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Konzert

28.01.2019

Wenn der Vater mit dem Sohne das Mozartjahr eröffnet

Wolfgang Amadé Mozart
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Wolfgang Amadé Mozart
Bild: Archiv

Das Mozart-Jahr, das vor allem im Zeichen von Leopold steht, hat seine konzertante Eröffnung erlebt – mit zupackendem Orchester und hochmögender Solistin.

Es hatte seinen berechtigten Hintersinn, dass die Eröffnung von „Jubileo“, des Jubeljahrs von Leopold Mozart, gerade für den 27. Januar angesetzt war. Nicht also an Leopolds 300. Geburtstag im November, sondern eben jetzt zu Jahresbeginn, am Tag der Geburt seines Sohnes Wolfgang Gottlieb – und somit jenes Menschen, in dessen Schatten zu segeln Leopold seither verdammt ist. Doch kann man die Sache auch andersherum sehen und fragen: Was wäre aus Amadé geworden, hätte er nicht gerade diesen Vater gehabt, der seines Sprösslings Genie erkannt und über die Maßen gefördert hätte? Auch ohne den Reproduktionsfaktor überzustrapazieren ist es wohl legitim, den Musiker Wolfgang als das außerordentlichste Werk von Leopold zu begreifen.

Nur konsequent also auch, wenn bei der konzertanten Mozart-Feier vergangenen Sonntag im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses Werke von beiden erklangen. Wie die vier vorgestellten Kompositionen sich zueinander verhalten, das wurde an diesem Abend sinnfällig dargelegt von Klaus Müller, Schauspiel-Ensemblemitglied am Staatstheater Augsburg. Gestützt auf Briefe bekommt das Publikum im ausverkauften Saal Episoden aus dem Leben des Vaters mit dem Sohn zu hören. Szenen, in denen Müller seine Stimme immer wieder ins Crescendo treibt und wiederholt Sforzati setzt und somit offenkundig macht, dass dieses Verhältnis alles andere als konfliktfrei war.

Die Kammerphilharmonie vertraut auf die Fähigkeiten ihres Konzertmeisters

Leopold galt als fleißiger Komponist, doch ein großer Teil seines Schaffens ist verloren. Was seine Sinfonien anbelangt, hat diejenige in G-Dur, die den Beinamen „Neue Lambacher“ trägt, als Chef d’oeuvre zu gelten. Dass sie lange Zeit als Werk des Sohnes angesehen wurde, spricht für sich. Die in Augsburg residierende Bayerische Kammerphilharmonie, die in ihrer Konzertreihe „unerhört“ seit nunmehr 15 Jahren regelmäßig im Januar an Wolfgangs Geburtstag erinnert, ist mit Leopolds „Neuer Lambacher“ seit langem vertraut. So hat man sie schon unter der Leitung von Reinhard Goebel einstudiert, dem 1. Gastdirigenten des Orchesters und Spezialisten für Musik des 18. Jahrhunderts. Jetzt, im Goldenen Saal, verzichtet die Kammerphilharmonie jedoch auf einen Dirigenten, vertraut allein auf die Führungsfähigkeiten ihres Konzertmeisters Gabriel Adorján – und ganz auf die in 25 Jahren gewachsene Ensemblekultur. Das mit vier ersten und der selben Anzahl zweiter Violinen besetzte Kammerorchester musiziert denn auch aus einem Guss, zieht unisono mit, wenn Adorján in den Ecksätzen der „Lambacher“ zackige Tempi anschlägt, ist zudem als Kollektiv ganz Ohr, wenn es darum geht, klangliche Balance zu finden. Packend ist das eröffnende Allegro der Sinfonie musiziert, rokokohaft verträumt das Andante, während kantig gesetzte dynamische Kontraste den finalen Kehraus kennzeichnen.

Zur der Zeit, als Leopold an seiner „Lambacher“ schrieb, entstand 1767 eine F-Dur-Sinfonie seines Sohnes, damals elf Jahre alt. In der Nummer 6 der sinfonischen Reihe verfügt Wolfgang noch nicht über die Satzkunst seines Vaters, dennoch handelt es sich um ein anmutiges Stück, dessen Herrlichkeiten (das Pizzicato im Andante!) die Kammerphilharmoniker konturenreich herausmodellieren. Weitere zwölf Jahre später ist der Sohn dann schon am Vater vorbeigezogen. Auch wenn die Sinfonie Nummer 33 in B-Dur nicht zu den kapitalen Leistungen Wolfgangs in diesem genre gehört, eignet ihr doch eine Souveränität der musikalischen Erfindung und Entwicklung, die das Vermögen von Leopold überragt. Auch hier zeigt sich die Kammerphilharmonie als ebenso kundige wie leidenschaftlich plädierende Interpretin einer Musik, die innerhalb des Mozart-Katalogs nicht die ganz große Aufmerksamkeit erfährt.

Mit Solistin Lena Neudauer schließt sich der Mozart-Kreis

Für Wolfgangs A-Dur-Violinkonzert gilt das Gegenteil. Lena Neudauer spielt den Dauerbrenner mit kontrolliertem Feuer, kräftigem, doch nie ins Breite tendierenden Ton und unwiderstehlicher Zugkraft, die so ganz und gar nicht auf das Auskosten schöner Stellen spekuliert. Bei ihr besitzt das Adagio bei aller Lichtfülle immer noch Bodenhaftung, und das finale Rondo wird nicht zur Zigeunerweise, sondern bleibt ein Mozart, allerdings mit einem Hauch ziganer Glasur. Dass Lena Neudauer, die mit stilsicher eingehegter Virtuosität noch einen Satz aus einer Ysaÿe-Sonate zugab („Obsession“), als Solistin des Mozart-Konzerts verpflichtet wurde, hat übrigens guten Grund: 1999 gewann die heutige Münchner Geigenprofessorin als damals 15-Jährige den Augsburger Violinwettbewerb. Der findet jetzt im Juni zum zehnten Mal statt und trägt nach wie vor den Namen Leopold Mozarts. So schließt sich der Mozart-Kreis.

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