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Mutter der ermordeten Nina H. zu Gericht: „Sie hatten ihr Gesicht mit Wachs rekonstruiert“

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Mutter von Nina H. im Mordprozess: „Ich sah nur noch seinen Hass, seine Eifersucht und seine Wut“

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    Hat der Angeklagte Gino F. Nina H. (links) erschossen? Auf dem rechten Bild ist der Angeklagte mit seinen Verteidigern Jörg Seubert (links) und Michael Weiss zu sehen. Der Prozess um den Mord in Haunstetten geht dem Ende entgegen.
    Hat der Angeklagte Gino F. Nina H. (links) erschossen? Auf dem rechten Bild ist der Angeklagte mit seinen Verteidigern Jörg Seubert (links) und Michael Weiss zu sehen. Der Prozess um den Mord in Haunstetten geht dem Ende entgegen. Foto: Ralf H., Ina Marks (Collage)

    Diese Schilderung lassen kaum jemanden im Schwurgerichtssaal kalt. Im Zuschauerraum wird geschluchzt, als Aleksandra H. erzählt, wie der Leichnam ihrer Tochter aussah, als sie von ihr Abschied nahm. Sie sagt dem Gericht, warum sie glaubt, dass nicht der Angeklagte Gino F. ihre Tochter erschossen hat, sondern deren Ex-Partner Christian S. Am Dienstag haben wohl die letzten Zeugen im Verfahren um den Mord an Nina H. aus Haunstetten ausgesagt. Dabei ging es vor allem um die Tatnacht und um Christian S., mit dem die 30-Jährige wenige Wochen vor ihrem gewaltsamen Tod Schluss gemacht hatte.

    „Oma, Oma, du musst kommen, es ist überall Blut, Mama liegt am Boden.“

    Schon einmal saß Aleksandra H. in diesem langen Indizien-Prozess, der so viele Überraschungen barg, im Zeugenstand. Beim ersten Mal berichtete sie von der fatalen Beziehung ihrer Tochter zu Christian S. und wie sehr Nina unter dem Mann, Vater von zwei ihrer drei Kinder, gelitten und vor ihm Angst hatte. Sie erzählte, wie ihre älteste Enkelin, damals acht Jahre alt, sie plötzlich nachts anrief und sagte: „Oma, Oma, du musst kommen, es ist überall Blut, Mama liegt am Boden.“ Nina H. war mit vier Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. Jetzt sagt die zierliche 54-Jährige, die sich seit dem Mord an ihrer geliebten Tochter um die drei Enkel kümmert, erneut aus. Den Vorsitzenden Richter Michael Eberle interessiert vor allem die Tatnacht, in der die vierjährige Tochter Inka (Name geändert) bei ihrem Vater Christian S. in Landsberg übernachtete und was Inka von jener Nacht erzählt habe.

    Mord an Nina H. aus Augsburg: Was passierte in der Tatnacht in Landsberg?

    Für das Gericht ist diese Frage wichtig. Denn der Angeklagte Gino F. streitet den Mord nicht nur ab. Zwischenzeitlich belastete er seinen Ziehvater Christian S. schwer, indem er behauptete, S. habe Nina H. in jener Mainacht in ihrem Haus in Haunstetten erschossen. Er selbst habe an dem Haus nur Schmiere gestanden und habe von dem Plan nichts gewusst. Er habe gedacht, dass man nur im Garten etwas Vandalismus betreiben würde, so seine Version. Die Ermittler verdächtigen S. inzwischen, den Mord bei seinem Ziehsohn in Auftrag gegeben zu haben. S. sitzt seit geraumer Zeit nun auch in Untersuchungshaft. Aber kann er selbst der Täter sein, wenn in jener Nacht seine kranke Tochter bei ihm in Landsberg schlief? Die Mutter des Mordopfers geht davon aus, dass S. die kleine Inka in der Tatnacht mit Fiebersaft ruhig gestellt hatte.

    Der Angeklagte Gino F. (rechts) beschuldigt seinen Ziehvater Christian S. (links), Nina H. erschossen zu haben. Er selbst will nicht gewusst haben, dass der Mutter etwas angetan werden soll.
    Der Angeklagte Gino F. (rechts) beschuldigt seinen Ziehvater Christian S. (links), Nina H. erschossen zu haben. Er selbst will nicht gewusst haben, dass der Mutter etwas angetan werden soll. Foto: Ina Marks

    „Immer wenn sie bei ihm übernachtet hatte, hatte sie danach davon erzählt. Meist, dass der Pizzamann kam und sie drei Disney-Filme hintereinander schauen konnte.“ Dieses Mal aber habe Inka gar nichts erzählen können, außer, dass sie sich im Bett erbrochen hatte. Laut Aleksandra H. habe S. der Kleinen schon die Tage zuvor immer wieder Fiebersaft eingeflößt. Nina hatte ihr das erzählt und sich darüber aufgeregt, schließlich soll das Kind nur eine erhöhte Temperatur gehabt haben. Aleksandra H. sagt, Inka vertrage das Medikament nicht. Diese Erfahrung habe sie als Oma selbst gemacht. „Sie schläft dann komatös ein und übergibt sich später.“ Michael Weiss, einer der Verteidiger von Gino F., will jetzt genau ihre persönliche Meinung zum Tathergang wissen. „Sie haben doch eine Theorie zu den Kopfschüssen.“ Nina H.‘s Mutter hält damit nun nicht mehr länger hinter dem Berg.

    „Ich sagte immer, dass ich davon ausgehe, dass der S. abgedrückt hat“, sagt sie und liefert dem Gericht die Begründung. „Lange Zeit wusste ich nicht, wie meine Tochter erschossen wurde. Nach der Festnahme von Gino stellte ich mir vor, dass er zielte und sie in Brust, Herz oder Bauch traf.“ Doch dann der Schock bei der Abschiednahme von ihrer toten Tochter.

    „Sie hatten ihr Gesicht mit Wachs rekonstruiert. Es war schon nachmittags und das Wachs war nicht mehr so fest.“ Ihre Tochter habe daher Flecken im Gesicht gehabt. „Ich dachte noch: Schätzchen, bist du nach vorne gefallen?“ Da erst habe sie erfahren, dass ihrer Tochter ins Gesicht geschossen wurde. Ab da habe Gino als Täter für sie keinen Sinn ergeben. Sie habe sofort an Christian S. gedacht. „Da sah ich nur noch seinen Hass, seine Eifersucht und seine Wut“, so Aleksandra H. „Ich glaube, dass er Inka an dem Abend mit im Auto hatte. Und wenn sie auf der Fahrt aufgewacht wäre, hätte er gesagt, er holt Zigaretten und sie wäre wieder eingeschlafen.“ Ob das Gericht dies genauso sieht, ist fraglich.

    Auch, da erhebliche Indizien gegen den Angeklagten sprechen, darunter Blutspuren des Opfers, die Ermittler an der Mütze des 30-Jährigen gesichert haben. Gino F. überrascht an dem Verhandlungstag wiederum mit einer erneuten Aussage. Erst platzt es aus ihm heraus, er wolle „nur noch fertig werden“, ihm sei das „Strafmaß inzwischen auch egal“. Die Bedingungen in der JVA Gablingen seien menschenunwürdig; er leide unter starken Zahnschmerzen und bekomme nur Ibuprofen. Dann verkündet Gino F., alle getätigten Aussagen widerrufen zu wollen. Welche Konsequenzen das für den weiteren Prozessverlauf hat, ist zunächst unklar.

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