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Film

31.08.2018

Wie eine Frau in eine Gewaltbeziehung gerät

Die Tänzerin, Schauspielerin und Filmemacherin Marianne Hettinger befindet sich gerade auf Heimaturlaub in Deutschland.
Bild: Richard Mayr

Marianne Hettingers „Prince Harming“ erzählt von einer Liebe, die langsam in ihr Gegenteil umschlägt.

Marianne Hettinger ist eine Filmemacherin, wie es sie selten gibt: Nicht spezialisiert auf eine Aufgabe, sondern ein Multitalent – vor und hinter der Kamera. „Männern wird so etwas ja noch zugetraut“, sagt sie, wenn sie als Frau allerdings gleichzeitig Tänzerin, Schauspielerin, Drehbuchschreiberin, Regisseurin und Produzentin in einem ist, schaut man das eher skeptisch an. Aber was soll sie machen? Ihr Vorbild sei eben schon als junges Mädchen Gene Kelly gewesen, ebenfalls ein Multitalent vor und hinter der Kamera. Deshalb habe sie das Tanzen gelernt, deshalb sei sie Schauspielerin geworden, deshalb mache sie nun auch eigene Filme.

Gerade ist Hettinger, geborene Augsburgerin, zurück in ihrer Kindheits- und Jugendstadt. Von den langen Tagen und Nächten im vergangenen Jahr ist ihr nichts anzusehen. Ihr aktueller Film „Prince Harming“ war im zurückliegenden Jahr in der Postproduktion, das heißt, er musste geschnitten werden, der Ton musste arrangiert werden. Viel Arbeit und auch Tage, die erst spät in der Nacht endeten.

Ihr Herzenskino - das Liliom

Nun lacht Hettinger im Café in Augsburg. Wenn sie erzählt, hört man, dass sie schon 30 Jahre in den USA lebt – zurzeit noch in einer Wohnung in New York, der sie nun ein filmisches Denkmal gesetzt hat, weil ihre Wohnung zentraler Drehort von „Prince Harming“ war. Diesen Film hat sie nun frisch aus New York mit nach Augsburg gebracht, in ihr Herzenskino, das Liliom. Dort hat sie schon ihren ersten Spielfilm „Mango Tango“ erstmals gezeigt, dort wird nun auch ihr neuer Film das erste Mal zu sehen sein – als ein Team-Screening, zu dem auch weiteres Publikum kommen kann. Die Vorführung (auf Englisch ohne Untertitel, es gibt aber eine Einführung von Hettinger und hinterher ein Gespräch) beginnt am Samstag, 1. September, um 17 Uhr.

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Offiziell soll der Film erstmals auf einem Filmfestival präsentiert werden – „aber das ist gar nicht so leicht“, wie Hettinger sagt. Beziehungen sind auch da die Leitwährung. Ohne Freunde und Förderer sei es extrem schwierig, eine solche Low-Budget-Produktion unterzubringen. Hettinger versucht es trotzdem.

In ihrem Film greift die Wahl-Amerikanerin ein Thema auf, das gerade weltweit – vor allem in der Filmbranche – Hochkonjunktur hat: Gewalt und Missbrauch. Bei ihr ist es eine junge Deutsche, die in die USA auswandert, eine Frau, die im Leben steht. Und dann verliebt sie sich in den falschen Mann und gerät schleichend in eine Gewaltbeziehung. Erst nach und nach zeigt der Mann sein wahres Gesicht. Und weil die Gewalt langsam zunimmt, erst mit Worten, dann mit Schlägen, gewöhnt sich die Hauptfigur daran. „Deshalb ist es so schwer, eine solche Beziehung zu beenden“, sagt Hettinger.

Es kann jedem passieren

Da hat dieses Gespräch den Punkt erreicht, an dem nicht mehr gelacht wird. Hettinger hat sich das vor fünf Jahren, als sie begann, das Drehbuch für den Film zu schreiben, nicht ausgedacht, sondern sie hat sich damals ihrer eigenen Geschichte gestellt. „Ich habe das alles selbst erlebt.“ Allerdings sei ihre Beziehung, in die sie noch als Teenagerin hineingeschlittert sei, um einiges schlimmer gewesen als diejenige, die sie in „Prince Harming“ beschreibt. „Mir ist wichtig, eine Frau darzustellen, die stark ist und die trotzdem in einen Albtraum gerät.“ Denn das ist eine von Hettingers Botschaften: Es kann jedem passieren, niemand ist davor gefeit. Und oft nehme man in einer solchen Gewaltbeziehung auch noch die Schuld auf sich und mache sich Vorwürfe, etwas falsch gemacht zu haben.

Aus der Wohnung, in der sie in Manhattan den Film gedreht hat, muss Hettinger demnächst ausziehen. „Ich habe den Prozess in zweiter Instanz verloren“, erzählt sie. Sie befindet sich bald auf Wohnungssuche und spielt gerade den Gedanken durch, in Deutschland einen zweiten Wohnsitz zu unterhalten. „Ich habe nämlich noch nie in Deutschland gearbeitet. Das wäre etwas Neues“, sagt sie. Gleichgültig, wie nun die Suche nach einem Festival und einem Verleih für ihren Film ausgeht, sitzt sie schon an ihrem nächsten Kino-Projekt. „Ich schreibe wieder an einem neuen Drehbuch.“ Die Ideen und die nötige Energie dafür gehen Hettinger nicht aus.

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