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Textilmuseum Augsburg: Talbot und Runhofs Kleider gegen Donald Trump

Augsburg

Politischer Stoff gegen Trump: Karl Borromäus Murr zeigt sein Lieblingswerk im Textilmuseum

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    Karl Borromäus Murr stellt sein liebstes aktuelles Ausstellungsstück vor.
    Karl Borromäus Murr stellt sein liebstes aktuelles Ausstellungsstück vor. Foto: Veronika Lintner

    Von Samt bis Seide: Karl Borromäus Murr kennt sich mit Stoffen jeder Sorte aus. Sein Weg ins Büro führt vorbei an alten Webstühlen, an Kleidern, Puppen, Mustern. Er leitet in Augsburg das Staatliche Textil- und Industriemuseum, kurz Tim. Doch es gibt da einen Stoff, der ihn besonders stark beeindruckt: Es ist die Politik in der Mode. „Unheimlich mutig“ findet Murr die drei Outfits, die jetzt vor ihm stehen, auf Mannequin-Puppen drapiert: Ein Shirt in Schwarz trägt die orange Aufschrift „Lie to me“ – was übersetzt heißt „Lüg mich an“. Und wer beim Wort „Lüge“ schon etwas ahnt und die Schriftfarbe Orange verdächtig findet, der liegt richtig: Diese Stücke nehmen die Politik von Donald Trump auf die Schippe. Mode im Trotz gegen den US-Präsidenten, gegen Fake News und Lügen.

    Diese Shirts und Kleider haben die Münchner Designer Talbot und Runhof entworfen, ihnen widmet das Tim gerade eine Sonderausstellung. Murr bewundert die Haltung der beiden Männer aus München: „Sie ducken sich nicht weg, sie begeben sich mitten hinein in den Diskurs“. Was sieht der Museumsleiter in ihrer Kollektion? Die Notwendigkeit von „Wahrheit und Wahrhaftigkeit“, auch in der Mode.

    Gegen Trump: Johnny Talbot aus Tennessee und Adrian Runhof aus Mainz

    Johnny Talbot aus Tennessee und Adrian Runhof aus Mainz – gemeinsam setzen sie immer wieder Zeichen. Als die Amerikaner zum ersten Mal Donald Trump ins Präsidentenamt wählten, da witterten sie schon Schlimmes. Aus Widerstand und Sorge schneiderten sie deshalb eine Winterkollektion 2017/18, die zur Provokation wurde: Bei der Fashion Week in Paris ließen sie Statement-Kleider gegen Trump über den Laufsteg wandern. Vor den Augen der Glamour-Prominenz und Journalisten aus aller Welt. Der Skandal löste lauten Applaus aus, aber auch Protest und wütende Reaktionen aus Amerika. „Johnny Talbot wurde gefragt: Wie können Sie es wagen, unseren Präsidenten zu beleidigen?“, erklärt Murr. „Seine Antwort: Ihr Präsident ist auch mein Präsident.“

    Diese Kollektion knöpft sich Trump vor: Mit kleinen Flicken sind die Buchstaben und Sprüche in den Stoff gestickt. „Sad!“, das sagt Trump, wenn er Menschen, Ideen, Werte als „traurig“ abkanzelt, sie damit beiläufig beleidigt. „Persist“ ist dagegen ein Leitspruch der US-Demokraten, die Widerstand leisten. Und „Lie to me“ fasst zusammen, dass die Welt vielleicht auch betrogen werden will? Mit seiner Taktik hält sich Trump im Amt. „Wir sehen an seinem Beispiel, wie Selbstinszenierung funktionieren kann“, sagt Murr. Die Bühne der Weltpolitik nutzt Trump als Laufsteg: „Wir lesen, hören, sehen jeden Tag etwas von Trump, in allen Medien.“

    „Trump inszeniert sich als Heros, als starker Mann“, sagt Karl Borromäus Murr

    Murr, der seit 2009 das Tim leitet, beobachtet diese Selbstdarstellung mit scharfem Blick: „Trump inszeniert sich als Heros, als starker Mann. Aber er verbreitet mit seinen Worten Lügen, ich würde sogar sagen: mehrdimensionalen Unsinn. Und damit greift er vielfach demokratische Institutionen an.“ Trumps Taktik nennt er „disruptiv“. Das bedeutet: Politik mit der Abrissbirne. Trump zerstört das System, um selbst etwas Neues zu formen. „Disruption kann in manchen Momenten ein produktives Prinzip sein“, sagt Murr. „Aber als politisches Dauerprinzip ist sie verheerend.“

    Talbot und Runhof suchen ihre Antwort im Stoff: „Ihre Kollektion ist auch aus sehr ehrlichem, hochqualitativem Material gefertigt“, erklärt Murr – und meint damit feine Taroni-Seide aus Italien. So verstricken die Designer alle Ebenen: die Oberfläche der Parole, den ehrlichen Stoff, die scharfe Kritik. Mode sei immer politisch: „Hier ist sie es sehr explizit. Mode kann aber mit vielen Mitteln herkömmliche Denkmuster und Sichtweisen aushebeln“, sagt Murr. „Mode kann Hoffnung machen. Und Wahrheit bewährt sich.“

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