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Radrennsport

24.03.2020

Auf der Rennbahn der RSG Augsburg herrscht teurer Stillstand

Die Radrennbahn in Lechhausen ist derzeit verwaist.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Wie andere Vereine ist die RSG Augsburg von der Corona-Krise betroffen. Kein Training und keine Rennen wirken sich finanziell aus. Dennoch soll investiert werden.

Fürs Fahrradputzen hat Albert Hofstetter dieser Tage Zeit. Einerseits ist er Rentner, andererseits werden sich seine Aufgaben als Radrennbahn-Verwalter in den kommenden, Tage, Wochen oder sogar Monaten in Grenzen halten. Das Coronavirus legt das Sportgeschehen lahm, vorerst bis zum Ende der Osterferien darf die Sportstätte nicht genutzt werden. „Ich könnte mir vorstellen, dass ein paar Leute meckern“, meint Hofstetter. Aber was will er machen, schließlich befindet sich Deutschland im Katastrophenfall. Die Bahnrad-WM in Berlin ging noch über die Bühne, an den Olympischen Spielen in Tokio bestehen hingegen Zweifel. Ungewissheit überall, im Großen wie im Kleinen. Wie wirkt sich das auf die Finanzen des Vereins aus?

Keine Rennen, kein Training. Wie sich diese Ausfälle finanziell bemerkbar machen werden, kann Hofstetter nicht beziffern. Dass es sich bemerkbar machen wird, das steht für den 72-Jährigen fest. Er hat zwar keine Ausgaben für Sanitäter, Kampfgericht oder Preisgeld, ihm fehlen aber auf der anderen Seite Einnahmen, beispielsweise über den Verkauf von Essen und Getränken. Hofstetter mutmaßt: „Wir werden erst im Herbst wissen, was wir uns gespart und welche Verluste wir haben.“ Das erste Radrennen der Sommersaison auf der Bahn stand kurz bevor. Die Planungen waren längst abgeschlossen, berichtet der Vereinsfunktionär. „Wir haben alles auf Null gedreht und warten ab, wie es weitergeht. Uns bleibt im Moment nichts anderes übrig.“

Eines tröstet den Radrennbahn-Verwalter

Im Schnitt nutzen knapp 300 Sportler pro Monat die Bahn. Vor allem mittwochs und sonntags herrscht in den Wintermonaten reger Betrieb. Alternative Trainingsstätten existieren deutschlandweit wenige. In den Radsport-Hochburgen Frankfurt/Oder sowie Berlin wird kräftig investiert. Ob in Köln oder Nürnberg das Bundesleistungszentrum seinen Standort bekommt, ist unklar. Hofstetter sieht die Sache pragmatisch und sagt: „Wir machen so weiter wie bisher.“

Auf der Rennbahn der RSG Augsburg herrscht teurer Stillstand

Ein Trost bleibt ihm: Der Beginn der Viruskrise fiel hierzulande just in jene Zeit, in der es Radfahrer verstärkt ins Freie drängt. Leistungssportler und Breitensportler können tagsüber oder im immer länger bleibenden Tageslicht in den Abendstunden noch einige Kilometer abspulen. Die RSG bietet von Anfang Oktober bis Ende März Winterkarten an. Diese laufen jetzt aus. Sommerkarten sind grundsätzlich weniger gefragt, die finanziellen Einbußen halten sich hier für den Verein in Grenzen.

Die Halle in Augsburg bietet einen idealten Rahmen - obwohl sie nicht beheizt ist

Hofstetter befürchtet jedoch, dass Gruppenreservierungen wegfallen werden. Verbände buchen sich für Lehrgänge ein, als Übernachtungsgelegenheit nutzen sie mit ihrem Nachwuchs oft das Kanuleistungszentrum am Eiskanal. Aber auch das ist geschlossen. Blickt Hofstetter auf die Wintersaison zurück, sei vieles wie immer gewesen.

Gut also. Aus Österreich, Hessen oder Süddeutschland kamen Einzelsportler und Trainingsgruppen nach Augsburg, um die Bahn im Nordosten der Stadt in Anspruch zu nehmen. Der baden-württembergische Radsportverband war da, der bayerische Verband sowieso. Ebenso schätzen Breitensportler das Rundendrehen im Holzoval. Die Halle ist zwar nicht beheizt, bietet dennoch einen idealen Rahmen.

So war jüngst der österreichische Extremsportler Christoph Strasser zu Gast. Sechsmal hat der 37-Jährige das Race Across America gewonnen. Auch der 38-jährige Ironman-Weltmeister Jan Frodeno nutzte schon die Bahn, um zu testen. Wind, Temperatur, Luftfeuchtigkeit – Profisportler schätzen die gleichbleibenden Bedingungen.

Hofstetter will die Radrennbahn vorbereiten, wenn der Normalbetrieb kommt

Augsburg will den Anschluss nicht verpassen, deshalb wird Hofstetter in nächster Zeit nicht untätig sein. Er setzt darauf, dass die schwierige Phase vorübergehen wird und dass sich der Normalbetrieb einstellen wird. Tritt dies ein, will er vorbereitet sein.

Nach elfmonatiger Wartezeit hat der Bund die Zuschüsse für die neue Lichtanlage genehmigt; die Stadt Augsburg und der Bayerische Landessportverband hatten unmittelbar nach Antragstellung ihre Zusage erteilt. 90.000 Euro soll die moderne LED-Beleuchtung kosten, rund ein Drittel muss der Verein selbst berappen. „Wir sparen uns durch die Anlage ein Drittel der Stromkosten, dennoch rechnet sich das alles nicht innerhalb von einem halben Jahr.“ Im Paket mit enthalten: neue Elektrik und Steuerung. In Kürze will Hofstetter mit Handwerkern in Kontakt treten und das Projekt in Angriff nehmen. Doch hinter allem steht derzeit ein Fragezeichen. Wie nötig der Verein eine neue Beleuchtung hat, zeigte sich im Februar 2019: Plötzlich fiel das Licht aus.

Hofstetter sieht sich gerade ein Stück weit als „Mängelverwalter“. Daran möchte er etwas ändern. Noch vor der Lichtanlage sollen die Umkleidecontainer modernisiert werden. Deren Holzfassaden fallen nach drei Jahrzehnten ab. 15.000 Euro sind dafür veranschlagt.

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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