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Riegele-Chef zu Zuckersteuer: „Da wird ein neues Bürokratiemonster geschaffen“

Augsburg

Spezi-Chef über Zuckersteuer: „Da wird ein neues Bürokratiemonster geschaffen“

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    Sebastian Priller ist Chef des Augsburger Familienunternehmens Riegele. Es braut das Original Spezi. Die Zuckersteuer würde das Getränk teurer machen.
    Sebastian Priller ist Chef des Augsburger Familienunternehmens Riegele. Es braut das Original Spezi. Die Zuckersteuer würde das Getränk teurer machen. Foto: Michael Kerler

    Sebastian Priller ist genervt. Die von der Bundesregierung am Mittwoch beschlossenen Pläne, eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke einzuführen, würden sein Unternehmen deutlich treffen. Das von Riegele hergestellte Spezi mache rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Eine Zuckersteuer würde den Preis pro Kasten deutlich nach oben treiben – zulasten der Verbraucher und am Ende, wenn der Umsatz dadurch sinkt, seines Unternehmens. Sich für die Gesundheit der Bürger einzusetzen, hält Priller grundsätzlich für richtig. Sein Haus arbeitet bereits an einem passenden Produkt. Eine Zuckersteuer hält der Brauereichef aber für falsch. Dazu breche die Politik mit ihr ein Versprechen gegenüber der Wirtschaft.

    Riegele-Chef Priller kritisiert Vorhaben Zuckersteuer

    Die Bundesregierung verspricht sich von der Zuckersteuer Mehreinnahmen von 450 Millionen Euro im Jahr, die den finanziell gebeutelten gesetzlichen Kassen zugutekommen sollen. Ärzte und Verbraucherschützer fordern bereits seit Langem einen solchen Aufschlag, um den Konsum von Softgetränken zu senken und damit Übergewicht, Diabetes und auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

    Das Wissenschaftliche Institut des Verbands der Privaten Krankenversicherung (WIP) hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und kommt zu einem gemischten Ergebnis. Dass ein geringerer Zuckerkonsum einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung chronischer Erkrankungen leisten könne, sei unstrittig. Zudem hätten Studien aus anderen Ländern gezeigt, dass der Konsum gesüßter Getränke durch eine entsprechende Abgabe reduziert werden konnte und Hersteller animiert worden seien, den Zuckeranteil zu senken. Allerdings gebe es nur begrenzt Nachweise für konkrete gesundheitliche Effekte.

    Augsburger Brauereichef: Politik bricht ein Versprechen

    Für Priller ist die Steuer deshalb das falsche Instrument. „Wie gesund jemand ist, hängt nicht allein vom Konsum gesüßter Getränke ab“, ist er überzeugt. Konsequent gedacht, müssten auch Süßwaren oder fettreiche Lebensmittel besteuert werden. „Dann sind wir am Ende so weit, dass die Politik für die Bürgerinnen und Bürger einen Ernährungsplan erstellen muss“, ärgert er sich. Statt Bevormundung und „100 Prozent Vollkasko-Mentalität“ brauche es Eigenverantwortung. Sinnvoller seien Anreize wie Bonusprogramme der Krankenkassen oder ein Schulfach Ernährung. Aus Sicht der Wirtschaft komme die Steuer zur Unzeit.

    Noch ist das Gesetz nicht fertig, doch Priller rechnet mit einem „neuen Bürokratiemonster“. Es müsse geklärt werden, wie Säfte, Süßstoffe oder andere Zuckerarten einbezogen werden. „Da wird es wieder sehr kleinteilige Regeln und Ausnahmen geben, in die man sich einarbeiten und die Abläufe alle akribisch dokumentieren muss“. Statt der versprochenen Entlastungen für die Wirtschaft entstünden neue Belastungen. Auch finanziell hätte Riegele Nachteile: Spezi macht etwa die Hälfte des Umsatzes aus. Je nach Ausgestaltung könnte ein Kasten des Cola-Mischgetränks um bis zu 3,20 Euro teurer werden. Diese Mehrkosten, sagt Priller, müssten in der aktuellen wirtschaftlichen Lage an Verbraucher weitergegeben werden, was den Absatz senken dürfte. Gegenmaßnahmen seien noch nicht geplant. Man müsse die genaue Ausgestaltung des Gesetzes abwarten.

    An anderer Stelle arbeitet Riegele dafür bereits an einem Produkt für gesundheitsbewusste Kunden. Die Kult-Limonade Chabeso wird derzeit nicht produziert und soll Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres mit neuer Rezeptur auf den Markt kommen – komplett natürlich gebraut und ohne Zuckerzusatz.

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