Arbeit des Belgrader Künstlers ist gerade in der Gruppenausstellung „Behind The Image“ in der Neuen Galerie im Höhmannhaus in Augsburg zu sehen. Der Kurator Thomas Elsen präsentiert in der Ausstellung Videoarbeiten von sechs Künstlern aus Belgrad – eine Schau, die im nächsten Jahr den Besuch von Augsburger Künstlern in Belgrad nach sich ziehen wird. Ein gegenseitiger Austausch also.

Ist die kunsttheoretische Videoarbeit von Nikolic an jedem Ort denkbar, spielt Saša Tkačenko mit der Aura eines konkreten Museums. In „A perfect Ride“ erkundet er auf einem Skateboard das Museum für Gegenwartskunst in Belgrad, das laut Elsen wegen Renovierungsarbeiten zehn Jahre lang geschlossen war. Die Räume des Museums – nach der Sanierung und kurz vor der Wiedereröffnung – wirken für sich und werden in ihrer Wucht wieder zurückgenommen. Auch hier treibt der Künstler ein Spiel mit der Kunst, in diesem Fall dem Museum.

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Weniger künstlerische Selbstreflexion, dafür aber ein Nachdenken über die jüngere Geschichte Serbiens bieten die Arbeiten von Nemanja Ladic und Jelena Jureša. Ersterer hat gefilmt, wie in einem Buch geblättert wird, in dem jede Doppelseite sich zu einem anderen dreidimensionalen Panorama auffaltet. In diesem Bilderreigen sind auch die Kriegswunden zu sehen, die das Bombardement der Nato im Kosovokrieg hinterlassen hat. In Jurešas Arbeit „Still“ ist der Jugoslawienkrieg ein Thema. Der Kinderchor 1993 singt ein populäres Lied – in einem Konzertsaal, der im Krieg zerstört und später wieder aufgebaut worden ist. Dazu ist auf Bildern ein Flusslauf zu sehen, in dem sich im Krieg Dinge abgelagert haben.

Schwierig an der Ausstellung ist, dass manches Vorwissen für die Videoarbeiten nötig ist, dass nicht alles auf den Bildern selbst zu sehen ist. Am direktesten im Transport kommt Svetlana Volics Video-Triptychon daher, das im Eingangsraum der Galerie präsentiert wird. Große Kontraste setzt die Künstlerin darin. Auf der einen Seite ist eine antike Statue zu sehen, die in Nahaufnahmen herangeholt wird, auf der anderen Bilder aus einem Flugzeug über dem Wolkenmeer. Hier das Göttliche von damals, dort der Himmel heute. In diese Sequenzen hat die Künstlerin starke, teils grelle Bilder montiert: etwa einen toten Fisch, der von einer Katze gefressen wird. Eine Videoarbeit voller suggestiver Momente, die den Betrachter gefangen nimmt.

der Ausstellung „Behind The Image“ in der Neuen Galerie im Höhmannhaus bis zum 13. Januar. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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