Schüler und Eltern fordern bessere Instandhaltung an Bertolt-Brecht-Realschule in Augsburg
Augsburg
„Das macht die Laune kaputt“: So zeigt sich der Sanierungsstau an einer Augsburger Realschule
Viele Augsburger Schulen sind sanierungsbedürftig. Der Elternbeirat der Bertolt-Brecht-Realschule benennt mehrere dringliche Probleme – doch Lösungen sind teuer.
Seit Juni 2023 ist der Aufzug in der Bertolt-Brecht-Realschule außer Betrieb.Foto: Anna Kondratenko
Seit Jahren läuft die Sanierung und Instandhaltung von Schulen in Augsburg schleppend. In vielen städtischen Bildungseinrichtungen gehören Mängel wie bröckelnde Bausubstanz oder stinkende Schultoiletten zum Alltag. An der Bertolt-Brecht-Realschule im Beethovenviertel organisierte der Elternbeirat deshalb einen „Runden Tisch“ mit Vertreterinnen und Vertretern der Schule sowie aus der Politik. Schuldirektor Johannes Kaiser führte zehn Kommunalpolitikerinnen und -politiker durch die Einrichtung und zeiget auf, wo Handlungsbedarf herrscht. Schülerinnen und Schülern ist vor allem eines ein großes Anliegen.
Augsburger Bertolt-Brecht-Realschule wurde seit Eröffnung im Jahr 1965 nicht renoviert
Vor mehr als 60 Jahren wurde die Realschule eröffnet. Vieles im Gebäude wurde seit 1965 weder erneuert noch saniert. So wurde etwa die Schule seit ihrer Einweihung nicht mehr komplett und fachgerecht gestrichen, wie Direktor Kaiser erzählt. Auch die Elektrik und das Abwassersystem stamme noch aus dem Jahr 1965. An einer Klassenzimmerwand sieht man, welche Folgen das nach sich zieht: Die Wand ist stellenweise aufgequollen, der Putz platzt ab und bröckelt. „Das ist kein Einzelfall, das passiert ständig“, so Kaiser. Eine Sanierung der Abwasserrohre sei dringend notwendig. Weitere Probleme seien die Ausstattung in den Fachräumen, wo etwa wegen mangelndem Equipment keine Physik- oder Chemie-Experimente stattfinden können, der Zustand der Toiletten sowie der kaputte Aufzug.
Realschuldirektor Johannes Kaiser sprach mit Elternbeiräten und Politikern über Mängel an der Bertolt-Brecht-Realschule.Foto: Anna Kondratenko
Der Aufzug ist seit 2023 außer Betrieb und sorgt auch bei Schülerinnen und Schülern für Frust. „Das Wichtigste ist für uns der Aufzug. Es ist schade, wenn Schüler sich mit Krücken die Treppen hochkämpfen müssen“, sagt Schülersprecherin Ama. Wie sie erzählt, habe der Ausfall des Aufzugs auch zur Folge, dass etwa Lehrerinnen und Lehrer nach Operationen länger ausfallen, da sie die Treppen nicht nutzen können. Das bestätigt auch der Schuldirektor. „Die Mängel dämpfen die Motivation in der Schule“, sagt Schülersprecher Mert. „Das macht die Laune kaputt“, findet auch die Zehntklässlerin Ama. Schülersprecher Artin kritisiert die Priorisierung der bayerischen Regierung: „Wie kann es sein, dass man mit iPads um sich wirft, aber wir keine ordentlichen Räume haben?“
Alle drei sind sich einig: Der Aufzug ist am wichtigsten. Das wäre eine große Investition. Laut Schuldirektor Kaiser würde es etwa 250.000 Euro kosten, einen neuen Aufzug im bestehenden Schacht zu bauen. Das sei jedoch aufgrund der Größe nicht zeitgemäß im Sinne der Barrierefreiheit. Ein gänzlich neuer Aufzug an der Fassade des Gebäudes würde mit etwa 700.000 Euro zu Buche schlagen.
Elternbeirat Sven Frei: „Wir wurden zwar gehört, aber nur vertröstet.“
Sven Frei vom Elternbeirat, der das Treffen initiiert hat, fordert von der Politik eine klare Priorisierung. Er selbst erzählt von seiner Tochter, die wegen der schlechten Zustände die schulischen Toiletten meidet. Die Freude an der Schule sei bedingt durch die infrastrukturellen Mängel. Er kritisiert die bisherige Stadtregierung: „Sie hat unser Anliegen nicht ernst genug genommen. Wir wurden zwar gehört, aber nur vertröstet“, findet er. Daher richtete er sich beim Treffen direkt an die anwesenden politischen Vertreter: „Bitte vergessen Sie uns nicht, auch nicht nach der Kommunalwahl“, appellierte er an die Anwesenden.
Von Seiten der politischen Vertreterinnen und Vertretern gab es Verständnis und Zuversicht. „Das Thema Schule hat bei vielen Parteien die höchste Priorität“, sagte etwa Serdar Akin (Grüne). Landtagsabgeordneter Leo Dietz (CSU) betonte die Dringlichkeit der Aufgabe. „Schule wird in der nächsten Legislaturperiode ein Kernthema sein. Wir müssen Antworten für diese Probleme haben“, so Dietz. Ralf Neugschwender (FDP) hoffe, dass man beim Bau der neuen Realschule in Lechhausen Geld sparen kann.
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