Radball

16.03.2017

Akrobaten auf zwei Rädern

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Mit vollem Eifer bei der Sache: Nico Zuber, Felix Pausch und Thomas Knauf (von links) spielen Radball. Die Randsportart hat in Augsburg Tradition, betrieben wird sie beim Verein Solidarität.

Solidarität Augsburg blickt auf eine Historie mit 2. Bundesliga zurück, inzwischen spielt das erste Team in der Landesliga. Der kleine Verein setzt vor allem auf die Jugend

Vordergründig dient ein Rad der Fortbewegung. Netter Nebeneffekt: die sportliche Betätigung. Thomas Knauf demonstriert, dass sich der Radsport nicht darauf beschränken muss, wer zuerst eine Ziellinie überquert. Knauf spielt Radball. Der 29-Jährige klingt fast stolz, wenn er sagt: „Das kann nicht jeder.“ Um ihm das zu glauben, genügen ein paar Blicke.

Freitagabend. Training in der Halle der Berufsschule VI. Knauf und seine Vereinskollegen von Solidarität Augsburg üben für den Ligabetrieb und Meisterschaften. Geschickt drehen sie ihre Räder in kleinsten Radien, wuchten das Vorderrad in die Höhe, wehren mit Speichen Bälle ab, dribbeln und zelebrieren Doppelpässe. Mitunter krachen die Räder aneinander, die Akrobaten stürzen, trotzdem ist die Verletzungsgefahr gering.

Knauf tritt zusammen mit Alexander Schäfer als Team in der viertklassigen Landesliga an, vor dem letzten Spieltag belegen sie Platz vier. Schäfer bringt Zweitliga-Erfahrung mit und verdeutlicht mit seinen 42 Jahren, dass der Sport keine Frage des Alters ist. Defensivspieler Knauf muss sich mit der Schwierigkeit seines Sports auseinandersetzen: dem Stehen. Co-Trainer Mario Pausch bestätigt, damit hätten Anfänger am meisten Probleme. Wer mit dem Fuß auf den Boden tritt, muss bis zur eigenen Torlinie fahren, so die Regel.

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Knauf hingegen verharrt routiniert auf den vollgepumpten Reifen, hält die Balance. Auf dem Rad behält er die Ruhe, weiß, wann es sich lohnt, den Gegenspieler anzugreifen – und wann nicht. Knauf beschreibt: „Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wann ich einem Ball nicht hinterherfahren muss.“ Als der Augsburger mit knapp zehn Jahren zum Radball kam, musste er mit älteren Mitspielern trainieren. Solidarität Augsburg erlebte die sportliche Hochphase seiner Vereinshistorie, wirkte damals noch in der 2. Bundesliga mit, die Jugend hingegen hinkte hinterher.

An jene Zeit erinnert sich Hubert Thiel. Der 76-Jährige hat 1981 den Verein Solidarität und Radball in Augsburg aufleben lassen. Inzwischen kämpft er mit den gängigen Problemen einer Randsportart: Geld und Nachwuchs fehlen. Thiel runzelt die Stirn. Junge Leute für seinen Sport und seinen Verein zu begeistern, sei schwierig, meint er. Thiel ergänzt: „Entscheidend ist, dass die Eltern mitmachen.“ Der Verein mit den rund 60 Mitgliedern hat sich in der Turnhalle eine Werkstatt eingerichtet, Räder und Ritzel hängen an Haken, Werkzeuge und eine Werkbank stehen bereit. Rund 2000 Euro kostet eines der Spezialräder mit der markant langen Sattelstütze, Rahmen und Lenker sind jeweils auf den Fahrer abgestimmt.

Zu den hoffnungsvollen Talenten des Klubs zählen Nico Zuber und Felix Pausch. Die beiden Zwölfjährigen sicherten sich den Meistertitel in der U15-Bayernliga und dürfen Anfang Mai bei der deutschen Meisterschaft starten. Felix Pausch kam im Rahmen des Ferienprogramms in Friedberg zum Radball. Nach Augsburg wechselte er, weil dort ein Partner frei war. Gleichgesinnte zu finden, ist eben schwierig.

Vier Jugendmannschaften und ein Erwachsenenteam spielen bei Solidarität Augsburg Radball. Knauf schätzt allerdings nicht nur den sportlichen Wettkampf an seiner Sportart. Wichtig ist ihm darüber hinaus das freundschaftliche Miteinander. „Auf dem Feld sind wir Gegner, nach dem Spiel sind wir beste Freunde“, sagt er. Die Radballer vergleicht er mit einer „kleinen Familie“. Funktionär Thiel hätte nichts dagegen, wenn die kleine Familie Zuwachs bekäme.

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