Kampfsport

10.05.2013

Der „Judo-Opa“

Siegfried Holland (79) kennt alle Feinheiten des Kampfsports und gibt sie an die Jugend weiter. Der Trainer und „Erzieher“ wurde zum 7. Dan befördert

Augsburg Ein Zeitungsartikel veränderte das Leben von Siegfried Holland: 1955 macht der damals 21-Jährige im Allgäu Urlaub. Er liest einen Artikel über einen Judo-Wettkampf zwischen Kempten und Kottern. Von da an steht für Holland fest: Das muss ich auch machen. Er nimmt in Augsburg an einem Judo-Anfängerkurs teil und fällt hart. „In den ersten sechs Wochen wurden nur Fallübungen trainiert. Das war eine knallharte Auslese. Ich hatte überall Schmerzen“, erzählt Holland von den Startschwierigkeiten.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Trainingsmethodik grundlegend verändert. Das richtige Fallen ist im Judo elementar wichtig. „Wer nicht richtig fallen kann, der soll sich nicht werfen lassen“, lautet Hollands einfache Devise.

Ein Jahr lang betreibt Holland den Kampfsport parallel zum Fußball. Dann fällt er eine Entscheidung zu Gunsten des Judo. Der sportliche Ehrgeiz und Erfolg stehen zunächst im Vordergrund. „Aber ich habe zu spät angefangen und für höhere sportliche Ambitionen war ich zu alt. Aber ein paar Mal wurde ich immerhin schwäbischer Meister.“ Wie oft, das weiß Holland gar nicht genau. Denn aus Titeln und Ehrungen macht er sich nicht viel. „Das war früher vielleicht mal so. Jetzt sind andere Dinge wichtiger. Judo ist mehr als ein sportlicher Wettkampf.“

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Vor Kurzem wurde Holland, einem der Pioniere des Bayerischen Judo-Verbandes, eine hohe Ehre zuteil. Er bekam den 7. Dan verliehen. „Die Graduierung steht für mich nicht im Vordergrund. Es ist aber schön zu sehen, dass man nicht vergessen ist.“ In Bayern gibt es derzeit nur sechs weitere Judoka mit dieser Auszeichnung. Mit 43 weiteren Mitgliedern gründet Holland 1965 den Judo-Club Augsburg. Vier Jahre später legt er die Prüfung zum Judo-Lehrer ab, der damals höchsten Trainerlizenz. Der Bayerische Judoverband bietet ihm, im Zuge der Olympischen Sommerspiele in München, eine Stelle als Landestrainer an. Doch der im staatlichen Straßenbauamt arbeitende Holland hat Bedenken. „Ich hatte einen sicheren Arbeitsplatz und wusste nicht, ob die deutsche Sporthilfe meinen Trainerjob auch nach Olympia weiterbezahlt.“ Er macht drei Jahre unbezahlten Urlaub und setzt voll auf die Trainerkarriere.

Von 1970 bis 2000 ist er hauptamtlicher Landestrainer, dazu zehn Jahre Bundestrainer für die Frauen U19. „Von einer 40-Stunden-Woche oder freien Wochenenden war ich weit entfernt. Meine Familie musste viel entbehren. Aber ich möchte die aufregende Zeit nicht missen.“ Mit 66 ist Schluss.

Aber auf die faule Haut legt sich der Judoka deswegen noch lange nicht. In seinem Heimatverein gibt er noch immer Trainingsstunden. Rund ein Dutzend fünf- bis siebenjährige Kinder versammeln sich wöchentlich um den sportlichen Rentner. Für Holland ist Judo mehr als Kampfsport: „Judo ist natürlich ein Ganzkörpersport, aber es hält auch geistig fit. Und es ist eine Erziehungsmethode.“

Die Prinzipien sind einfach: Beachte die Regeln, nimm Rücksicht auf andere und hilf ihnen in schwierigen Situationen. Und im Unterricht folgen alle Kinder begeistert seinen Anweisungen. „Ich bin der gute oder der strenge Opa, je nachdem was nötig ist.“ Und am Ende bekommt jeder der Nachwuchs-Judoka als Belohnung für seinen Tatendrang etwas Süßes. „Der symbolische Wert ist für die Kinder riesig.“ Mit ihrem Lutscher in der Hand verabschieden sich die Kleinen und freuen sich auf das nächste Training mit ihrem „Judo-Opa“.

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