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Auszeichnung

18.11.2019

„Abseits gibt es hier und im Irak“

Nicht nur Box-Kurse (wie hier beim Polizei SV) organisiert oder betreut Wolfgang Taubert (ganz rechts) mit seinen Kollegen vom Projekt „Sport und Integration“, sondern auch Schwimmkurse sowie Spiel- und Sportfeste.
Bild: Peter Fastl

Das Projekt „Sport und Integration“ ist für Wolfgang Taubert und sein Team eine Herzensangelegenheit

Der FC Herrenbach ist eine Herzensangelegenheit von Wolfgang Taubert. Die Fußballmannschaft, die hauptsächlich aus afghanischen Asylsuchenden besteht, spielt derzeit in einer Hobby-Liga. Doch wenn es nach dem Koordinator des Projektes„Sport und Integration“ des Freiwilligen Zentrums Augsburg geht, wird das Team bald in die Fußball-Abteilung der DJK Hochzoll integriert.

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„Die Fusion wäre ideal“, sagt Taubert. Die DJK könnte ihre erste Mannschaft, die sie vor dieser Saison aus der A-Klasse zurückziehen hatte müssen, mit Spielern des FC Herrenbach wieder auffüllen, und die bisher heimatlosen Afghanen könnten unter dem Dach der DJK auch weiter Freundschaftsspiele gegen zumeist andere afghanische Teams aus München oder Stuttgart austragen. Taubert hat die Kontakte geknüpft, ein Gespräch zwischen den Beteiligten eingefädelt und auch moderiert. Anfang Dezember soll es eine Entscheidung geben.

Das ist nur ein Beispiel seiner Tätigkeit beim Projekt „Sport und Integration“. Vor wenigen Tagen hat Taubert die achtjährige Renee M. an die TSG Hochzoll vermittelt. Dort kann das Mädchen aus Nigeria jetzt ihrer größten Leidenschaft nachgehen: das Tanzen.

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„Der Sport ist eine stabile Brücke, über die man Integration spielend transportieren kann“, sagt Taubert. „Sport hat einfache Regeln, die es zu befolgen gilt. Abseits gibt es hier und im Irak“, erklärt der begeisterte Schachspieler. „Im Sport wird auf spielerische Weise die Sprache vermittelt. Links, rechts, Aus, Einwurf – schneller als im Sport lernt man nirgends“, ist sich Taubert sicher.

Der 69-jährige Journalist ist längst in Rente, aber nicht im Ruhestand. 30 Stunden arbeitet er in der Woche, seine Stelle wird aus verschiedenen Töpfen finanziert. Seit 2016 engagiert sich Taubert beim Projekt „Sport und Integration“. Seitdem haben er und seine Kollegen rund 700 Menschen in Vereine oder Kurse vermitteln können. Aber nicht nur das. Man hat einen Fragebogen entworfen, um Vereine und Interessenten besser zusammenführen zu können, man hat Box- und Schwimmkurse ins Leben gerufen, man hat internationale Spiel- und Sportfeste organisiert und die Augsburger „Kinderolümpiade“ entwickelt. Das Fest, das an altrömischen Spielen angelehnt ist, wird alle zwei Jahre durchgeführt.

Jetzt wurden Taubert, Gabriele Opas und Wolfgang Krell (Leiter des FZA) stellvertretend für das Projekt mit dem Integrationspreis der Regierung von Schwaben ausgezeichnet. „Sport und Integration“ ist einer von insgesamt fünf Preisträgern. 1000 Euro beträgt die finanzielle Zuwendung, doch die sei nicht so wichtig, sagt Taubert: „Die Würdigung ist eine große Anerkennung für alle Beteiligten. Für die Vereine und ihre Mitglieder, die die Flüchtlinge aufnehmen, für die Flüchtlinge selbst. Und es ist auch Ansporn für uns, jeden Tag weiter zu machen.“ Gerade in Zeiten der wachsenden Ausländerfeindlichkeit will Taubert ein Zeichen setzen, auch wenn er die wachsenden Ressentiments in seiner täglichen Arbeit zu spüren bekommt. „Ich hab schon ein, zwei Vereine, die ich nicht anzurufen brauche.“ Trotzdem, es gibt viel mehr offene Ohren als verschlossene Türen.

Taubert ist keiner, der um den heißen Brei redet, er ist einer, der die Dinge offen anspricht. Einer der unbequem und penetrant sein kann. Gegenüber seinen Klienten, aber auch gegenüber den verschiedenen staatlichen und städtischen Behörden. Der aber auch nicht verhehlt, dass es auch unter den Flüchtlingen, die er zu vermitteln versucht, schwierige Fälle gibt.

Wie den Jungen aus dem Jemen, den er in einen Fußball-Verein in Augsburg untergebracht hatte, der dann aber wieder bei einer Schlägerei straffällig wurde. Oder wenn manche seiner Klienten meinen, alle Leistungen, auch die im Verein, wären kostenlos. „Dann sage ich: Durch Augsburg fließen Lech und Wertach, aber nicht Milch und Honig.“ Trotzdem, für Taubert ist Integration durch Sport eine wichtige Säule.

Darum versucht er weiter jeden Tag, Zugewanderte und Augsburger Vereine zueinander zu führen. Wie beim FC Herrenbach und der DJK Hochzoll. „Die Kombination wäre ideal. Verschiedene Nationalitäten spielen in einer Mannschaft. Das befruchtet alle.“ Von rein ausländischen Mannschaften hält Taubert nicht viel: „Für mich begünstigt das eher die Gettoisierung.“

Informationen gibt es auf der Homepage www.freiwilligen-zentrum-augsburg.de oder direkt bei Wolfang Taubert unter der Mail-Adresse taubert@freiwilligen-zentrum-augsburg.de

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