1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Feuilleton regional
  4. Wenn sich Baustellen in Kunstwerke verwandeln

Ausstellung

14.01.2020

Wenn sich Baustellen in Kunstwerke verwandeln

Wie eine Theaterkulisse: Diese Mauer hat Sigrun Lenk auf dem Dachboden der ehemaligen Kantine auf dem Reesegelände festgehalten.
Bild: Sigrun Lenk

Mit großer Ausdauer hält die Fotografin Sigrun Lenk den Wandel der Stadt fest. Dabei entstehen immer wieder besondere Aufnahmen.

Baustellen gibt es viele in Augsburg, so viele, dass man sie normalerweise nicht mehr bewusst wahrnimmt. Dort, wo gebaut wird, ändert sich die Stadt. In keinem Stadtviertel von Augsburg ist das so anschaulich und drastisch zu beobachten wie im Textilviertel. Von den großen Industrieanlagen sind heute nur noch ein paar Reste übrig geblieben.

Genau da setzt die Augsburger Fotografin Sigrun Lenk an, die mit großer Ausdauer über Jahre und Jahrzehnte hinweg den Wandel mit der Kamera in der Hand begleitet. Ihr Herzensthema ist nicht der Schnappschuss, sondern die lange Strecke. Und: Sie bewahrt in diesen Serien auch etwas von dem Augsburg, das einmal war.

Als Fotografin ist Lenk eine Ausdauerkünstlerin, die zum Beispiel im Textilviertel, aber auch auf dem Gaswerkareal und dem Reesegelände schon über Jahre gearbeitet hat und arbeitet, sich mit ihrer Hartnäckigkeit früh die Erlaubnis zum Fotografieren verschafft und Gebäude erkundet, die gerade verlassen sind.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Ist das ein Riesenwurm, der sich ins Gaswerkareal verirrt hat?
Bild: Sigrun Lenk

Das bedeutet aber nicht, dass die Augsburgerin für den fotografischen Augenblick immun ist. Im Ballettsaal des Kulturhauses Abraxas präsentiert sie unter dem Titel „Kunst aufgespürt“ sechzig Arbeiten, in denen sie besondere Momente ihrer Streifzüge festgehalten hat. Mal formen sich auf einer Baustelle Elektrokabel zu einem Smiley, dann ist das ein Labyrinth, das im Ofenhaus des Gaswerkareals zu sehen ist, bevor der Estrich für das Foyer der Brechtbühne eingegossen wird.

All diesen Bildern ist gemein, dass sie einen Dreh, eine zweite Ebene, zum Teil auch etwas Erzählerisches haben. Dieser große gelbe Schlauch, der da aus der Tür kommt, ist das ein Wurm, der sich in das Sozialgebäude auf dem Gaswerkareal verirrt hat? Hier berührt ihre dokumentarische Fotografie einen anderen, tatsächlich auch eigenständigen Bereich. Diese Bilder funktionieren für sich, der Kontext, in dem sie entstanden sind, ist für das Verständnis nicht mehr wichtig. Ja, Lenk hat da tatsächlich „Kunst aufgespürt“ und bietet dem Betrachter eine reiche Auswahl. Besonders schön sind die Motive, in denen die zweite Ebene nicht gleich offensichtlich ist, die etwas Geheimnisvolles umweht, etwa diese Wand im Dachboden der alten Kantine, die ausschaut wie eine Theaterkulisse.

Laufzeit der Ausstellung „Kunst aufgespürt“ im Ballettsaal des Kulturhauses Abraxas bis zum 20. Februar. Geöffnet Mo von 13.30 bis 16.30 Uhr, Di bis Do von 8.30 bis 12.30 und 13.30 bis 16.30 Uhr, Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren