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17.11.2018

Wofür noch ins Museum gehen?

Fünf Macher zwischen Musen und Moderne

Museum als Elitentempel war gestern. Technik-Hypes, gesellschaftliche Veränderungen und politische Debatten fordern ihren Tribut. Reines Sammeln und Ausstellen wird auch den Ansprüchen von Museumsmachern nicht mehr gerecht. Sie wollen Identität produzieren, Begegnung eröffnen, unterhalten – und den Bürger beteiligen. Darauf zielt auch der „art3kultursalon“, der am Freitag im Textil- und Industriemuseum (tim) begonnen hat.

Hochkarätig besetzt war das Podium zum Auftakt des Kongresses. Die Redaktion a3Kultur versammelte fünf Museumsmanager, die vor etwa 60 Besuchern die Zukunft ausleuchten sollten. tim-Direktor Karl Borromäus Murr, der Moderator des Vormittags, muss sich keine Sorgen machen, dass sein Haus nicht zeitgemäß ist. Der international erfolgreiche Museumsgestalter Uwe Brückner hatte die Dauerausstellung vor acht Jahren entworfen. Er ist davon überzeugt: „Das tim entspricht auch aktuell allen Anforderungen an Beteiligung der Besucher, Edutainment und Kunst.“ Vor allem das digitale Musterbuch, dessen Seiten die Besucher auf große Puppen projizieren können, begeistert die Fachwelt. „Museumsmacher kommen aus Belgien, Italien, Nordrhein-Westfalen, um sich hier Anregungen zu holen“, so der Szenograf.

Ist es out, die Kunst für sich allein sprechend in weißen Räumen zu präsentieren, und gibt es auch einen Overkill an Inszenierung? Bernhart Schwenks Pinakothek der Moderne folgt dem minimalistischen Ansatz, wo andere Museen längst dabei sind, Konzepte für mehr Nähe zu den Kunstwerken zu entwickeln. Aber, so Schwenk, „wir müssen über neue Öffnungszeiten und die Höhe der Eintrittsgelder reden, wenn wir mehr, auch andere Besucherschichten erreichen wollen.“ Einig waren sich die Museumsleiter: Bei allem Hype um Digitalisierung und Virtual Reality wird die Technologie das analoge Erleben im Museum nur ergänzen, nie ersetzen können.

Das Jüdische Kulturmuseum in Augsburg ist räumlich und ästhetisch durch die Kultusgemeinde, geteilte Ausstellungsflächen und die Wucht der Synagogenarchitektur beschränkt. Als explizit jüdisches Museum sei es allerdings auch nicht dafür da, Distanz zu nehmen, betont Leiterin Barbara Staudinger. Eher sollten die Erwartungen der Besucher nach Tragik und jetzt endlich zu erfahren, was das Judentum eigentlich ist, gebrochen werden. Als Minderheitenmuseum könne es selbstbewusst Beiträge zur Integrationsdebatte leisten. Schließlich habe in den vergangenen Jahrhunderten der Vorwurf „Parallelgesellschaft“ auch immer wieder die jüdischen Gemeinden getroffen.

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