Jazzclub Augsburg

26.03.2018

Wenn es Noten hagelt

Hochkomplex war die Musik Greg Osbys und des Trios Vein.
Bild: Eric Zwang-Eriksson

Das Schweizer Trio Vein tritt gemeinsam mit Greg Osby in Augsburg auf. Das ist eine Achterbahnfahrt.

Anstrengend war diese Musik und so schwer verdaulich wie ein opulentes Fünf-Gänge-Menü, das nur innerhalb von fünfundvierzig Minuten gegessen werden muss. Nicht dass es nicht gemundet hätte, äußerst vorzüglich sogar. Was aber nutzen all die raffiniert, von vier brillanten Köchen zubereiteten musikalischen Speisen, wenn sich frühzeitig Übersättigungserscheinungen einstellen und alles nur noch rumort?

Es war nicht das erste Mal, dass sich das aus Basel in der Schweiz stammende Trio Vein mit dem US-amerikanischen Saxofonisten Greg Osby zusammen tat. 2008 bereits war dieses Quartett gemeinsam auf Tour gewesen, hatte 2015 die CD „The Studio Concert“ veröffentlicht. Nun also gehen sie erneut auf Tournee, ein Besuch im Augsburger Jazzclub inklusive. Für das Publikum zog das ein wahres Bombardement von Tönen nach sich.

Das Trio allein zeigte sich von seiner besten Seite

Vein, bestehend aus Michael Arbenz (Piano), Thomas Lähns (Kontrabass) und Florian Arbenz (Schlagzeug), ist eine Nummer für sich. Ein schier unglaublich homogenes Trio, verschmolzen zu einem fast schon symbiotischen Organismus. Zwei Mal gab das Trio sein Können im Alleingang zum Besten und zeigte sich in diesen Stücken von seiner besten Seite. Hier funktionierten die hoch komplexen, fintenreichen Arrangements auf das Angenehmste.

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Eine mächtige Kaskade von Tönen setzten die drei Instrumentalisten ihrem Publikum vor, doch war diese von einer eigensinnigen Schönheit und Eleganz durchzogen, sodass es nicht zu Überforderungserscheinungen kam und sich alles angenehm relativierte.

Das virtuose Spiel wirkte verloren

Ganz anders lief es im Zusammenspiel mit dem Saxofonisten Greg Osby. Als Mitglied von Jack DeJohnettes Special Edition und Steve Colemans Motherland Pulse dürfte Osby an schräge Takte und abstruse Harmoniewechsel à la „No Change Is Strange“ aus Veins Feder gewöhnt sein. Doch die Homogenität, die das Trio in sich barg, als es zum Beispiel seine ebenso abstrusen wie begeisternden Bearbeitungen diverser Maurice-Ravel-Kompositionen erklingen ließ, wollte sich im Zusammenspiel mit dem Saxofonisten nicht einstellen.

Verloren wirkte Osbys virtuoses Spiel und irgendwie auch fehl am Platz. Dies zwiegespaltene Klangbild herrschte nicht permanent vor. In der ohnehin an geistreichen Wahnsinn gemahnenden Interpretation des Jazzklassikers „Night And Day“ beispielsweise, der sich in ein vollkommen anderes, nicht wiederzuerkennendes Stück verwandelte, griffen die vier Stimmen vorzüglich ineinander. So glich der Abend dann einer musikalischen Achterbahnfahrt: geschmackvoll, das schon, aber nicht immer überzeugend.

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