Die Schließung der Augsburger Freilichtbühne wegen Baufälligkeit trifft nicht nur das Publikum, das Staatstheater und externe Veranstalter hart. Die ganze Gegend um das Rote Tor dürfte mit der Open-Air-Spielstätte einen zentralen Anziehungspunkt verlieren. In Restaurants, Bars und Kiosken rund um das Gelände könnte es diesen Sommer ruhiger werden, befürchten die Gastronomen.
Gastronomen um das Rote Tor in Augsburg rechnen mit weniger Gästen
Vor der Aufführung noch schnell eine Pizza essen, oder sich danach bei einem Bier über die Highlights des Musicals austauschen – für viele Gäste der Freilichtbühne ist das gastronomische Angebot rund um das Rote Tor Teil des Erlebnisses. „Da kommen schon immer so 30 bis 35 Leute vorbei, um sich vor der Aufführung noch schnell was zu Essen zu holen“, erzählt Simon Kleisli, Kellner im Annapam. Wenn diese Gäste ausbleiben, werde das Sommergeschäft wohl etwas geringer ausfallen, meint er. Weil das Annapam auf direktem Weg zur Freilichtbühne liegt, sei es an Tagen, an denen Aufführungen stattfanden, am späten Nachmittag oft schon ziemlich voll gewesen, berichtet der Kellner. Die Chance, das Restaurant schon vor dem eigentlichen Abendgeschäft zu füllen, falle mit der Schließung weg.
Das bestätigt auch der Betreiber des Lokals, Markus Zeren, der die Traditionskneipe mit seinem Kollegen Mark Stiege führt: „Wenn die Freilichtbühne schließt, wird uns das schon wehtun“, sagt Zeren. „Die Laufkundschaft ist einfach immer eine Einnahmequelle gewesen, auf die wir uns gut verlassen konnten.“
„Das Rote Tor lebt im Sommer von der Freilichtbühne.“
Nur wenige Schritte entfernt bietet sich für Besucherinnen und Besucher der Freilichtbühne normalerweise ein Zwischenstopp am Kiosk Bahnsteig an. Ob dort nun weniger Leute anhalten, müsse man aber abwarten, so der Betreiber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Besser wird es aber sicherlich nicht“, meint er. „Das Rote Tor lebt im Sommer von der Freilichtbühne. Wenn die wegfällt, könnte es hier ziemlich traurig werden.“ Dass die Freilichtbühne für die Spielzeit 2027 geschlossen werden sollte, war dem Kiosk-Betreiber bewusst. „Bis dahin hätte man sich aber noch was einfallen lassen können“, sagt er. Die überraschende Sperrung für diesen Sommer habe ihn nun doch ziemlich „kalt erwischt“.
Auch Kate Ellis, die mit ihrem Partner Kevin Edga das Murdock‘s erst vor knapp einem Jahr übernommen hat, geht davon aus, dass die Schließung der Freilichtbühne nicht ohne Weiteres an ihrem Pub vorbeiziehen wird. Wie sie sich tatsächlich auf ihr Geschäft auswirken wird, kann sie noch nicht einschätzen. Jetzt heißt es: abwarten. Ändern kann man ja sowieso nichts, meint auch Kellner Eddie aus der Haifischbar. Man müsse versuchen, das Beste aus der ganzen Situation zu machen.
Zugleich blicken einige der Gastronomen skeptisch auf die Dauer der Sanierungsmaßnahmen, die mehrere Jahre beanspruchen könnten. Zu oft habe man, wie zum Beispiel bei der Sanierung des Staatstheaters, erlebt, dass solche Projekte deutlich länger dauern als ursprünglich geplant, so der Tenor der Betreiber. Deshalb befürchtet Annapam-Inhaber Zeren, dass sich auch die Sanierung der Freilichtbühne hinziehen könnte. Der Gastwirt hofft, dass die Politik vor allem eines auf dem Schirm hat: dass mit der Schließung nicht nur ein kultureller Ort wegfällt, sondern für viele umliegende Betriebe auch ein wichtiger Umsatzfaktor.
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