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Kindertheater

04.12.2020

Zeit für Neues: Das Fakstheater Augsburg schließt nach 28 Jahren

Karla Andrä, hier bei ihrem preisgekrönten Buchstabentheater, verabschiedet sich vom Kindertheater, hat aber neue Projekte im Kopf.
Bild: Anette Zoepf

Die Schauspielerin Karla Andrä war in Augsburg mit ihrem Fakstheater eine Vorreiterin mit Stücken für Kinder. Nun will sie sich neuen Projekten widmen.

Karla Andrä, die Seele des Fakstheaters, steigt um. Die Schauspielerin will sich in Zukunft mehr mit Lyrikprogrammen und Lesungen beschäftigen. Das Kindertheater, so sagt sie unumwunden, wird ihr mit 60 Jahren einfach zu anstrengend. Immer wieder an anderen Orten aufbauen und abbauen, Kulissen und Equipment schleppen, dazu an einem Tag oft mehrere Vorstellungen spielen… Schon einige Zeit firmieren Karla Andrä und ihr Mann, der Gitarrist Josef Holzhauser, auch unter dem Ensembletitel „Text will Töne“. Mit dem Nikolauskonzert am Sonntag, 6. Dezember, im Abraxas wollten sie eigentlich das Fakstheater abschließen. Es wird nun digital als Video zu sehen sein.

„Ich habe schon länger geplant, mich zu verändern“, sagt die Schauspielerin, die am Theater Augsburg engagiert war, ehe sie vor 28 Jahren das Fakstheater gründete. Mit Literatur hat sie schon das ganze Auftrittsjahr 2021 durchgeplant. Die coronabedingte Spielpause nutzte sie, um neue Gedichte zu lernen und Texte zusammenzustellen. Im März soll ihr Abend über die Brecht-Darstellerin Carola Neher (1900–1942) Premiere haben. Eine Ausstellung im Deutschen Theater Museum in München 2014 hat sie dazu inspiriert. Neher spielte die heilige Johanna der Schlachthöfe, sie sang die Polly im Dreigroschenoper-Film und trat in Brechts „Happy End“ auf. Sie schrieb selbst Gedichte und rezitierte auch die Lyrik ihres ersten Mannes Klabund. Im Moskauer Exil fiel sie dem Stalinismus zum Opfer und kam 1942 im Gulag um.

Fakstheater-Gründerin Karla Andrä plant einen Brechtabend im Abraxas

„Ich möchte sie ehren als eine große Frau“, erklärt Andrä. Zumal ein direkter Bezug zu Augsburg besteht: Der Sohn Georg ihres Ehemannes Anatol Becker lehrte in den 1980ern am Leopold-Mozart-Konservatorium Gehörbildung. Zwei Enkelinnen von Carola Neher sind hier geboren und leben inzwischen in München. Schon im Januar 2021 plant Karla Andrä einen Brechtabend im Abraxas namens „Brecht und mehr“. Ihn will sie der verstorbenen Kollegin und Augsburger Brechtdarstellerin Christel Peschke widmen. Zum Valentinstag (14. Februar) will sie am Vorabend „Das Tagebuch von Adam und Eva“ rezitieren, eine vergnüglich-ironische Liebesgeschichte von Mark Twain.

Zum Weltkulturerbe Augsburger Wasserwirtschaft gestaltet sie im Sommer im historischen Wasserwerk am Hochablass ein Programm mit Lyrik und Musik von „JoJo“ – dem Duo der Brüder Josef und Johannes Holzhauser. Es soll auch als Audiowalk aufgenommen werden, um auf eigene Faust das Industriedenkmal und seine Geräusche zu erkunden mit Wasserpoesie von Goethe über Brecht bis Eva Strittmatter. Von Goethe hat Karla Andrä übrigens auch die Italienische Reise als Vortragsabend zu bieten.

Mit dem "Buchstabentheater" hat das Fakstheater einen Preis gewonnen

Ganz mit Kindertheater wird die Schauspielerin nicht aufhören. „Ich will den Kleinen Lust aufs Lesen und auf Gedichte machen“, sagt sie. Dazu geht sie in die Schulen und in die Stadtbücherei. Für ihr „Buchstabentheater“ hat Karla Andrä sogar den Augsburger Zukunftspreis 2019 gewonnen. Auch das muntere Brechtprogramm „Fisch Fasch“ im Brechthaus will sie weiter aufführen. Für Halle 116, den Gedenkort im Sheridan-Gelände, bereitet sie eine szenische Anne-Frank-Lesung vor. Zweimal ist die Premiere verschoben worden, 2021 sollte es endlich klappen.

„Aufgeben werde ich das Theater für die Allerkleinsten, die das erste Mal ins Theater gehen.“ Das hat sie beschlossen. Vor einer Generation war sie bundesweit ein Vorreiter auf diesem Gebiet, vor allem mit ihrem Stück „Gute Nacht mein Bär“. Auch die kultigen Familienkonzerte stellt das Faktheater ein. Auf CDs sind sie allerdings noch zu kaufen („das Label behalten wir bei“).

„Kinder kommt und ratet, was im Ofen bratet“ kann man an diesem Sonntag um 15 Uhr miterleben auf Youtube. Mehr Informationen gibt es auf www.fakstheater.de oder www.kulturhaus-abraxas.de.

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