Meisterschaft

12.07.2018

Die Wand ist ihr Gegner

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Semir Kamhawi

Rund 120 Schüler kämpfen bei den bayerischen Schulmeisterschaften im Sportklettern im Augsburger Kletterzentrum um den ersten Platz – unter erschwerten Bedingungen

Heiß und stickig. Schweißgeruch liegt in der Luft. Adrianos Klits greift hinter sich in einen Beutel. Magnesium für die verschwitzen Hände. Unten feuern ihn Teamkollegen an. „Ados, komm, das schaffst du!“, rufen die Schüler des Augsburger St.-Anna-Gymnasiums. Sie können bayerischer Schulmeister im Sportklettern werden. Erstmals findet im Augsburger Kletterzentrum die Meisterschaft statt. Am 14. und 15. Juli folgt die nächste Premiere: Dann werden dort die deutschen Meisterschaften im olympischen Wettkampfformat „Olympic Combined“ mit den Disziplinen Lead, Speed und Bouldern ausgetragen.

Ados klebt mit angespannten Muskeln an der Wand. Dann greift er nach oben, erst mit einer Hand, dann mit der anderen. Mit seinem ganzen Körpergewicht hängt der 16-Jährige an dem Griffstück, dann lässt er los und fällt drei Meter tief auf die weiche Matte. Applaus aus allen Richtungen – sogar die Gegner zollen dem Schüler Respekt. Beim Bouldern, dem Klettern ohne Seil, werden wenige, dafür sehr schwierige Griffstücke erklettert. Das Team von St. Anna liegt gut im Rennen. Jeweils acht Minuten haben die sechs Schüler Zeit, eine speziell abgesteckte Route zu erklimmen. Wenn einer fällt, klettert der Nächste weiter. Je höher sie kommen, desto mehr Punkte gibt es. Dass die Klimaanlage im neu errichteten Kletterzentrum nicht funktioniert und es deshalb so heiß und stickig ist, stört die Jugendlichen wenig.

Die Geschwister Nele und Anouk Haffner gehören auch zum Team von St. Anna. Über ihre Eltern sind die beiden zum Klettern gekommen, andere Schüler wie Benedikt Reinhard oder Helena Schuster über ein Wahlfach des Gymnasiums. Für die eineinhalb Stunden Unterricht in der Kletterhalle zahlt jeder Schüler sieben Euro. Das stört Lehrerin Beate Bolg, die das Wahlfach betreut. „Schulschwimmen ist kostenlos, aber Schulklettern nicht“, sagt sie. Die Lehrerin wünscht sich, dass die Stadt die Kosten übernimmt. „Bei anderen Schulen, die am Landesfinale teilnehmen, geht das ja auch.“

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Vor dem Bouldern bewiesen die Jugendlichen von St. Anna in der Disziplin Speed ihre Fähigkeiten. Wer am schnellsten nach oben kam, bekam mehr Punkte. „Da muss man nicht viel nachdenken“, sagt Bennedikt. Er rechnet seinem Team gute Chancen auf den Sieg des Landesfinales aus. Seine Mitschülerin Sophia Grashei bremst ihn ein: „Wir müssen realistisch bleiben.“ Andere Konkurrenten seien sehr stark. 19 Schulen aus ganz Bayern messen sich im Kletterzentrum, aufgeteilt in zwei Altersklassen mit rund 120 Schülern. Das begeistert Landesschulobmann Semir Kamhawi aus Würzburg, der den Wettkampf leitet. „Klettern ist ein Sport für alle“, sagt er. Dieser verbinde Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination.

In Bayern sei man besser organisiert als in anderen Bundesländern, erklärt Kamhawi. Dabei blickt der Obmann in die Zukunft: Tokio 2020. Erstmals wird Klettern olympisch. „Dann hoffentlich mit einer deutschen oder sogar bayerischen Beteiligung“, sagt Kamhawi.

Draußen zieht der Himmel zu, Regen prasselt nieder. Die 17 Meter hohen Kletterwände bleiben durch den Überhang trocken. Dort müssen jetzt die Schüler von St. Anna hinauf. Ob sie keine Angst haben? „Nein, eher vor niedrigen Höhen“, sagt Sophia. Anouk, die am Morgen vor der Meisterschaft noch eine Schulaufgabe in Französisch geschrieben hat, erklärt: „Die Gefahr ist dann größer, dass wir ungebremst auf den Boden oder gegen die Wand knallen.“

Die augenscheinlich grauen Betonfliesen entpuppen sich zwar als Schaumstoffplatten, doch nicht immer fallen die Sportler auf die Füße. Beim „Lead“ wird mit Seil geklettert, die Sportler klinken sich an der Wand in Karabiner ein und sichern sich. Drei Minuten haben die Schüler Zeit, so hoch wie möglich zu kommen. Jedes Griffstück bringt einen Punkt, 58 sind das Maximum.

Am Ende belegen die St.-Anna-Schüler Platz fünf, eine Gruppe aus Rosenheim gewinnt. Eine deutsche Meisterschaft gibt es nicht. Das könnte im kommenden Jahr zum Problem werden, in Frankreich soll die erste Weltmeisterschaft der Schüler stattfinden.

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