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Museen

23.07.2019

Wer hat die Hoheit über den gewünschten Ausstellungsraum?

Wie sich die Museumslandschaft in Augsburg in Zukunft aufstellen könnte, dazu gibt es Empfehlungen von Museumsexperten.  Einige Vorschläge stoßen auf Widerstand
Bild: Ulrich Wagner

Hinter den Kulissen ringen Kunstsammlungen und Kulturreferat um den Kurs beim Neubau des Römischen Museums.

Das Kulturentwicklungskonzept Museumslandschaft bietet mittlerweile einigen Zündstoff. Vor der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung haben die Mitarbeiter der Städtischen Kunstsammlungen und ihres Leiters Christof Trepesch in einem offenen Brief vor Teilen des Konzepts gewarnt. Dass sehr viele Mitarbeiter des Hauses inklusive der kompletten Museumsleitungsspitze anwesend waren, ist ein sehr deutliches Zeichen, dass der Widerstand gegen das Konzept vom ganzen Haus getragen wird.

Die bestehenden Museen werden  geschwächt

Gegenstand der Kritik ist der Neubau für das Römische Museum. Geplant ist dort laut dem Entwicklungskonzept ein Ausstellungsforum am Predigerberg, in dem das römisch-archäologische Museum integriert werden soll. Dazu soll es dort einen großen Raum geben, in dem Sonderausstellungen präsentiert werden können.

Strittig ist, in wessen Verantwortlichkeit diese Fläche steht. Das Museumsentwicklungskonzept der Agenturen sieht vor, dass ein dem Kunstsammlungsleiter nicht untergeordneter Moderator und eine externe Programmkommission das Forum betreuen. Eine spätere Version, die nach der Diskussion einer Lenkungsgruppe, in der Kunstsammlungsvertreter und Vertreter der politischen Parteien saßen, beraten wurde, kommt das Forum nicht mehr vor, das heißt, im Fall eines neuen römischen Museums mit großer Sonderausstellungsfläche würden die Kunstsammlungen die Ausstellungen dort kuratieren.

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Zur Vorlage im Ausschuss kam nun nicht das modifizierte, sondern das ursprüngliche Konzept mit dem unabhängigen Moderator, das unklare Hierarchien schaffen würde. Bei den Städtischen Kunstsammlungen sieht man das Forum deshalb nicht als Unterstützung und Stärkung, sondern als mögliche Konkurrenz. Dadurch werde eine Parallelstruktur geschaffen, die die bestehenden Häuser schwächen könnte, legen sie in dem offenen Brief dar.

Es geht also nicht nur darum, dass mit dieser Organisationsstruktur das Römische Museum an Bedeutung verliert, sondern vielmehr darum, dass die unterzeichnenden Mitarbeiter der Kunstsammlungen die Bedeutung ihrer Häuser insgesamt in Gefahr sehen. Zwar ist das Ausstellungsforum derzeit noch in weiter Ferne, denn zunächst muss geklärt werden, ob und wohin die noch am Predigerberg befindliche Hauswirtschaftsschule umgesiedelt werden kann – von der Finanzierung einmal ganz abgesehen. Eine „Vision“ nennt deshalb auch Kulturreferent Weitzel das Ausstellungsforum, das er aber im Hinblick auf die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des Museumsstandortes Augsburg gerne im Konzept festgeschrieben sähe.

Der Kulturausschuss schob die Diskussion letztlich auf. Organisationsamt, Kulturreferat und Kunstsammlungen sollen nun ein neues Personaltableau erstellen. Die ganze Diskussion hinterlässt den Eindruck, dass Kulturreferent Thomas Weitzel und Museumschef Christof Trepesch nicht mehr an einem Strang ziehen.

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