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Kickboxen

21.06.2013

Der steinige Weg des Ali Shah Rasuli

Der gebürtige Afghane flüchtete als 15-Jähriger aus dem Iran. Kürzlich wurde er deutscher Meister

Ali Shah Rasuli hat gelernt, sich durchs Leben zu schlagen. „Mein Weg war bisher steinig und beschwerlich“, sagt er, und man mag es gar nicht glauben, dass diese Worte aus dem Mund eines 18-Jährigen kommen. Dass Rasuli, der für die DJK Augsburg-Nord kämpft, vor kurzem deutscher Meister im Kickboxen wurde, ist nur ein ganz schwacher Trost, nachdem ihm das Schicksal nie so richtig wohlgesonnen war.

Seit zwei Jahren lebt er im „Wohlfühlhaus“ in Fischach. Eine soziale Einrichtung, die sich auch um minderjährige Asylbewerber ohne Eltern kümmert. Rasuli ist einer davon. Er hat seine Eltern, seine beiden Brüder und seine kleine Schwester seit über drei Jahren nicht mehr gesehen. „Ich telefoniere oft in die Heimat. Ich habe auch Heimweh und manchmal weiß ich nicht einmal, wo meine Heimat eigentlich ist.“ Vor Deutschland war das einmal der Iran. Dort waren seine Familie und er zu Hause. Als Rasuli neun Jahre alt war, flüchtete die Familie aus Afghanistan in den Iran.

In Afghanistan war sein Vater in der Armee. Politische Umbrüche haben damals viele Afghanen veranlasst, die Heimat zu verlassen. Ganz sicher waren die Rasulis aber auch im Iran nie. Jedenfalls als ihr Sohn Ali älter und größer wurde, wuchs die Angst, ihn allein auf die Straße zu lassen. Gerade Jungs in diesem Alter sind besonders gefährdet. Vor allem seine Mutter hatte größte Sorge, dass man ihren Sohn, der im Iran als Schneider gearbeitet hat, wieder nach Afghanistan ausweist. Der Familienrat beschloss seine Flucht. Mit zehn weiteren Personen schleppte sich der damals 15-Jährige meistens in der Nacht über die Grenze in die Türkei. Über Griechenland, Italien und Österreich führte ihn dann der Weg nach Deutschland. In Fischach war dann die vorläufige Endstation. Bei minderjährigen Asylbewerbern mahlen die Mühlen des Gesetzes wenigstens etwas schneller. Rasuli hat schon vieles erreicht. Im kommenden September macht er eine Ausbildung im Bereich der Altenpflege. Viele Schritte ist Rasuli in seinem Leben schon gegangen.

Der Traum von einer Profi-Karriere

Im sportlichen Bereich sollen noch weitere folgen. Nachdem er im Iran schon Kampfsport gemacht hat, will er in Deutschland im Kickboxen den Durchbruch schaffen. Mit Tadeusz Unilowski hat er dazu den passenden Trainer gefunden. Über 30 Jahre ist der schon in der Kampfsportszene. Dass Rasuli im Ring ein Guter ist, hat er sofort gesehen: „Ali ist unglaublich talentiert und vor allem fleißig.“ Man spürt, dass ihm Rasuli auch menschlich ans Herz gewachsen ist: „Wichtig ist für ihn in erster Linie ein Berufsabschluss. Außerdem will ich ihm natürlich helfen, seinen Traum als Profisportler zu verwirklichen.“ Das ist das Ziel von Rasuli. „Im Dezember ist im Jugendbereich noch die Weltmeisterschaft in Griechenland. Dorthin will ich es schaffen, und wenn es möglich ist, dann will ich im nächsten Jahr im Profibereich kämpfen.“ Sein Weg dorthin wird wieder steinig und beschwerlich sein, denn Rasuli benötigt dazu auch finanzielle Unterstützung. „Zu Kämpfen zu fahren kostet Geld. Ich bin meinen Betreuern dabei dankbar, dass sie mich auch dabei unterstützen, aber es wäre für mich wichtig, dass ich einen Sponsor bekomme.“

Aber wesentlich präsenter als seine Träume sind seine Wünsche: „Ich würde vieles dafür geben, um meine Familie wiederzusehen.“ Rasuli weiß, wie schwer ein Leben sein kann. Er weiß aber auch, was alles möglich ist. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben: „Irgendwann werde ich sie besuchen können. Vielleicht schon bald.“

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