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Porträt

20.03.2017

Diese 17-Jährige ist Augsburgs erfolgreichste Eishockeyspielerin

Von der Laufschule des AEV bis in die U-18-Nationalmannschaft der Frauen: Franziska Brendel.
Bild: Annette Zoepf

Franziska Brendel ist mit zwei WM-Starts Augsburgs erfolgreichste Eishockeyspielerin. Welche Unterschiede sie zwischen Männer- und Frauenteams erlebt hat und wo ihre Grenzen sind.

Als Franziska Brendel das Café betritt, folgen ihr bewundernde Blicke. Die junge Frau fällt auf, denn sie sieht aus wie ein Model: 1,80 Meter groß, lange blonde Haare, gertenschlank und bildhübsch. Doch die 17-jährige Schülerin des Maria-Theresia-Gymnasiums hat alles andere im Kopf als den Catwalk. Die Bühne, auf der sie sich wohlfühlt, ist das Eis. Franziska Brendel ist Augsburgs erfolgreichste Eishockey-Spielerin. Anfang des Jahres hat sie bei der WM in Ungarn mit der U-18-Frauen-Nationalmannschaft den Aufstieg in die Top-Division geschafft.

In den fünf Turnierspielen erzielte Franziska Brendel sogar selbst zwei Tore, obwohl sie eigentlich als Verteidigerin aufläuft. Zumindest ist das ihre vorrangige Aufgabe bei den beiden Vereinen, für die sie ihre Punktspiele absolviert: den ECDC Memmingen in der Frauen-Bundesliga und den Augsburger EV in der Schüler-Bundesliga.

Würde Franziska Brendel im Training ihre Haare nicht zu einem langen Zopf zusammenbinden, der unter dem Helm herausschaut, wäre sie unter der Menge ihrer männlichen Eishockey-Kollegen im Schüler-Bundesligateam des AEV kaum auszumachen. Seit ihr Vater, ein großer Panther-Fan, sie als Kind in die Laufschule des AEV mitgenommen hat, ist dieser Sport ihre absolute Leidenschaft. „Viele fangen noch früher mit dem Eishockeyspielen an, so mit drei Jahren. Ich war schon fast sechs, deshalb war es für mich einfacher. Ich bin ziemlich schnell durch die verschiedenen Laufgruppen gekommen. Wenn man zwei Jahre älter ist, lernt man das schneller.“ Mit sieben Jahren folgten die ersten Spiele.

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In ihrem ersten U-18-Jahr wurde Brendel ins deutsche WM-Team berufen

Auch die Schulwahl der Stadtbergerin ist kein Zufall. Nach dem Besuch der Grundschule in Leitershofen hat sie sich bewusst für das Maria-Theresia-Gymnasium entschieden, eine Kooperationsschule des AEV. „So konnte ich beispielsweise schon mal Dienstag und Donnerstag in der Früh trainieren. In der Schule wird immer versucht, die Stundenpläne entsprechend den Trainingszeiten zu legen. Das funktioniert nicht immer, aber es wird versucht. Das finde ich gut“, schätzt Brendel diese Möglichkeit, Schule und Sport bestmöglich zu kombinieren.

Dank ihrer konsequenten sportlichen Entwicklung ließen Einladungen zum Frauen-Stützpunkttraining nach Füssen nicht lange auf sich warten. Schon in ihrem ersten Training mit der deutschen U-15-Nationalmannschaft hinterließ Franziska Brendel einen bleibenden Eindruck. „In meinem zweiten Jahr in der U15 war ich schon bei jeder Maßnahme dabei. Dann ging es in die U18, wo ich nun bereits mein zweites Jahr gespielt habe“, schildert die Zehntklässlerin ihre Karriere auf nationaler Ebene.

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Völlig geplättet war sie denn auch, als sie bereits in ihrem ersten U-18-Jahr ins deutsche WM-Team berufen wurde. „Es dürfen immer nur sechs Verteidiger mit zur Weltmeisterschaft. Ich war mit Abstand die Jüngste und hatte ziemlich Angst. Doch schon im ersten WM-Vorbereitungslehrgang wurde mir gesagt, dass ich dabei bin“, erinnert sich Franziska Brendel an ihre spannende Nominierung. 2017 musste die AEV-Spielerin nicht mehr zittern. Mittlerweile gehört sie zu den Stammkräften im U-18-Kader.

Bei der WM in Budapest sah es allerdings erst gar nicht so gut aus für das deutsche Team. „Wir haben gleich das erste Spiel gegen Norwegen verloren, womit wir gar nicht gerechnet hatten. Da war die Stimmung schon ein bisschen schlecht“, gesteht Brendel. Trotzdem wurde das Turnier noch zum Erfolg, denn ihrem Team gelang mit Siegen gegen Ungarn, die Slowakei und Österreich sowie einem abschließenden 4:2 über Frankreich der Aufstieg in die Top-Divison, die Erstklassigkeit im Frauen-Eishockey.

Auch Brendel würde gerne Checks fahren

Bei ihren Einsätzen in den Frauenteams vermisst die toughe 17-Jährige allerdings eines: „Bei den Jungs ist das Körperspiel erlaubt, bei den Frauen nicht. Das verstehe ich nicht. Ich sehe keinen Unterschied, ob ein Mann einen Mann checkt oder eine Frau eine Frau. Manchmal kann man auch nicht anders, als sich dem anderen in den Weg zu stellen und den Check zu fahren. Aber bei den Frauen bekommt man dann sofort eine Strafzeit. Das ist blöd, denn das gehört eigentlich dazu.“ Zumal ihr danach die Umstellung auf das körperbetonte Spiel der U-16-Jungs schwerfalle. „Trotzdem finde ich es bei den Jungs besser“, sagt sie und ergänzt mit einem Lächeln, „noch sind sie nicht so groß und schwer, dass ich als Mädchen keine Chance habe.“ Doch irgendwann werden sich die Wege trennen müssen.

Spätestens, wenn die besten Jungs in die Deutsche Nachwuchs-Liga wechseln. Denn für Brendel dürfte dort kein Platz mehr sein. „Die DNL ist schon ziemlich gut. Da sind 19-Jährige im Einsatz. Da werde ich nicht spielen dürfen“, sieht sie die Situation realistisch. „Aber ich wäre schon froh, wenn ich vielleicht mal dort trainieren könnte.“ Verstärken wird sie dann ihre Einsätze bei den Memminger Bundesliga-Frauen, denn schließlich will sie schon den Sprung in die A-Nationalmannschaft der Frauen schaffen. Mit Blick auf ihre bisherige Karriere ein realistisches Ziel. Entsprechend zuversichtlich gibt sich Brendel: „Bis jetzt läuft alles nach Plan.“

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