18.09.2019

Wem gehört Gott?

Robert Budina erzählt in seinem Kinofilmaus Albaniens Bergen

Sie sind eine Familie, sind miteinander aufgewachsen, haben miteinander gegessen, halten zusammen. Da sollten sie auf einmal nicht mehr harmonieren? Was ist passiert? Besnik, der Ziegenhirte, hat beim Beten in der Moschee seines albanischen Bergdorfs unter dem Putz eine Malerei entdeckt. Es ist ein Christus, denn es stellt sich heraus, dass vor 500 Jahren die Moschee mit Erlaubnis des osmanischen Wesirs auch für den christlichen Gottesdienst diente. Sollte die doppelte Nutzung heute wieder aufleben? Begehrlichkeiten erwachen, auch Widerstand und man setzt sich voneinander ab.

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In poetischen Bildern schildert der albanische Film- und Theaterregisseur Robert Budina in seinem Film „Ein Licht zwischen den Wolken“, wie Religion zu einer trennenden Hürde werden kann. Im Thalia präsentierte er den Streifen – und hinterließ tiefen Eindruck dank der Intensität der Bilder, der Musik und der authentischen Schauspieler. Budina hat in dem Film seine eigene Familiengeschichte verarbeitet. Er ist orthodoxer Christ, seine Frau nicht religiöse Muslima „und unsere Kinder wollten immer wissen, wer sie sind“. Viele solche gemischten Familien gibt es in dem Land, das immer wieder von äußeren Mächten erobert und besetzt worden ist.

An erster Stelle steht deshalb die Familie und ihr Oberhaupt, dann der Ort, das Land und schließlich die Religion, erklärte Budina. Mit seinem Kammerspiel aus den malerisch wilden Bergen Albaniens wollte er auch ergründen, wie es plötzlich zu religiös begründeten Spannungen kommen kann, wo man jahrhundertelang miteinander friedlich ausgekommen ist. Für Besnik, den Mystiker, den man im Dorf für einen minderbemittelten Sonderling hält, ist Gott größer als ein Bekenntnis. Er steht damit in großer Nähe zur Repräsentantin des säkularen Staates, der sympathischen Mitarbeiterin vom Denkmalamt.

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Während der Dreharbeiten seien muslimische Extremisten ins Dorf gekommen, um die Leute aufzuwiegeln, erzählte der Regisseur. Denn Budnik besetzte seinen Film quer durch die Ethnien und ließ Muslime sogar in der Rolle von Christen spielen. Sie hielten zu dem Regisseur.

„Ein Licht zwischen den Wolken“ läuft ab Donnerstag im Thalia.

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