Die Künstlerin Aïcha Khorchid wird mit dem Zeitsicht Art Award 2026 der Stadt Augsburg ausgezeichnet. Die einstimmige Entscheidung fiel im Rahmen einer Jurysitzung in der Kunsthalle Augsburg im Glaspalast. Die Jury würdigte insbesondere die außergewöhnliche künstlerische Eigenständigkeit, die emotionale Tiefe und die hohe zeitgenössische Relevanz im Werk von Aïcha Khorchid (geb. 1981 in Karachi, Pakistan), die heute auf Mallorca (Spanien) lebt und arbeitet. Ihr Werk ist zutiefst autobiografisch geprägt und kreist um Themen wie Erinnerung, Trauma, Identität und menschliche Beziehungen.
Bis zur offiziellen Verleihung des Kunstpreises wird es allerdings noch dauern. Laut Pressemitteilung wird dies voraussichtlich im Mai 2027 im Rahmen einer Ausstellung mit Khorchid in der Kunsthalle im Glaspalast stattfinden.
Khorchid verarbeitet Gewalterfahrung und Hoffnung in ihrer Malerei
Auf großformatigen Holztafeln entwickelt Aïcha Khorchid eine eindringliche Bildsprache, die oft als „naiv“ bezeichnet wird, jedoch durch ihre emotionale Intensität und kompositorische Kraft weit darüber hinausgeht. Ihre Malerei speist sich aus einer komplexen Lebensgeschichte: Als Kind einer palästinensischen Mutter und eines libanesischen Vaters wuchs sie unter schwierigen Bedingungen in Frankreich auf, geprägt von Flucht, familiären Brüchen und Erfahrungen in Pflegefamilien. Diese existenziellen Erfahrungen bilden den Kern ihres künstlerischen Ausdrucks. In ihren Arbeiten begegnen sich traumatische Erinnerungen – etwa Gewalt, Verlust und Einsamkeit – und vorgestellte Gegenwelten von Hoffnung, Schönheit und Rückzug. Die Bilder zeichnen sich durch Monumentalität, starke Frontalität und eine radikale Reduktion auf wesentliche Formen aus.
Erst vergleichsweise spät wandte sich Khorchid der Malerei zu: Nach Tätigkeiten als Straßenkünstlerin, Tänzerin, Model und Unternehmerin begann sie im Jahr 2020 mit dem künstlerischen Schaffen. Seither hat sie sich rasch international etabliert. Ihre Werke wurden unter anderem in Ausstellungen in Berlin, Antwerpen und Prag gezeigt, 2024 waren sie erstmals in der Gruppenausstellung „The Beauty of Diversity“ in der Albertina Modern in Wien vertreten und wurden in die Sammlung aufgenommen.
Aïcha Khorchid überzeugt die Jury des Zeitsicht Art Award
In der Jury des Preises waren Andreas Beitin (Direktor Kunstmuseum Wolfsburg), Eva Huttenlauch (Sammlungsleiterin und Kuratorin „Kunst nach 1945“, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München), Karsten Löckemann (Hauptkurator Sammlung Goetz, München), Simone Schimpf (Direktorin Neues Museum, Staatl. Museum für Kunst und Design, Nürnberg), Jan T. Wilms (Direktor Kunsthalle Augsburg). Beratend aber ohne Stimmrecht nahmen Jürgen K. Enninger (Kultur- und Sportreferent der Stadt Augsburg) und Eberhard Hauser (Stifter des Zeitsicht Art Award) sowie Christof Trepesch (Direktor der Kunstsammlungen Augsburg) teil. Und Hauser, der Stifter des Preises, sagt: „Mit dem Zeitsicht Art Award möchten wir künstlerische Positionen sichtbar machen, die uns berühren, herausfordern und unseren Blick auf die Gegenwart schärfen. Aïcha Khorchid gelingt dies in außergewöhnlicher Weise: ihre Arbeiten zeugen von einer radikalen Ehrlichkeit.“
Der „Zeitsicht Art Award“ wurde vor über 20 Jahren als private Initiative des Augsburger Beratungsunternehmens hauserconsulting ins Leben gerufen. Zu den engagierten Persönlichkeiten im Kontext des Preises zählen bedeutende Künstlerinnen und Künstler wie Marina Abramović, Arnulf Rainer, Rebecca Horn, Neo Rauch und Katharina Sieverding. Seit 2024 wird der Preis in städtischer Trägerschaft durch die Kunstsammlungen & Museen Augsburg vergeben und organisatorisch von der Kunsthalle Augsburg verantwortet. Mit dieser Neuausrichtung wurde auch das Verfahren reformiert: Eine unabhängige Fachjury entscheidet über die Vergabe. Der Preis ist mit 7.000 Euro dotiert. (AZ)
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