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Theater Augsburg

22.09.2018

Zwischen Baustelle und Staatstheater: Das bringt die neue Spielzeit

Augsburg hat jetzt ein Staatstheater - und gleichzeitig ist das Große Haus eine Baustelle.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Neuer Name, neue Spielstätten, neue Stücke und Gesichter: Auf das Theater Augsburg kommt in dieser Spielzeit einiges zu. Ein Multimedia-Streifzug.

Einiges ist neu und noch mehr im Umbruch: Am frisch hochgestuften Staatstheater Augsburg herrscht Aufbruchsstimmung. Auf dem Gaswerkareal entsteht zunächst eine Übergangs- und wenig später die eigentliche Interimsspielstätte für die Brechtbühne , rund um das Große Haus haben die Sanierungsarbeiten Fahrt aufgenommen und hinter den Kulissen arbeitet man daran, Augsburg nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Ausrichtung in den nächsten Jahren zum Staatstheater zu formen.

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Neue Gesichter am Staatstheater Augsburg
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Unterdessen hat der reguläre Spielbetrieb wieder begonnen: Die Spielzeit startete bereits mit einer Wiederaufnahme der Verdi-Oper „La forza del destino“ aus den noch nicht besonders weit zurückliegenden Zeiten des Stadttheaters. Richtig feiern dürfen sich Ensemble, Mitarbeiter und Besucher aber beim Theaterfest, das am Sonntag, 23. September, mit zahlreichen Aktionen im Martinipark stattfindet.

In der abendlichen Spielzeitshow stellen sich auch einige neue Künstler vor: Drei Sängerinnen und sechs Tänzer gehören frisch zum Augsburger Ensemble. Eine von ihnen hat sich bereits besonders hervorgetan: Die Mezzosopranistin Natalya Boeva gewann Mitte September den ARD-Musikwettbewerb.

Das Schauspiel-Ensemble hat sich personell in dieser Spielzeit nicht verändert. Doch auch hier wird einiges anders: Am 28. und 29. September finden gleich zwei Premieren statt - die eine im Kühlergebäude des Gaswerks in Oberhausen, die andere im Martinipark im Textilviertel. Nicht nur räumlich, sondern auch programmatisch schlagen Dramaturgie und Intendanz hier den großen Bogen - am Freitag feiert das expressionistische "Gas" von Georg Kaiser Premiere, am Samstag steht das antike Drama "Die Orestie" auf dem Programm.

Im Gaswerk müssen die Theaterschaffenden derzeit den Spagat zwischen Spielbetrieb und Baustelle schaffen. Während im Kühlergebäude die Proben auf Hochtouren laufen, verlegen Handwerker im Gastronomiebereich demnächst erst den Boden im Gastronomiebereich.

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Vom Denkmal zur Theaterbühne: So verändert sich das Gaswerk
Bild: Fabian Kluge

Theater Augsburg: Abläufe im Martinipark haben sich eingespielt

Anders ist die Situation im Martinipark: Nach dem eiligen Einzug im vergangenen Jahr haben sich die Abläufe dort nun eingespielt. Die besonderen Herausforderungen der Halle bleiben aber - wir waren mit der Kamera in einer Probe der "Orestie" dabei und haben mit Dramaturg Wojtek Klemm und Bühnen- und Kostümbildnerin Katrin Kersten gesprochen.

Das antike Drama "Die Orestie" feiert am 29. September im Martinipark in Augsburg Premiere. Wir waren vorher in einer Probe mit dabei und haben mit Regisseur Wojtek Klemm und Bühnen- sowie Kostümbildnerin Katrin Kersten gesprochen.
Video: Ida König

Welche Stücke im Schauspiel in dieser Saison sonst noch Premiere feiern, lesen Sie hier:

Das Gaswerk ist zwar die einzige neue Interimsspielstätte der Saison - es gibt aber noch mehr Orte, an denen das Theater in dieser Spielzeit zu sehen sein wird. Eine ganz besondere Bühne wird im Frühjahr 2019 am Moritzplatz in Augsburg aufgestellt. Auf der Westchorbühne finden zahlreiche Veranstaltungen zur 1000-Jahr-Feier der Moritzkirche statt. An welchen Orten das Staatstheater in der neuen Saison zu sehen und zu hören ist, zeigt unsere Karte:

Was ändert sich durch den Staatstheater-Status?

