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Bundesliga

24.07.2019

Alle sollen wieder an einem Strang ziehen

„Wie es hinter den Kulissen aussieht, ob da wirklich einer weg will, weiß ich nicht.“Das nächste Trainingslager: Daniel Baier ist dienstältester Spieler des FC Augsburg. Einmal mehr lässt der 35-Jährige eine anstrengende Saisonvorbereitung über sich ergehen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

In der vergangenen Saison vermisste FCA-Kapitän Baier den Zusammenhalt auf und abseits des Platzes. Warum der 35-Jährige jetzt an ein gestärktes Miteinander glaubt und wie er über wechselwillige Spieler denkt

Seit über zehn Jahren ist Daniel Baier Fußball-Profi beim FC Augsburg. Doch noch nie hatte den Kapitän des Bundesligisten eine Teambuilding-Maßnahme so an seine persönlichen Grenzen gebracht wie die in der Walliser Bergwelt. Drei Tage hatte Trainer Martin Schmidt seine Mannschaft durch das Hochgebirge seiner Schweizer Heimat führen lassen. Baier ist nicht gerade ein bekennender Wanderfreund („Das mache ich eher selten.“). Doch es waren nicht die oft steilen und ausgesetzten Bergpfade in über 2000 Meter Höhe, die dem schwindelfreien 35-Jährigen Sorge machten. Auch nicht, dass die Toiletten auf der Oberaletschhütte aus zwei Plumpsklos im Freien bestanden (Baier: „Natürlich ist es komisch, wenn du weißt, da waren 30 oder 40 andere auch schon da.“).

Nein, Baier hatte gehörigen Respekt vor der Übernachtung im Bettenlager. „Da bin ich ziemlich empfindlich und ich konnte mir nicht vorstellen, mit 16 oder 32 Mann in einem Zimmer zu schlafen. Da war die Nacht dann kurz und ich war froh, dass wir schon in der Früh um sechs Uhr weitergewandert sind“, erzählt Baier im Trainingslager bei einer Medienrunde im Foyer des 4-Sterne-Superior-Hotels.

Noch hat Baier die Strapazen nicht ganz verdaut („Mir fehlt schon ein wenig Schlaf und der Rücken zwickt noch ein wenig“), doch für den Zusammenhalt der Mannschaft seien die Tage in der Schweizer Bergwelt ganz wichtig gewesen. „Es war das Ziel, über die Grenzen zu gehen und dass alle gemeinsam mitziehen. Und wir haben es alle geschafft. So etwas schweißt zusammen.“

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Und das ist in dieser Saison besonders wichtig. Der Umbruch ist groß. Mehr als ein halbes Dutzend Neuzugänge müssen integriert werden. Für Baier ist das nicht das große Thema: „Es sind vielleicht ein paar Ab- und Zugänge mehr, aber das ändert nichts in der Sache – wir müssen uns als Team neu finden, denn wir müssen zusammen durch die Saison. Nur so geht es und wir werden alle brauchen.“

Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen auf und neben dem Spielfeld, soll sich der FCA in seiner neunten Bundesliga-Saison in Folge wieder als eine Einheit präsentieren. Dass dies im vergangenen Jahr nicht der Fall war, gibt Baier unumwunden zu: „Wir haben uns als Mannschaft, das weiß jetzt auch jeder, nicht gut verhalten, auch außerhalb des Platzes. Und ich bin sicher, dass sich dasauch auf dem Platz gezeigt hat. Da haben wir viele Dinge nicht richtig gemacht und das wollen wir in dieser Saison wieder besser machen.“

Zwar hat es auch unter Trainer Baum Regeln gegeben. Baier sagt: „Es war ja nicht so, dass man gesagt hat, ihr dürft machen, was ihr wollt.“ Doch waren die FCA-Verantwortlichen bei der Durchsetzung nicht konsequent genug. Der jetzige Coach Schmidt griff aber von Anfang an hart durch. Und hat die volle Unterstützung seines Kapitäns: „Er ist ein sehr positiver Mensch, der auch gerne mal einen Spaß macht. Der aber auch switchen kann und dazwischenhaut, wenn ihm etwas nicht passt.“

Der Schweizer hält viel von Disziplin, auch im Trainingslager. Baier erzählt: „Es gibt klare Regeln in Bezug auf Pünktlichkeit, der Kleiderordnung im Hotel und wie wir uns im Trainingslager zu verhalten haben. Und wenn einer zu spät zum Training kommt, dann gibt es keine Ausreden, sondern dementsprechende Konsequenzen.“

Und da setzt Schmidt nicht nur auf Geldstrafen. Er packt die Spieler an der Ehre. Baier erzählt: „Ohne zu viel zu verraten: In der letzten Saison kam ein junger Spieler zu spät zum Treffpunkt, dann war er nicht mehr im Training dabei.“ Für Baier der richtige Weg: „Für mich ist das mehr Strafe, als 100 Euro in die Mannschaftskasse zu zahlen.“

Baier selbst geht in seine zwölfte Saison beim FCA, hat viele Spieler kommen und gehen sehen, deshalb lässt er sich von den Wechselgerüchten um Martin Hinteregger, Michael Gregoritsch oder Philipp Max nicht beeindrucken: „Die verhalten sich alle top, sind voll motiviert. Wie es hinter den Kulissen aussieht, ob da einer wirklich weg- will, weiß ich aber auch nicht. Aber so etwas gibt es doch immer wieder.“

Baier fokussiert sich lieber auf das Hier und Jetzt. „Wir haben viele gute Spieler dazubekommen. Sie haben Potenzial. Es können Verstärkungen sein, aber das muss sich alles finden.“ Dabei helfen sollen auch die beiden Testspiele am Donnerstag im Innsbrucker Tivoli-Stadion gegen Galatasaray Istanbul (19 Uhr) und am Freitag in Schwaz gegen den FC Villarreal (18 Uhr).

Noch sind es rund drei Wochen bis zum Saisonauftakt am 17. August bei Borussia Dortmund. Baier sagt: „Wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch nichts erreicht.“

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