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Fußball

11.07.2020

Chef Reitmeier zieht sich zurück: Wie geht es weiter beim TSV Schwaben?

Schwaben-Trainer Halil Altintop (links) hat die Schwaben Richtung München verlassen. Er wird Co-Trainer bei der U16 des FC Bayern. Jürgen Reitmeier hat sein Abteilungsleiteramt übergeben.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Der Abteilungsleiter des Bayernligisten tritt kürzer. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Trainer Altintop hat er aber noch mitgeholfen - wohl mit Erfolg.

Sechs Jahre war Jürgen Reitmeier das Gesicht der Fußballer des TSV Schwaben Augsburg. "Jetzt", sagt der Abteilungsleiter, "will ich es an dieser Stelle nicht mehr sehen." Und deshalb hat der Immobilien-Unternehmer nicht das symbolische Zepter, sondern in diesem Fall die Spielerpässe an seinen Nachfolger Sebastian Schaller übergeben. Der wird weiterhin von Max Wuschek, der als Sportdirektor firmiert, unterstützt.

Der Wechsel ist intern schon länger vollzogen, offiziell aber noch nicht: "Wegen Corona konnten wir noch keine Abteilungsversammlung durchführen", sagt Reitmeier. Der Umbau an der Schwaben-Spitze soll nachhaltig sein, sagt Reitmeier: "Wir haben uns entschieden von meiner One-Man-Show, die es teilweise war, wegzugehen und professionelle Strukturen aufzubauen."

Die Finanzen des TSV Schwaben sollen weiterhin stabil sein

Der Unternehmer will sich in Zukunft im Hintergrund halten, doch bei seiner Abschiedsvorstellung gibt er noch einmal kräftig Gas. "Es muss sich keiner Angst um die Finanzen des TSV Schwaben machen. Da wir den Verein ja nach vorne bringen wollen, wollen wir die Finanzen stärken." So wirbt Reitmeier weiter mit seiner Firma Hypdata auf der Brust des Bayernligisten. Noch steht man in der Bayernliga auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Doch das soll sich nach dem Re-Start ändern. Denn das mittelfristige Ziel sei die Regionalliga. "Wir befinden uns in einem Prozess von drei bis fünf Jahren", sagt Reitmeier. "Da würde jetzt auch ein Abstieg in die Landesliga nichts ändern. Dann würden wir einfach einen längeren Anlauf nehmen." Kritiker könnten sagen, die Schwaben sind größenwahnsinnig geworden. Ganz und gar nicht, sagt Reitmeier: "Egal, wo man sich im Leben befindet, wenn man sich keine Ziele setzt, kann man auch keine erreichen."

Die Schwaben, so scheint es, könnten als einer der Gewinner aus der monatelangen Corona-Pause hervorgehen. Reitmeier: "Die meisten Amateur-Vereine werden die Krise überleben. Aber viele müssen kleinere Brötchen backen. Und so werden wir den einen oder anderen Spieler bekommen, der bisher unsere Angebote abgelehnt hat."

Sebastian Schaller (li.) und Max Wuschek leiten nun zusammen die Schwaben-Fußballer.
Bild: Michael Hochgemuth

Reitmeiers Nachfolger Schaller holte fünf Regionalliga-Fußballer

Das merkte auch Sebastian Schaller bei seinen ersten Amtshandlungen. Der gebürtige Günzburger lotste mit Marco Greisel, Marcel Leib (bd. FC Memmingen), Benedikt Krug, 25, Keeper Kevin Schmidt (bd. FV Illertissen) und Marco Zupur (TSV Rain) fünf Regionalliga-Fußballer zu den Schwaben. Eine Personalrochade, die einer Kampfansage an die Mitkonkurrenten gleicht. "Alle leben in Augsburg oder Umgebung", sagt Schaller. "Sie wollten mehrmals die Woche nicht mehr nach Memmingen, Illertissen oder Rain pendeln." Sie konzentrierten sich jetzt auf ihr Studium und ihren Beruf."

Wie er selbst auch. Denn eigentlich wechselte der 29-Jährige im vergangenen Winter als Spieler vom württembergischen Oberligisten Stuttgarter Kickers zum TSV Schwaben. Zuvor hat der im FCA-Jugendbereich ausgebildete Außenbahnspieler in sechs Jahren 144 Regionalligaspiele für den FV Illertissen bestritten. Doch nur wenige Tage nach dem Wechsel riss er sich beim ersten Training das Kreuzband. Für Schaller war die lange Corona-Pause günstig: " Ich habe für den Heilungsprozess Zeit gewonnen. Ich will beim Trainingsauftakt wieder in Fußballschuhen auf dem Platz stehen."

Bis dahin will er in Zusammenarbeit mit Reitmeier und seinem Sportdirektor Max Wuschek auch die Trainerfrage geklärt haben. Wie bereits berichtet hat Halil Altintop seinen Vertrag, der am 30. Mai endete, nicht verlängert. "Natürlich hätten wir gerne mit Halil weitergearbeitet, aber es war uns auch klar, dass ein Mann mit dieser Reputation nicht die nächsten Jahre fünfte Liga trainieren will", sagt Reitmeier. Der 37-jährige Altintop wird in der kommenden Saison als Co-Trainer bei der U16 des FC Bayern München arbeiten.

János Radoki trainiert den Erstligisten Puskás Akadémia.
Bild: Witters

Janos Radoki ist der Favorit auf den Trainerjob beim TSV Schwaben Augsburg

Ein Nachfolger bei den Schwaben scheint auch schon gefunden. Nach Informationen unserer Redaktion wird Janos Radoki als heißer Kandidat gehandelt. Der 48-Jährige soll schon in den nächsten Tagen vorgestellt werden. Radoki, der in Ungarn geboren ist, trainierte zuletzt den ungarischen Erstligisten Puskas AFC. Dort wurde er im April 2019 nach nur vier Monaten entlassen. Zuvor trainierte der ehemalige Schwaben-Spieler, der mit seiner Familie in Biberbach (Lkr. Augsburg) lebt, unter anderem den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth (Dezember 2016 bis August 2017).

Wenn alles klappt, wollen die Schwaben mit dem Ex-FCA-Profi möglichst schnell aus dem Tabellenkeller. Mit dem Mannschaftstraining soll nach den Lockerungen schon in den nächsten Tagen begonnen werden. Der Verband plant dann von Anfang September bis Mai 2021 die Bayernliga-Saison (die Schwaben haben noch elf Punktspiele ausstehen) zu Ende zu spielen. Die Saison 20/21 fällt komplett aus. Aber als Gewinner des geplanten Ligapokales (im Finale treffen der Sieger der Südgruppe auf den Nord-Sieger) könnten die Schwaben sogar direkt in die Regionalliga Bayern aufsteigen. Ein durchaus lohnendes Ziel für Sebastian Schaller: "Mein Devise lautet: Wenn ich wo mitspiele, will ich auch gewinnen."

Schaller hat den Schritt ins Funktionärslager gut überlegt: "Diese Tätigkeit passt ideal zu meinem Studium "Internationales Management" an der Fachhochschule in Augsburg. Dort schreibe ich gerade meine Bachelor-Arbeit im Sportbereich." Schaller wird sich hauptsächlich um die 1. Mannschaft kümmern. Die Jugend- und die Frauenabteilung arbeiten weitestgehend autark. Denn auch wenn es nach außen unter Jürgen Reitmeier so aussah, die Fußball-Abteilung (rund 600 Mitglieder) des TSV Schwaben war noch nie eine One-Man-Show.

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