Wird es zu einer Neuauflage der Diskussion um den Namen der Werner-Egk-Grundschule in Augsburg-Oberhausen kommen? Das ist gut möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Auch die Stadt Donauwörth, in dessen heutigem Ortsteil Auchsesheim der Komponist 1901 geboren wurde, dürfte sich in Kürze im Stadtrat mit dem stark umstrittenen Künstler beschäftigen. Dann nämlich, wenn eine weitere wissenschaftliche Arbeit über Egk, seinen Briefwechsel betreffend, publiziert ist. Es geht um zusätzliche - bislang unbekannte - antisemitische Äußerungen eines Musikers, der als Funktionär hohe Ämter sowohl im Nationalsozialismus als auch in der noch jungen Bundesrepublik bekleidet hatte.
Prof. Michael Custodis erforscht die Lebensgeschichte des Werner Egk
Auf diesen Umstand wies jetzt der Musikwissenschaftler und Soziologe Prof. Michael Custodis von der Universität Münster im Augustanasaal hin. Er war im Rahmen der "Augsburger Beiträge zur historisch-politischen Bildung" eingeladen worden - nachdem eine Empfehlung der Augsburger Kommission für Erinnerungskultur unter Zustimmung der Schulgemeinde für die Umbenennung der Oberhauser Grundschule plädiert hatte, der Augsburger Stadtrat in der Folge jedoch 2019 beschloss, den ehrenden Namen Werner Egk beizubehalten.
In seinem gut halbstündigen Vortrag widmete sich Custodis vor allem drei wesentlichen biografischen Abschnitten im Leben Egks, der ab 1908 in Augsburg das Gymnasium bei St. Stephan bis zum Abitur besuchte und am Konservatorium lernte, bevor er in Frankfurt am Main studierte: seinem Aufstieg im deutschen Nationalsozialismus, seinem Entnazifizierungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg sowie seiner bundesrepublikanischen Wiedereingliederung in hohe und höchste Funktionärsämter.
Werner Egk fiel auf durch "abfällige Bemerkungen über jüdische Musiker"
"Abfälligen Bemerkungen über jüdische Musiker" vor und nach 1930 (bei gleichzeitiger Nutzung jüdischer Kontakte) folgte, so Custodis, der Aufstieg Werner Egks im Nationalsozialismus, vor allem durch die Uraufführung seiner Oper "Peer Gynt" (1938), die Hitler und Goebbels so stark begeisterte, dass Egk, Berliner Kapellmeister seit 1936, direkt und persönlich protegiert wurde, unter anderem als nichtarische Musiker ausgrenzender Leiter der Fachschaft Komponisten in der Reichsmusikkammer (ab 1941). Custodis: "Wir reden von einem Akteur und Profiteur, der auf Seite der Täter stand."
Im Rahmen der Entnazifizierungsprozesse nach Kriegsende jedoch habe es Egk dann verstanden, durch ein Netzwerk gleich gesinnter Musiker-Persönlichkeiten, die ihm Atteste ausstellten, sich reinzuwaschen. Custodis: "Egk schrieb ihnen vor, was im sogenannten Persil-Schein stehen solle." Die Aktenlage zur Entnazifizierung sei höchster Wahrscheinlichkeit nach vollständig, Entlastungsbeweise, "die Egk sicherlich genutzt hätte", lägen nicht vor. Was folgte, war die - zeitweise umstrittene - Wiedereingliederung des 1983 gestorbenen Egk in das bundesrepublikanische Musikleben anhand hoher Funktionärsämter, so in den Deutschen Musikrat, in die GEMA, in die Bayerische Akademie der Schönen Künste.
Soll die Oberhauser Grundschule Werner Egks Namen tragen?
Aus dem Zuhörer-Kreis um eine Einschätzung gebeten, was all seine dargelegten Fakten nun hinsichtlich des Namens der Oberhauser Grundschule bedeuteten, erklärte Custodis, es stehe ihm - zumal als Wissenschaftler - kaum zu, den Augsburger Bürgern einen Ratschlag zu geben. Aber als Privatmann könne er sagen: "Egk war zweifellos eine Person der Zeitgeschichte. Aber ob er hinsichtlich der Namensgebung einer Schule auch als ein Vorbild taugt, dazu habe ich Zweifel."
Wie eingangs erwähnt: Die Fortsetzung der Werner-Egk-Einschätzung wird nun - mit starker Verspätung - erst einmal Gegenstand im Stadtrat von Donauwörth sein.