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Wie setzt man einen Klassiker in Szene? Fanny Brunner über ihre Inszenierung von „Das Leben ein Traum“

Staatstheater Augsburg

Regisseurin Fanny Brunner: „Wir haben alles, was der Martinipark hergibt“

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    Eine Geschichte von Macht und Unterdrückung: Calderóns „Das Leben ein Traum“ in der Inszenierung von Fanny Brunner.
    Eine Geschichte von Macht und Unterdrückung: Calderóns „Das Leben ein Traum“ in der Inszenierung von Fanny Brunner. Foto: Jan-Pieter Fuhr, Staatstheater Augsburg

    Müssten Sie den Inhalt von Pedro Calderóns Schauspiel „Das Leben ein Traum“ in nur zwei Sätze fassen, was würden Sie sagen?

    FANNY BRUNNER: Für mich ist „Das Leben ein Traum“ die Unterdrückungsgeschichte zweier Menschen in einer Feudalherrschaft. Einerseits ist da der Königssohn Sigismund, der es schafft, aus einer Unterdrückung in eine Machtposition zu gelangen, andererseits ist da Rosaura, die aus einer ganz anderen Art von Unterdrückung kommt, und die versucht, Recht zu erwirken, aber draußen bleibt aus der Gesellschaft.

    Ist das Stück für Sie ein Märchen, ein Lehrstück, eine Parabel?

    BRUNNER: Märchen und Traum hängen für mich zusammen, meine Inszenierung hat auch etwas von Märchen. Und ja, man kann aus dem Stück auch etwas lernen. Aber ich betrachte es vor allem als Parabel voller philosophischer Gedanken, eine Parabel sogar auf die heutige Zeit mit ihren Autokratien.

    Warum sollte man das Drama kennen?

    BRUNNER: Weil es ein großartiges Stück ist! Es ist unglaublich, wie wenig es über fast vier Jahrhunderte gealtert ist. Klar, wir erzählen von Königen des 17. Jahrhunderts in einem fiktiven Polen, aber – und das ist das Parabelhafte – auch von den Mechanismen einer Autokratie.

    Ist Ihnen daneben noch etwas anderes wichtig für Ihre Inszenierung?

    BRUNNER: Na ja, ich inszeniere aus einem Körper und einem Kopf heraus, der weiblich gelesen wird. Insofern ist mein Blick auf diesen Stoff ein weiblicher. Mir fallen da auch Dinge über den Begriff der Autokratie hinaus auf. Das Drama ist auch ein Stück über hegemoniale Männlichkeit und Machtausübung, und ich sehe Frauen, die sich durchschlagen. Auch habe ich mich gefragt: Wer bekommt die Bühne für seine Gedanken, wer darf denken, laut vor allen – und wer darf nicht denken … Rosaura ist gefangen in einem System, aber sie kann sich eben nicht aus diesem System „herausträumen“.

    Bleiben Sie in Ihrer Inszenierung bei Calderón hinsichtlich Spielort, Spielzeit und auftretender Gesellschaft?

    BRUNNER: Wir haben ein abstrahiertes Bühnenbild, wir haben historische Kostüme, die Gesellschaft ist eine Autokratie. Ich möchte das Parabelhafte in einem zeitlosen, fiktiven Polen unterstreichen.

    Das Barocktheater favorisiert Illusions-, Zauber-, Maschinentheater. Ist das auf der Bühne des Martiniparks möglich?

    BRUNNER: Wir haben alles, was der Martinipark hergibt. Wir haben fahrbare Wagen, wir zaubern und bedienen uns der Videotechnik.

    Die Regisseurin: Fanny Brunner.
    Die Regisseurin: Fanny Brunner. Foto: Herwig Prammer

    Welche Übersetzung von Calderón bringen Sie?

    BRUNNER: Die von Georg Holzer aus dem Jahr 2007. Sie ist eindeutig die modernste im Sprachzugriff. Aber sie ist kein Klassiker in vereinfachter Sprache, sie besitzt ein reichhaltiges Vokabular. Wir haben diese Übersetzung auch immer wieder mit älteren und mit dem Original verglichen.

    Wie würden Sie zusammenfassen, wie der im Turm seit Kindesbeinen eingesperrte Sigismund die Welt draußen durch Clotaldo erfährt?

    BRUNNER: Da haben wir lange darüber nachgedacht. Ich denke, Clotaldo hat Sigismund in all dem unterrichtet, was er selbst beherrscht. Sigismund ist kein Kaspar Hauser, sondern als Thronfolger ein – sogar im Recht – gebildeter Mensch, der aber seinen Trieb nicht unter Kontrolle hat. Er beschreibt sich ja auch selbst als halb Mensch, halb Tier.

    Erzählen Sie noch etwas über sich selbst?

    BRUNNER: Ich bin in Wien geboren und wurde zur Tänzerin ausgebildet, habe aber damit aufgehört aufgrund einer Verletzung. Ich studierte dann Theaterwissenschaft und Germanistik, nicht aber Regie. Stattdessen wählte ich den klassischen Assistentinnen-Weg.

    Premiere der Neuinszenierung von Calderóns „Das Leben ein Traum“ am Staatstheater Augsburg ist am Donnerstag, 11. Juni, um 19.30 Uhr im Martinipark.

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