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Porträt: Carla Silva ist die Frau im Hintergrund des Ballets Augsburg

Ballett Augsburg

Die Frau im Hintergrund des Augsburger Balletts: Carla Silva

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    Carla Silva
    Carla Silva Foto: Michael Hochgemuth

    Carla Silva ist die Frau im Hintergrund. Doch im Staatstheater Augsburg, und noch viel mehr beim Ballett Augsburg, ist sich jeder im Klaren darüber, dass ohne sie der große Erfolg der Augsburger Tanzsparte nicht denkbar wäre. Wer ist also die Frau, die das Rampenlicht anderen überlässt und immer nur zum Schlussapplaus bei den Premieren mit auf die Bühne kommt?

    An diesem Mittag, in der Pause zwischen Ballett-Training und Proben für die nächste Premiere, den Strawinsky-Abend im Martinipark, kommt Carla Silva sportlich mit dunkler, weit geschnittener Jeans, und einem blau gemusterten Jackett aus dem Büro des Direktionszimmers im Gaswerk. Das leuchtende Orange ihrer Ohrringe findet sich auch in einem Streifen des beigen Pullovers und in der Farbe der Socken und Turnschuhe. Temperamentvoll erzählt die Brasilianerin in gutem Deutsch, unterstreicht das Gesagte mit vielen Gesten und hängt oft ein sehr herzliches Lachen an ihre Sätze. Seit vierzig Jahren kann Ballettdirektor Ricardo Fernando auf Carla Silva zählen - als seine Ehefrau, Assistentin, Stellvertreterin. „Aber ich habe meine eigene Identität als Künstlerin“ sagt sie selbstbewusst. „Ich habe hier am Haus eine Aufgabe, und zufällig bin ich Ricardo Fernandos Frau.“ „Na ja, nicht zufällig“ fügt sie dann schnell an und lacht schallend, denn jeder, der Ricardo Fernando und Carla Silva zusammen erlebt, spürt, dass es eine tiefe Verbindung ist, die die beiden trägt.

    Mit 15 Jahren war Carla Silva in Brasilien die jüngste Profitänzerin

    Carla Silva hat eine erfolgreiche Karriere als klassische Ballerina hinter sich: Mit acht Jahren kam sie an die staatliche Ballettschule der Oper in Rio de Janeiro, mit 15 Jahren wurde sie die in Brasilien jüngste Profitänzerin in der Compagnie, später dann Demi-Solistin und schließlich Erste Solistin. Bis zum Alter von 45 Jahren stand die heute 61-Jährige selbst auf der Bühne – nachdem sie und Ricardo Fernando Brasilien verlassen hatten, in Wien, Amsterdam und St Gallen, in Bremerhaven, Chemnitz, Pforzheim, Regensburg und Hagen. Bald war sie zusätzlich als Ballettmeisterin, die die Trainings leitete, und als erste Choreografische Assistentin und Stellvertreterin ihres Mannes tätig. Und sie war Mutter einer kleinen Tochter. „Camila war ein einfaches Kind, für sie war es ein Abenteuer, wenn sie zu anderen Leuten gehen durfte, weil Ricardo und ich im Theater waren.“ Aber immer habe sie ihrer Tochter vermittelt: „Wenn Mama da ist, dann ist sie ganz für dich da.“ Drei kleine roten Herztattoos an der Innenseite des rechten Handgelenks trägt Carla Silva als Zeichen für die kleine Familie.

    „Eine Frau, viele Aufgaben, aber wir Frauen sind ja Multitasking“, fasst Silva zusammen, wie sie sich selbst sieht. Beim Augsburger Ballett ist ihre zupackende Art in vielerlei Hinsicht gefordert: Sie erledigt nicht nur die organisatorischen Aufgaben für die Compagnie und die Gastchoreografen, sondern leitet auch Trainings der Tänzerinnen und Tänzer und betreut die Entwicklung - oder bei Wiederaufnahmen - die Einstudierung der Choreografien. „Ich sitze nicht nur da und schreibe mit, sondern ich bin am künstlerischen Prozess beteiligt“, erklärt Carla Silva. Wenn der Choreograf dann nicht mehr vor Ort ist, ist sie dafür verantwortlich, dass die Qualität einer Choreografie gehalten wird. „Dafür muss ich jeden Schritt, jede Position, jede Geste genau kennen.“ In der letzten Spielzeit waren es neun Stücke, die sie zu betreuen hatte.

    Für die neue Choreografie von Strawinsys „Sacre du printemps“ assistiert Carla Silva ihren Mann Ricardo Fernando

    Für den neuen Ballettabend arbeitet Silva mit ihrem Ehemann zusammen, der zu Strawinskys Ballettklassiker „Sacre du printemps“ choreografiert. Geht das störungsfrei, wenn man sich auch sonst so nah ist? Eine Frage, die Carla Silva mit einem Schmunzeln quittiert. „Klar, das ist nicht immer einfach, aber wir haben jahrzehntelange Routine“, sagt sie und fügt dann charmant an: „Und man benimmt sich einfach ein bisschen, wie bei jedem Choreografen, so auch bei dem eigenen Ehemann.

    Als „Rehearsal Director“ , so die Fachbezeichnung für die erste choreografische Assistenz, müsse man eben auch ein wenig Psychologe sein. „In der ersten Zeit, wenn ein Choreograf zu uns kommt, beobachte und studiere ich erst einmal, wie er arbeitet, wie ich ihn unterstützen muss, ja, wie ich überhaupt mit ihm umgehen muss, damit er gut arbeiten kann“. Manchmal muss sie die Choreografen dann auch auf die Spur bringen, damit der Premierentermin gehalten werden kann. „Aber ich liebe das, alles zusammen zu bringen“, stellt Carla Silva fest und wehrt deshalb auch gleich die Frage ab, ob sie nicht selbst choreografieren wolle. Wäre ja auch ein bisschen viel, überlegt sie, denn sie wolle auf keine ihrer sonstigen Aufgaben verzichten.

    Carla Silva: „Man muss etwas aufgeben, um später etwas zu gewinnen.“

    Dass ihr Beruf diese Vielfalt hat, konnte sich Carla Silva als 15-Jährige allerdings nicht vorstellen. Damals wollte sie nur tanzen, tanzen, tanzen. Mit dieser Leidenschaft und dem nötigen Talent, war es für sie eine Selbstverständlichkeit, nicht das Leben zu führen, das andere Jugendliche führten: Freunde, Partys, Hobbys. „Man muss etwas aufgeben, um später etwas zu gewinnen“, weiß sie. Eine andere Person zu werden, diese in Bewegungen zu verkörpern und dabei auch neue Facetten an sich selbst kennenzulernen, das habe sie immer fasziniert.

    Selbst auf der Bühne zu tanzen vermisst Carla Silva nun aber trotzdem nicht. Sie ist gern die Frau im Hintergrund. Nur an eines denkt sie etwas wehmütig zurück - an die Gefühle vor einem Auftritt: „Wenn ich mich zurückziehen konnte, ganz bei mir war, mich noch einmal auf die Schritte fokussierte und auf einmal ganz stark fühlte. Das sind die Momente, die ich jetzt vermisse“, erinnert sie sich und ihrem Lächeln sieht man an, wie sehr sie diese Augenblicke genossen hat.

    Info: Der Ballettabend „Les Noces & Sacre du Printemps“ mit Choreografien von Didi Veldman und Ricardo Fernando hat am Samstag, 18. April um 19.30 Uhr Premiere im Martinipark. Für die Premiere sowie die weiteren Vorstellungen bis 26. Juni gibt es noch Karten.

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