Es ist das zehnte Mozartfest, das Simon Pickel verantwortet. Und wenn der Leiter des städtischen Mozartbüros diesem Festival, das heuer vom 4. bis zum 31. Mai stattfindet, das Motto „Herzenssache“ mitgegeben hat, darf das gewiss auch rückwirkend für alle seine bisherigen Festivals gelten. Pickels Handschrift beim Mozartfest ist unübersehbar.
In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich das Festival gewandelt, vor allem, wenn man den Zuschnitt früherer Mozartfeste dagegenhält. Mit Pickel ging es weg von der Fokussierung auf Mozart und seine Zeit – was nicht heißen soll, dass man die Epoche gänzlich außen vor lassen würde –, stattdessen hin zu „Öffnung“ und „Grenzüberschreitung“. Konkret gesagt zur Ausdehnung des Genrebegriffs (keineswegs mehr nur „klassisch“ Komponiertes) und der Epochengrenzen (mehr musikhistorisch Älteres wie Jüngeres), und überhaupt gilt: mehr U, weniger E.
In spezieller Weise bestimmt Leopold das Mozartfest
Simon Pickel begründet solche Weiterungen bei der Programmvorstellung im Augsburger Mozarthaus ausdrücklich mit dem Hinweis auf Leopold. Jenen Mozart, der als Wolfgangs‘ Vater und gebürtiger Augsburger eigentlich und ideell hinter dem hiesigen Mozartfest stehe; Leopold, der als beispielhafter Vertreter des Zeitalters der Aufklärung offen gewesen sei für Neuerungen.
Erklärtermaßen will Mozartfestmacher Pickel „nicht Wolfgang-Amadeus-Mozart-Stadt spielen“, sondern „viel offener an die Sache herangehen“. Was in der Umkehrung und faktisch heißt, dass auch heuer wieder nicht allzu viel Mozart – wenig von Wolfgang, gar nichts von Leopold – zu hören sein wird. Was einst Markenkern war, ist subaltern geworden. Aber wie man von bisherigen Festivals weiß, schließt das hochrangige Künstler mit interessanten Programmen nicht aus. Und das gilt auch für die diesjährige Konzertfolge.
Ein Reihe von Bekannten kommt zum Festival
Diese beginnt mit zwei Auftritten des Pianisten Chilly Gonzales (4./5. Mai), die bereits angekündigt waren und schon ausverkauft sind. Mit der Saxofonistin Jess Gilliam (8.5.) beginnt die Reihe jener Künstler, die schon einmal Gäste des Mozartfests waren und über die der Festivalleiter sagt, sie gehörten mit zu seinen „Lieblingskünstlern“. Dazu zählen ebenso das Danish String Quartet (9.5.) wie das Klavierduo Jussen (am 15.5. mit der Academy of St Martin in the Fields) und der Mandolinenvirtuose Avi Avatal (mit Akkordeonistin Ksenija Sidorova am 17.5.).
Unter Pickels Leitung erstmals im Programm: eine Oper. Glucks „Paride ed Elena“ (7.5.) mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter Michael Hofstetter, die Partie des Paride übernimmt der Männersopran (!) Samuel Marino. Vokalmusik auch vom RIAS Kammerchor Berlin, der mit dem Vogelstimmenimitator Uwe Westphal ein ganzes Programm den Vögeln widmet (10.5.).
Und dann sind da zwei Namen, die als Fachvertreter von Weltformat zu gelten haben: Geigerin Isabelle Faust, die mit Kristian Bezuidenhout am Cembalo vor allem Bach musiziert (14.5.). Und John Eliot Gardiner, Ikone der historischen Aufführungspraxis, der das Constellation Orchestra dirigiert mit Haydn und Mozart (31.5.).
Wer unter 28 ist, für den gilt die Zehn-Euro-Regel
Hornistin Sarah Willis präsentiert ihr Programm „Mozart y Mambo“ (16.5.), das Alinde Quartett und Christoph Hammer (12.5.) sowie ein „improvisiertes Werkstattkonzert“ mit dem Stegreiforchester und Augsburger Gymnasiasten (17.5.) komplettieren die Konzertfolge. Parallel zum „großen Mozartfest“ findet vom 5. bis 21. Mai auch wieder Kling Klang Gloria statt, das Mozartfest für Kindern mit Konzerten „für alle ab 5“ und zahlreichen Partizipationsprojekten. Apropos Jüngere: Erneut kosten Karten für Besucher des „großen“ Mozartfests, so sie unter 28 sind, zehn Euro. Der generelle Vorverkauf hat bereits begonnen (Bürgerinfo am Rathausplatz, Reservix-Verkaufsstellen).
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