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Konzert

27.01.2020

Zwei junge Genies: Mozart und Mendelssohn

A. Schimpf

Die Bayerische Kammerphilharmonie spielt Musik der Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn. Solist Alexander Schimpf spielt die ersten Klavierkonzerte Mozarts. Dabei geht allerdings das Leichte verloren.

Als „Wunderkinder“ gelten die beiden früh als Virtuosen auftretenden Musiker Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy – übrigens ebenso wie ihre Schwestern Nannerl und Fanny. Auch wenn Wissenschaftler in letzter Zeit gerne den Mythos abschwächen und die äußeren Umstände der besonderen Talentförderung in den beiden musikalischen Familien herausstreichen, bleibt die Tatsache, dass sowohl der junge Mozart wie auch Felix bereits früh mit außergewöhnlichen Kompositionen auffielen.

Zum schon traditionellen Konzert der Bayerischen Kammerphilharmonie zu Mozarts Geburtstag am 27. Januar gab es also diesmal im Kleinen Goldenen Saal unter dem Titel „Wunderkinder“ kleine Schmuckstücke der beiden jungen „Genies“. Und wegen des großen Andrangs spielte die Kammerphilharmonie das Programm sogar zweimal am selben Tag.

Sogar das Gurgeln des Heizkörpers fügt sich in die Musik ein

Die Bayerische Kammerphilharmonie wird für ihre abwechslungsreichen Programme vom Publikum geliebt. Energie und musikalische Fantasie spürte man auch an diesem Abend, den das Orchester mit 12 Streichern mal wieder ohne Dirigent präsentierte, die Leitung hatte Konzertmeister Gabriel Adorján.

Voll Frische gingen die Musiker die Streichersinfonie Nr. 9 C-Dur an, eine von den lange verschwundenen hübschen Sinfonien, die Mendelssohn als 12-Jähriger komponiert hatte. Das helle, lebhafte Funkeln der Geigen kontrastierte hier mit dem betont starken Dunkel der Celli und des Kontrabasses, die ein spannungsreiches Erzählen garantierten. Das Gurgeln eines Heizkörpers passte sich an ruhigen Stellen wie ein wohliges Regen des ehrwürdigen Kleinen Goldenen Saales in das Musikgeschehen ein. Denn auch das Scherzo nach einem Schweizer Lied, das bäuerlich breit angelegt war, fällt etwas aus dem Rahmen.

Gast des Abends war der Pianist Alexander Schimpf, eine seit elf Jahren bewährte Zusammenarbeit, die nun auch als CD mit den Klavierkonzerten Mozarts Nr. 11-13 erhältlich ist. Sie gehören zu den Werken, mit denen sich der 26-jährige Mozart in Wien beim Publikum beliebt machen wollte. Seinem Vater schrieb er, sie „sind sehr brillant – angenehm in die Ohren“, und darüber hinaus gab er noch eine Bearbeitung heraus, die nur für kleines Streicherensemble ohne Bläser, also auch für Liebhaber, zu spielen war. Diese kammermusikalische Bearbeitung der Klavierkonzerte Nr. 11 und 12 war an diesem Abend zu hören.

Zum grandiosen Erlebnis wurden hier die langsamen Sätze, die geradezu liebevoll vom sehr lebendig spielenden Solisten und den Streichern ausgestaltet waren. Dagegen fehlte etwas in den anderen Sätzen, den hohen Tempi geschuldet. All das Leichte, Verspielte, das diese ersten Klavierkonzerte Mozarts ausmacht, ging oft im Rausch der schnellen, virtuos gebrachten Läufe unter. Der weiche Klang des Blüthner-Flügels hinderte zudem die Entfaltung des Pianisten, der deswegen fast beethovenhaft kämpferisch die Kadenzen anging. Mozarts Charme in den kleinen Verzierungen und Figuren, seine kleinen Widerhaken wie die dezenten Bratschen-Nachsetzer im Kopfsatz des Klavierkonzerts Nr. 12 und die Entfaltung der Melodien hatten es da schwer.

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