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Staatstheater Augsburg
10.05.2022

Motto "Aufbruch": Das verspricht die neue Spielzeit am Staatstheater Augsburg

Das Staatstheater Augsburg präsentiert seine neue Spielzeit 2022/23. Diese steht unter dem Motto "Aufbruch".
Foto: Richard Mayr

Mit vielen Ur- und Erstaufführungen plant das Staatstheater Augsburg die Saison 2022/23. Auf der Freilichtbühne werden im Sommer 2023 "Die drei Musketiere" zu sehen sein.

Es ist der sechste Spielplan, den André Bücker mit seinen Spartenchefs für das Staatstheater Augsburg erarbeitet hat. Und so nimmt der Staatsintendant bei der Vorstellung des Programms für die Saison 2022/23 die Gelegenheit beim Schopf, einleitend darauf hinzuweisen, dass seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016 das Augsburger Theater seine Inszenierungen überwiegend „im Interim“ auf die Bühne bringen muss – in der Ersatzspielstätte Martinipark, denn das angestammte Große Haus am Kennedyplatz war ja schon vor Bückers Amtsantritt wegen Baufälligkeit geschlossen worden und ist seither Sanierungsgroßbaustelle. Wenn Bücker nun in wohlgesetzt-unmissverständlichen Worten vor den versammelten Journalisten davon spricht, dass er und seine Belegschaft sich inzwischen „sehr deutlich“ fragen würden, wann die Sanierung denn einmal an ihr Ende kommen werde „und wann wir wieder zurückkehren können“ ins Große Haus“, schließlich böten sich dort fürs Theatermachen nun mal ganz andere Perspektiven als im Interim – dann kann man diese Worte durchaus interpretieren als ein Unbehagen hinsichtlich der Frage, ob denn die aktuelle, nach gegenwärtigem Stand bis 2027 reichende Intendanz überhaupt noch in ein frisch saniertes Großes Haus einziehen, geschweige denn es bespielen wird.

Augsburger Spielzeit beginnt mit „Jerusalem“ von Jez Butterworth

Jedenfalls heißt es erst einmal, sich weiter einzurichten im Martinipark als Hauptspielstätte. Dass das Staatstheater gleichwohl frohen Sinnes in die neue Spielzeit geht, speist sich freilich aus anderen Gründen, denn „nach zwei komplizierten Spielzeiten“ (Bücker) scheint die kommende nicht mehr in demselben hohen Maße unterm Corona-Damoklesschwert zu stehen. „Aufbruch“ lautet somit auch das Themenmotto der kommenden Saison, die am 10. September mit einer Schauspiel-Neuinszenierung beginnt, mit „Jerusalem“ von Jez Butterworth. André Bücker rühmt das Stück als den Hit des aktuellen englischen Theaters, das auf deutschsprachigen Bühnen bisher freilich nicht zu sehen war – Augsburg nun wird die Lücke füllen, hat es sich doch die Rechte für die deutschsprachige Erstaufführung gesichert.

Es finden sich auch sonst wieder zahlreiche Stücke zeitgenössischer Autorinnen und Autoren im Spielzeitprogramm, das Staatstheater bleibt hier seiner Linie treu – aktuell zu sein, ohne jedoch in avantgardistischer Zuspitzung. Folglich finden sich gerade in der Schauspielsparte auch noch weitere Erst- und Uraufführungen. Etwa die Romanbearbeitungen „Wittgensteins Mätresse“ (nach David Markson) und „Unruhe um einen Friedfertigen“ (nach Oskar Maria Graf) oder auch das neue Schauspiel „Frauen der Unterwelt“ von Rahel Völcker, das Krankenmorde während der NS-Zeit zum Thema hat. Stolz ist das Staatstheater auch darauf, dass das Gewinnerstück beim Kleist-Förderpreis 2023 in Augsburg inszeniert werden wird. Zum 125. Brecht-Geburtstag im Februar nächsten Jahres wartet das Staatstheater zwar mit einer kleinteiligen „Festwoche“ auf, nicht jedoch mit einer Neuinszenierung eines der großen Stücke des Augsburger Dramatikers.

Auch "La Traviata" bietet das Staatstheater Augsburg

Zeitgenössisches, in moderatem Klanggewand, prägt auch die Musiktheater-Sparte. Mit „Angel’s Bone“ kommt als europäische Erstaufführung eine Oper von Du Yun nach Augsburg, für die die chinesisch-amerikanische Komponistin den Pulitzerpreis erhalten hat. Der Spielzeitauftakt bleibt freilich dem Verdi-Evergreen „La Traviata“ vorbehalten, in derselben Klasse spielt auch Beethovens „Fidelio“. Rossinis „Reise nach Reims“ ist weniger bekannt – umso schöner, dass die wegen Corona verschobene letzte Oper des Belcanto-Meisters nun endlich auf die Bühne findet.

Das Ineinandergreifen von Sparten pflegt das Staatstheater ausgiebig, in der Saison 2022/23 insbesondere mit „The Fairy Queen“, der Purcell-Oper, deren Augsburger Neuinszenierung wesentlich von der Ballett-Kompanie geprägt sein wird. Auf große Handlungsballette verzichtet Spartenchef Ricardo Fernando im neuen Programm, es gibt vor allem mehrteilige Tanzabende mit jeweils verschiedener Choreografen-Handschrift wie etwa zum Saisonstart Ende Oktober mit „Godani – Goecke – Fernando“.

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Raphaela Gromes ist "Artist in Residence" der Augsburger Philharmoniker

Aber auch die Augsburger Philharmoniker setzten Schritte über ihre Sinfoniekonzert-Sparte hinaus. Arnold Schönbergs Monodrama „Erwartung“ wird nämlich auch als „Single Player VR-Game“ in Zusammenarbeit mit der Digitalsparte zu sehen sein – jener noch immer relativ neue Zweig des Staatstheaters, der auch sonst wieder einiges im Angebot hat. Artist in Residence der Philharmoniker ist 2022/23 die junge Cellistin Raphaela Gromes. Die Hälfte der insgesamt acht philharmonischen Konzertprogramme sind übrigens Übernahmen aus der noch laufenden Spielzeit, Sinfoniekonzerte, die wegen Corona bisher nicht zustande kamen.

Neben den großen Premieren warten alle Sparten noch mit einer Vielzahl weiterer Veranstaltungen auf, im Einzelnen aufgeführt in einem „Spielzeitblatt“, das auch online einzusehen ist (www.staatstheater-augsburg.de/aufbruch).

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