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Augsburg

28.10.2017

Der älteste Ringrichter Bayerns hat viel zu erzählen

Möchte noch die 500. Veranstaltung als Ringrichter vollmachen: Ringrichter Armin Kneer (Mitte).
Bild: Reinhold Radloff

Armin Kneer hat mit 76 Jahren schon viel erlebt. Im Interview erzählt er, wie er sich fit hält. Außerdem würde er gerne FCA-Trainer Manuel Baum etwas schenken.

Ihre 76 Jahre sieht man Ihnen nicht an. Sie haben sich gut gehalten?

Armin Kneer: Ich trainiere ja immer noch und mache viel Gymnastik. Außerdem machen meine Frau Emmi und ich täglich einen Spaziergang. Mindestens zehn Kilometer. Und wir sind Mitglieder im Wanderverein Königsbrunn.

Sind Sie eigentlich ein gebürtiger Augsburger?

Kneer: Natürlich, ich bin hier geboren.

Das hört man aber nicht...

Kneer: Das hat mit den Kriegswirren zu tun. Meine Mutter war damals Krankenschwester und hat in Augsburg dann meinen Stiefvater kennengelernt. Als ich ungefähr drei Jahre alt war, sind wir nach Solingen gezogen. Danach sind wir umgezogen nach Herford in Westfalen. Das ist auch meine zweite Heimat. Später war ich beruflich wieder in Augsburg. Dann lernte ich meine Frau kennen und ich bin hiergeblieben.

Den Namen Armin Kneer bringt man natürlich in Augsburg immer mit Boxen in Verbindung. Warum haben Sie diese große Liebe zum Boxsport entwickelt?

Kneer: Die stammt auch noch aus meiner Zeit in Herford. Mein Stiefvater war Polizist und sehr oft bei Boxveranstaltungen eingeteilt. Ich war damals schon als Zuschauer dabei und es hat mich fasziniert. Ich habe dann selber bereits mit zehn Jahren angefangen zu boxen. Meine Eltern wollten das auch, weil mich als kleiner Junge jedes Mädchen geschlagen hat.

In Augsburg sind Sie dem Sport treu geblieben...

Kneer: Ja, ich wohne im Stadtteil Haunstetten, bin aber eigentlich viel öfter in Königsbrunn, und Königsbrunn war damals eine Hochburg im Boxen. Ich kann mich noch an große Staffelkämpfe erinnern gegen Zürich, gegen Innsbruck oder gegen Prag.

Später wurden Sie dann Ringrichter und haben bisher weit über 3000 Kämpfe geleitet. Sie sind der älteste Ringrichter in Bayern. Gibt es dabei eine besondere Erinnerung?

Kneer: Ich kann mich an eine Veranstaltung in Nürnberg erinnern. Dort wurde ein neuer Boxring aufgestellt und während der dritten Runde klappten die Seile nach innen. Für die Zuschauer war das lustig, aber ich musste dann den Kampf abbrechen.

Hat es Sie nie zum Profiboxen gezogen?

Kneer: Nein, ich pflege schon immer eine gewisse Antipathie gegenüber dem Profiboxen. Verstehen sie mich nicht falsch. Ich habe Cassius Clay oder den Hamburger Hein ten Hoff geliebt, aber Profiboxen hat für mich immer einen unangenehmen Beigeschmack. Sagen wir mal so – Amateurboxen ist ehrlicher. Auch in Augsburg habe ich viele nette Leute im Amateurboxsport kennengelernt. Ich war auch acht Jahre Schöffe beim Gericht und in dieser Zeit ist nie ein Boxer vor dem Richter gestanden.

Am Samstag (ab 13 Uhr) wird wieder in der MBB-Halle in Haunstetten geboxt. Etliche Kämpfe stehen auf dem Programm. Freuen Sie sich schon?

Kneer: Und wie. Das ist dann meine 496. Veranstaltung und da werde ich sicherlich wieder einige Kämpfe leiten. Mir macht das immer noch Spaß.

Woher wissen Sie das so genau, dass es ihre 496. Veranstaltung ist?

Kneer: Wir haben einen Kampfrichter-Ausweis und da wird jede Veranstaltung fein säuberlich eingetragen. Dann habe ich hoffentlich bald meine 500. Veranstaltung, da gibt es dann eine Goldmedaille. Das ist eine tolle Sache.

Hatten Sie als Ringrichter schon einmal Ärger?

Kneer: Nein, noch nie. Ich bin auch noch nie vom Publikum ausgepfiffen worden. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Darauf bin ich schon sehr stolz.

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Wie lange wollen Sie das überhaupt noch machen?

Kneer: Wie gesagt, die 500. Veranstaltung auf jeden Fall und wahrscheinlich noch mehr. Bis vor einigen Jahren musste man ja mit 65 Jahren aufhören, aber mangels Masse an Ringrichtern ist der Bayerische Box-Verband wohl ganz froh, dass ich noch im Ring stehe.

Gibt es noch andere Sportarten, die Ihnen gefallen?

Kneer: Über die Augsburger Panther und den FCA lasse ich nichts kommen. Fußball ist meine heimliche Liebe. Wenn es geht, verfolge ich auf Sky den FCA immer live. Ich finde Trainer Manuel Baum sympathisch. Dem würde ich gerne ein paar Boxhandschuhe schenken und ihm sagen, dass er mit seinen Profis immer so weiterkämpfen soll.

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