Doch woran erkennt der Zuschauer nun, dass Augsburg nicht mehr Stadt-, sondern Staatstheater ist? Unmittelbar nach der Verkündung dieser Entscheidung begannen die Spekulationen darüber, was sich nun ändern wird. Für das Publikum geht erst einmal alles weiter wie gewohnt. Auch finanziell wird die Stadt Augsburg wohl nicht, wie zuerst angenommen, massiv entlastet. Denn mit dem neuen Status und dem damit verbundenen Anspruch steigen auch die Kosten.

Deutlich profitieren werden langfristig die Augsburger Philharmoniker, die in den nächsten Jahren von einem sogenannten B-Orchester mit etwa 70 Mitglieder zu einem A-Orchester mit bis zu 99 Musikern aufgestockt werden sollen. Das wiederum kommt dem Konzert- und Opernpublikum zugute, denn A-Orchester sind dafür konzipiert, schwerere und größere Werke aufführen zu können. Das hängt vor allem mit der besseren Bezahlung der Musiker und der damit verbundenen Strahlkraft zusammen.

Doch bereits jetzt müssen sich die Augsburger Musiker nicht verstecken -  das zeigt auch ein Blick auf die Musiktheater-Premieren und Sinfoniekonzert-Programme. Bereits zum Ende der vergangenen Spielzeit wollte Chefdirigent Domonkos Héja außerdem das Publikum durch eine Befragung besser kennenlernen. Nun bezieht er die Zuhörer wieder mit ein - mit einem Wunschkonzert kurz vor Weihnachten.

Besonders gestärkt werden soll durch die Aufstockung zum Staatstheater das Augsburger Ballett, dem laut Intendant André Bücker bisher ein sehr kleiner Etat und zu wenige Tänzer zur Verfügung stehen. Trotzdem ist das Ballett beim Publikum schon seit Jahren sehr beliebt, Aufführungen sind stets gut besucht. Eine Übersicht über Ballet-Premieren finden Sie hier:

Intendant Bücker startet in seine zweite Saison in Augsburg und wird selbst die Oper "Werther" sowie das Schauspiel "Die nötige Folter" inszenieren. Wir haben vor Beginn der Spielzeit mit ihm darüber gesprochen, was die Augsburger in den nächsten Monaten erwartet:

Was kommt diese Spielzeit auf Augsburg zu? Theater-Intendant André Bücker im Video

"Jesus Christ Superstar" auf der Augsburger Freilichtbühne

Besonders beliebt beim Augsburger Publikum sind die Aufführungen auf der Freilichtbühne. In diesem Jahr steht "Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber auf dem Programm, das letztmals zum Abschied des ehemaligen Augsburger Intendanten Ulrich Peters im Jahr 2006 auf der Freilichtbühne zu sehen war. Welche Stücke seitdem am meisten Zuschauer anzogen, zeigt diese Grafik:

Bis auf die Freilichtbühne am Roten Tor sind seit dieser Spielzeit nun alle regulären Spielstätten rund um das Große Haus am Kennedy-Platz geschlossen. Das Inventar der Brechtbühne wird im Gaswerk eingesetzt, im Hoffmannkeller fand im Juni 2018 die letzte Vorstellung statt. Das wird auch bis Ende 2023 so bleiben - dann soll die Sanierung im Großen Haus abgeschlossen sein. Vollständig abgeschlossen ist die Sanierung voraussichtlich aber erst 2026.

Sie wissen schon gar nicht mehr, wie es im Großen Haus vor der Schließung aussah? Diese Bildergalerie ruft die maroden Verhältnisse in Erinnerung:

Theater Augsburg
58 Bilder
So sieht es hinter den Kulissen des Theaters aus
Bild: Silvio Wyszengrad
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