Skaterhockey

25.07.2017

Der Absturz des TVA

Ein Bild aus besseren Zeiten: 2014 gewann der TVA (unten Nicolai Wagner) den Europapokal. Jetzt steigt das Team wohl aus der Bundesliga ab.

Der einstige Serienmeister ist so gut wie abgestiegen. Wie konnte es so weit kommen?

Das Bild ist gerade mal zwei Jahre alt. Es wirkt wie aus einer anderen Zeit. Der Goldene Saal, die Skaterhockey-Mannschaft des TVA fein herausgeputzt mit Hemd und Sakko, dazu Oberbürgermeister Kurt Gribl, der die Spieler im Goldenen Buch der Stadt unterschreiben lässt. Der TVA hatte zuvor zum dritten Mal in Folge den Europapokal gewonnen. Das war 2015.

Die Gegenwart ist davon eine ganze Sportwelt entfernt. 7:10 hat die Mannschaft am Wochenende gegen Lüdenscheid verloren. Die einstigen Europacup-Helden und Aushängeschilder Augsburgs sind damit so gut wie sicher aus der Bundesliga abgestiegen. Eine Chance auf den Klassenerhalt besteht nur noch in der Theorie. Kapitän Maximilian Nies wirkt trotzdem relativ gefasst. „Das hat sich angebahnt“, sagt das Urgestein des Vereins. Seit 2002 spielt er Skaterhockey beim TVA, hat in dieser Zeit alles mitgemacht: Pokalsiege, Meistertitel, jene Europacup-Erfolge, und nun die Talfahrt, die aller Voraussicht nach in der Zweitklassigkeit endet. Wie konnte es so weit kommen?

„Wir haben in den vergangenen Jahren viele wichtige Spieler verloren“, sagt Nies. Rund ein Dutzend Abgänge musste der TVA verkraften – eine ganze Mannschaft. Besonders schwer wogen die Verluste von Torschützenkönig Lukas Fettinger sowie der beiden Nationaltorhüter Patrick Schenk und Andreas Fuchs. Die Gründe: meist Beruf, Studium, Familie oder Verletzungen. „Manche haben sich auch zurückgezogen, weil sie nicht mehr heiß auf den Sport waren“, bedauert Nies. Skaterhockey ist eine Randsportart, gerade in Bayern. Der TVA war zuletzt der einzige Bundesligist im Freistaat, neue Spieler sind Mangelware. Umso wichtiger ist die Nachwuchsarbeit. Hier gab es offenbar Versäumnisse. Der TVA-Vorsitzende Horst Beck gesteht: „Im Verein hat man sich zu sehr auf die Erfolge der ersten Mannschaft konzentriert.“ Er berichtet zudem von internen Unstimmigkeiten. Darüber, ob die Abteilung sich mehr auf Hobby- oder Leistungssport ausrichtet. Nies kritisiert: „Niemand hat sich um Sponsoren gekümmert, das wäre dringend nötig gewesen.“ Ligakonkurrenten könnten – im Gegensatz zum TVA – ihre Amateure bezahlen. Die müssen viel Zeit investieren, sind für Auswärtsspiele ganze Wochenenden unterwegs.

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Auch in der Führungsebene gibt es offenbar strukturelle Probleme. Nach dem Rückzug von Christian Keller und Oliver Löhnert fand sich zunächst niemand für den Posten des Abteilungsleiters. Einzig Jasmin Marker erklärte sich bereit. Sie kommt nicht aus der Sportart, kümmerte sich vorwiegend um Organisatorisches, nicht Sportliches. „Dafür sehe ich eher Trainer und Mannschaft in der Verantwortung“, sagt sie. Marker beobachte, dass sie jetzt „zum Sündenbock“ gemacht werde.

Ihre Entscheidung, nach dieser Saison aufzuhören, sei jedoch davon unabhängig. Ihr Nachfolger steht noch nicht fest. Auch Kapitän Nies kündigt an: „Wenn sich an der Struktur nichts verbessert, muss ich mich fragen, ob ich ohne Perspektive weiterspielen möchte.“ Immerhin: Trainer Martin Zentner signalisiert, auch in der zweiten Liga bleiben zu wollen.

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