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Muslime führen Klosterhotel: Wie eine Augsburger Gastrofamilie zum Hotel Dede kam

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Muslime führen jetzt ein Klosterhotel: Wie eine Augsburger Gastrofamilie zum Hotel Dede kam

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    Furkan Ugurlu (links) und Wolfram Müller freuen sich, dass das Hotel Dede am Gallusplatz 11 nun an den Start geht.
    Furkan Ugurlu (links) und Wolfram Müller freuen sich, dass das Hotel Dede am Gallusplatz 11 nun an den Start geht. Foto: Marcus Merk

    Dass er und seine vier Geschwister einmal Gastronomen werden und jetzt auch noch ein eigenes Hotel führen, sei nie der Plan fürs Leben gewesen, erzählt Furkan Ugurlu. Der studierte Jurist betreibt seit einigen Jahren die beliebten Cafés Nene und Dede in der Augsburger Innenstadt mit seinen vier Geschwistern. Was aus einer Laune heraus entstand, wurde zum Hauptjob und zum Erfolg. Seit wenigen Wochen leitet die Familie nun auch ein Hotel – als Muslime in den Räumen eines katholischen Klosters.

    Dass er jetzt im Hotel Dede am Gallusplatz 11 Gäste empfängt, sei auch für ihn etwas Besonderes, sagt Furkan Ugurlu. Denn die Idee dazu sei zufällig entstanden. Weil er bei einer Spezialausgabe der bekannten Quiz-Show „Wer wird Millionär“ die 16.000-Euro-Frage von Günther Jauch trotz Publikums-Joker nicht beantworten konnte, fiel er auf 500 Euro zurück und musste die Dreharbeiten zur Show früher wieder verlassen als geplant. „Dafür war ich dann mit meinen Geschwistern hier bei einem Termin des Klosters St. Stephan. Es ging darum, ob wir die Gastronomie im bestehenden Gästehaus übernehmen könnten.“

    Zufall bringt Familie Ugurlu zum Hotelbetrieb

    Angefragt hatte der Verwaltungsleiter des Klosters, Wolfram Müller. Er kennt die Familie Ugurlu seit Jahren und war von deren gastronomischem Handeln und dem Erfolg in den Cafés Dede und Nene überzeugt. Dede und Nene ist Türkisch und bedeutet Opa und Oma, es ist auch eine Hommage an die Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen. „In einem Nebensatz fragte ich, ob sie neben der Gastro nicht gleich das ganze Gästehaus übernehmen und modernisieren wollten“, erzählt Müller. Während keiner der Geschwister darauf einging, meldete sich Furkan Ugurlu. Er werde einmal darüber nachdenken. „Wäre ich statt bei diesem Termin nochmal bei Günther Jauch auf dem Stuhl gesessen, wäre der Nebensatz von Herrn Müller unkommentiert verhallt“, sagt er lachend.

    In der Lobby des Augsburger Hotels Dede treffen Möbel aus den 1970ern auf einen neuen Boden im orientalischen Stil.
    In der Lobby des Augsburger Hotels Dede treffen Möbel aus den 1970ern auf einen neuen Boden im orientalischen Stil. Foto: Marcus Merk

    Stattdessen betreibt seine Familie nun seit wenigen Wochen das Hotel Dede – mit 22 Zimmern und einem Mix aus Tradition und Moderne. „Bei uns gibt es keine Touchscreens und keinen digitalen Check-in ohne Menschen. Wir setzen hier auf die gute alte Rezeption“, so Ugurlu. Gleichzeitig nutze man moderne Technologien, wo sie einem sinnvoll erschienen. Der Slogan des Hotels lautet: „Übernachten wie bei den Großeltern, nur mit besserem W-LAN.“

    Stil- und Generationenmix bestimmt die Optik des Hotels Dede in Augsburg

    Dieser Stil- und Generationenmix findet sich auch in der Ausstattung des Hotels wieder. In der Lobby treffen die Gäste auf Möbel aus den 1970ern, die teils aus dem Kellerbestand des Klosters stammen und auf einem neuen Boden im orientalischen Stil stehen. Weil die neue Rezeption kurzfristig seitens des Herstellers storniert worden war, musste binnen dreier Wochen eine Alternative her, die bei Ebay kostenlos zur Abholung angeboten worden war. Nichts Modernes, eher nostalgisch. „Um sie richtig zur Geltung zu bringen, haben wir sie aufbereitet und als Dekoelemente noch einen alten Kofferwagen und eine goldene Klingel besorgt.“

    Generell legt die Betreiberfamilie viel Wert auf Details. Entlang der Decken sind Stuckelemente verbaut und Kronleuchter angebracht worden, die vor allem das Treppenhaus mit seiner alten Holzstiege aufwerten. In den Zimmern sind unter anderem die Betten sowie die Bäder neu gemacht worden. Aber auch hier findet sich der Stilmix aus Alt und Neu wieder. Neben dem Engagement der Familie hat auch das Kloster vor der Verpachtung mächtig in das Gästehaus investiert: Eine hohe sechsstellige Summe, sagt Wolfram Müller.

    Muslime betreiben Hotel in katholischem Kloster: „Keine Mauern, sondern Brücken bauen“

    Dass sich das katholische Kloster St. Stephan ausgerechnet für eine muslimische Familie als Betreiber des Hotels entschieden hat, sei zwar ungewöhnlich, für ihn aber der richtige Schritt. „Die Religion war für uns nicht entscheidend. Es ging um die Menschen. Und das passt hier einfach“, so Müller. Ugurlu sagt: „Wir bauen keine Mauern, sondern Brücken. Das Hotel soll ein offener Ort für alle sein.“ Dies sei aktuell ein wichtiges Signal. Als er auf einer Pro- und Contra-Liste abgewogen habe, ob sich die Familie für den Hotelbetrieb entscheiden soll, habe auf der Pro-Seite nur der Name Wolfram Müller gestanden. „Er hat uns zu jedem unserer Bedenken einen sinnvollen Lösungsansatz präsentiert und an uns geglaubt.“

    Die Zimmer und deren Bäder im Hotel Dede sind mit dem Umbau des bisherigen Gästehauses komplett modernisiert worden.
    Die Zimmer und deren Bäder im Hotel Dede sind mit dem Umbau des bisherigen Gästehauses komplett modernisiert worden. Foto: Marcus Merk

    Mit der Eröffnung des Hotels ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Im dritten Stock des Gebäudes sollen zwei Appartements entstehen, die auch längerfristig vermietet werden. Und auch für den Keller hat Furkan Ugurlu Ideen. „Wir könnten uns einen kleinen Kinosaal vorstellen oder auch einen Spa- oder Fitness-Bereich.“ Zunächst aber wolle man sich in der neuen Rolle als Hotelbetreiber einfinden.

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