Politisch spielen sie in Augsburg keine große Rolle, im Kommunalwahlkampf gerieten sie zum Spaltpilz. Jetzt hat die Gruppierung „Wir sind Augsburg“ (WSA) Konsequenzen gezogen: Der Verein, dessen bekannteste Gesichter der ehemalige Kultur- und Sportreferent Peter Grab sowie Gastronom Helmut Wiedemann (Winterland) sind, hat am Mittwochabend seine Auflösung bekannt gegeben. Die Mitglieder verbanden dies mit Kritik an einem Stadtrat, Vorwürfe gibt es auch gegen OB Eva Weber (CSU) und Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne).
Der Verein WSA besetzt mit Peter Grab derzeit einen Sitz im Stadtrat, bei der Wahl verpasste man nun den Wiedereinzug. Auch außerhalb des Gremiums will der Verein künftig nicht mehr aktiv sein: „Nach zwei Wahlkämpfen, in denen sich der WSA e. V. Verdächtigungen übelster Art erwehren musste, stellten in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Mitglieder einstimmig fest, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn mehr macht, sich weiterhin kommunalpolitisch aktiv einzubringen“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwochabend.
„Hat versucht, uns eine rechte Gesinnung anzudichten“
Hintergrund sind Vorwürfe gegen Mitglieder, es geht um Antisemitismus und Verfassungsfeindlichkeit. In der Pressemitteilung, die die Vorstandsmitglieder Peter Grab und Anita Ponzio unterzeichneten, beschuldigen die WSA-Mitglieder vor allem Freie-Wähler-Stadtrat Peter Hummel. Er habe sich über Jahre darauf konzentriert, „WSA und seinen Mitgliedern eine rechte Gesinnung anzudichten“.
Im Kommunalwahlkampf 2026 unterstützte WSA den SPD-OB-Kandidaten Florian Freund. Dieser erntete dafür Kritik von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) und Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne). Wild betonte unter anderem in einem Interview: „Die SPD unter Florian Freund hat ein Bündnis mit WSA geschmiedet, wo wir klar und deutlich formuliert haben: Wir sind gegen Antisemiten und Antisemitinnen, gegen Verfassungsfeindinnen und Verfassungsfeinde.“
WSA zieht sich aus Augsburger Kommunalpolitik zurück
Webers und Wilds Vorwürfe bezogen sich offenbar auf verschiedene WSA-Akteure. So kursiert schon seit Jahren ein Screenshot, der einen Beitrag von Ponzio zeigen soll. Darin wird unter anderem gegen den jüdischen Publizisten Michel Friedman gewettert. Ponzio bestreitet, dass dieser Beitrag von ihr stamme. Klar belegt sind indes AfD-Sympathien von Guido Fiedler, der bereits 2020 auf der WSA-Liste angetreten war, sowie Aktivitäten eines weiteren Kandidaten. In sozialen Medien verbreitet der Mann regelmäßig Beiträge von AfD-Abgeordneten, Inhalte des rechtsextremen Sprachrohrs „Deutschlandkurier“ und Anti-Ukraine-Postings.
Ungeachtet dessen betonen Grab und Ponzio, weder Wild noch Weber hätten Beweise für ihre Vorwürfe vorgebracht. „Trotz Aufforderung unsererseits hat sich die Bürgermeisterin bis heute nicht bei WSA und seinen Mitgliedern entschuldigt“, kritisieren Grab und Ponzio. „Diese und weitere Aspekte machen es für die Mitglieder einer demokratischen Bürgervereinigung unmöglich, sich weiter politisch zu engagieren.“ Die Vorwürfe hätten nicht nur das Ansehen der WSA-Mitglieder gefährdet, sie könnten sich zudem negativ auf deren berufliche Situation auswirken. „Wir sind es leid, uns jahrelang gegen Versuche, WSA ins rechtsextreme Lager zu stellen, erwehren zu müssen. Lieber hätten wir uns einer sachlichen Kommunalpolitik gewidmet“, so Grab und Ponzio.
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