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Porträt

30.08.2014

Das Leben besteht aus mehr als nur Tennis

Petra Feucht führt heute ihre eigene Steuerkanzlei im Augsburger Stadtteil Firnhaberau. Vor 30 Jahren gehörte sie zu den besten deutschen Tennisspielerinnen. Doch Tennis alleine war ihr nicht genug.
Bild: Ulrich Wagner

Petra Feucht stand vor 30 Jahren vor einer Profi-Karriere. Doch die Augsburgerin entschied sich dagegen

Fast zwei Millionen Euro erhält die Tennis-Spielerin, die die US Open gewinnt, die derzeit in New York stattfinden. Insgesamt werden 28 Millionen Euro Preisgeld ausgeschüttet. Zahlen, die bei Petra Feucht, 48, keinen Schwindel auslösen. Erstens, weil sie es als Steuerberaterin gewohnt ist mit großen Beträgen umzugehen, zweitens weil sie weiß, wie hart jeder Euro erarbeitet ist: „Sie würden nicht so viel verdienen, wenn sie es nicht wert wären.“

Feucht war Mitte der 80er Jahre ein Teil des Tenniszirkuses. Sie spielte für Deutschland im Federations-Cup. 1984 stand sie als 19-Jährige im Achtelfinale der French Open in Paris. Damals trug sie noch ihren Familiennamen Keppeler und galt als eines der besten Tennistalente in Deutschland. Im Achtelfinale unterlag sie damals der Tschechin Hana Mandlíková mit 0:6, 6:4, 1:6. Die 15-jährige Steffi Graf war schon ein Runde vorher ausgeschieden.

Doch schon damals war für Petra Feucht klar, Tennis allein füllt sie nicht aus. „Ich habe relativ schnell gewußt, dass ich in meinem Leben auch noch etwas anderes machen will als Tennis“, erinnert sie sich.

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Dabei schien alles auf eine Sportler-Karriere hinauszulaufen. Mit vier stand sie zum ersten Mal auf dem Platz, Vater Josef erkannte das Talent schnell und förderte sie. Der Weg führte steil nach oben. Feucht bildete unter anderem mit Boris Becker, Steffi Graf, Michael Westphal eine Fördergruppe des Deutschen Tennisbundes. „Es war eine schöne Zeit mit den ganzen internationalen Jugendturnieren.“

Mit 17 wagte die ehrgeizige Augsburgerin dann den Sprung. Feucht ließ sich in der 10. Klasse ein Jahr vom Gymnasium Königsbrunn beurlauben und reiste mit dem Tennisschläger um die Welt. „Ich habe Hotels, Flüge, Trainingsplätze alles selbst organisiert“, sagt sie. Doch der abgeschlossene Mikrokosmos von langen Flügen, Spielen, Tennisstadien, einsamen Hotelzimmern und Training langweilte sie bald. „Es war mir zu wenig. Ich fand die Kombination Sport mit Schule spannender. Ich wollte mein Abitur.“ Feucht war eine Querdenkerin, hatte mehr als Tennis Kopf. Vielleicht blieb ihr auch dadurch die ganz große Karriere versagt.

Sie kehrte ans Gymnasium zurück, übersprang die elfte Klasse, versuchte Schule und Tennis zu vereinbaren, was auch funtionierte. Mitten auf dem Weg zum Abitur gelang ihr die Überraschung in Paris. Trotzdem schaffte sie die Reifeprüfung mit einer Zwei vorne dran. Doch Tennis als Beruf kam für sie trotz der Erfolge nicht mehr in Frage.

Mit 22 begann sie Betriebswirtschaftslehre an der Uni Augsburg zu studieren. Tennis war nur noch dazu da, das nötige Taschengeld zu verdienen. Petra Feucht hat es nie bereut, mit 22 aus dem großen Tennisgeschäft ausgestiegen zu sein. „Mein Körper funktioniert noch ganz gut. Ich habe keine zwei künstlichen Hüftgelenke. Ich bin froh, dass ich gesund bin und ich mache meinen Beruf sehr gerne.“

Es dauerte aber, bis die Diplom-Kauffrau als Steuerberaterin ihre Profession fand. „Wenn sie nur ihren Sport machen, wissen sie nicht, was sie nebenbei noch können. Darum war es gar nicht so einfach den richtigen Beruf zu finden“, blickt sie zurück. Heute leitet Feucht ihre eigene Steuerkanzlei in der Firnhaberau, ist verheiratet, ihr Mann Gregor ist Allgemeinarzt, sie hat zwei Kinder, Michael (19) und Tanja (16). Sie ist eine Karriere-Frau, aber eine, die die Balance zwischen Arbeit und Freizeit gefunden hat.

Heute und morgen Endrunde um die Deutsche Meisterschaft

Da findet sie schon einmal Zeit am Vormittag, um für eineinhalb Stunden auf den Tennisplatz zu verschwinden. Denn Tennis spielt weiterhin eine große Rolle in ihrem Leben. Die ganze Familie ist beim TC Schießgraben aktiv. Heute und morgen kämpft Feucht mit der Frauen-30-Mannschaft des TC Schießgraben auf der Anlage an der Stadionstraße um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Die Chancen auf den Titel sind nicht schlecht. „Wenn ich spiele, will ich auch gewinnen“, sagt sie.

Dass ihre Gegnerinnen zumeist zehn bis 15 Jahre jünger sind, macht Feucht nichts aus. Ganz im Gegenteil. Das stachelt ihren Ehrgeiz an. „Letztes Mal hatte ich ein Match, das war spannend. Da war die Gegnerin auch ein Stück jünger, hat ganz ordentlich gespielt aber im Match-Tiebreak habe ich schon routinierter gespielt.“

Tennis ist auch heute für Feucht noch mehr als nur ein Spiel. „Ich finde es spannend am Tennis, dass man sich schneller bewegen muss als im täglichen Leben. Und dass man seinen Kopf anstrengen muss. Wann kommt der Ball, wann muss ich los? Das hat schon was.“

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