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Wassersport

13.01.2021

Dieses Augsburger Springer-Quartett darf trotz Lockdown ins Bad

Das Wasserspringer-Team des SB Delphin im Hallenbad Haunstetten: Niklas Vollmayr, Trainer Wolhart Binding, Sebastian Becher, Trainerin Stefanie Balletshofer (hinten von links) sowie Moritz Schmitt und Colin Jung.
Bild: Michael Hochgemuth

Vier Kaderathleten des SB Delphin 03 Augsburg dürfen auf der Sprunganlage in Haunstetten weitertrainieren - allerdings mit wenig Perspektive auf einen Wettkampf. Wie sie sich trotzdem motivieren.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war das leere Haunstetter Hallenbad für die Wasserspringer des SB Delphin 03 Augsburg anfangs schon. Kein Kindergeschrei der kleinsten Badegäste, keine Breitensportler in den Nachbarbecken und nicht einmal ein paar Vereinskollegen, die über die 25 Meter ihre Bahnen ziehen. Stattdessen Einsamkeit, Ruhe, Konzentration – und die volle Aufmerksamkeit ihrer Trainer über zweieinhalb Stunden.

„Das Training ist ein wenig reduzierter, aber intensiver und durchaus entspannter geworden“, berichtet der 15-jährige Niklas Vollmayr über die streng reglementierten, aber eben auch ungestörten Einheiten während des Corona-Lockdowns. Trainingspartner Sebastian Becher stimmt ihm zu. „Es ist viel leiser, man konzentriert sich mehr und springt auch viel öfter.“

In der Schwimmhalle darf die Maske runter

Weil Vollmayr, Becher und ihre zwei Vereinskameraden Colin Jung und Moritz Schmitt vom Schwimmverband die Klassifizierung Kadersportler erhalten haben und damit unter den erlaubten Leistungssport fallen, dürfen sie ihr Trainingsprogramm unter strengen Hygieneauflagen derzeit fortsetzen.

 

Zur Erleichterung der Sportler und ihrer beiden Trainer Wolfhart Binding und Stefanie Balletshofer haben der SB Delphin und das städtische Sport- und Bäderamt zügig eine Lösung gefunden. „Vom Verein gibt es für uns ein ganz klares Hygienekonzept. Erst ab dem Moment, ab dem wir in der Schwimmhalle sind, dürfen wir die Masken abnehmen und dann wird ganz normal einzeln trainiert und darauf geachtet, dass der Abstand eingehalten wird“, berichtet Niklas Vollmayr.

Corona: Trampolintraining fällt aus

Was derzeit dennoch ausfällt, ist das Trampolintraining in der Elias-Holl-Schule, das im Winter zur standardmäßigen Ausbildung der Wasserspringer gehört. „Es ist ein bisschen schwieriger geworden, weil wir weniger Sportler sind und man alle Regeln einhalten muss“, sagt der zwölfjährige Colin Jung, der bereits süddeutscher Meister geworden ist, und berichtet von seinem älteren Bruder Linus. „Er ist noch nicht solange dabei und hat noch nicht so viele Wettkämpfe gemacht. Deshalb darf er jetzt nicht mittrainieren. Da ist er schon manchmal beleidigt“, sagt Collin, „und ich finde das schade“.

Die Leistungsspringer und Kaderathleten sind froh, dass sie weiterhin trainieren dürfen.
Bild: Michael Hochgemuth

Ebenfalls auf dem Trockenen sitzt Niklas Vollmayrs Synchronpartner David Wirrer in München. Als einziger Sportler mit Ausnahmegenehmigung erhält er keine Trainingszeit in einem Hallenbad. Der Aufwand wäre zu groß. Dabei hatten Vollmayr und Wirrer im Januar 2020 ihre erste gemeinsame Synchron-Saison vielversprechend begonnen. Nach einer nicht so geglückten Premiere auf Las Palmas verbesserte sich das Duo bei den Bayerisch-Baden-Württembergischen Meisterschaften in Karlsruhe mit einem Sieg und bei den deutschen Meisterschaften der A- und B-Jugend in Berlin mit Rang drei deutlich. Daneben sicherte sich Vollmayr im Einzelspringen auf Las Palmas mehrere Top-Ten-Plätze sowie in Karlsruhe im Einzel weitere zweimal Bronze und zwei fünfte Plätze (1-m-Brett und 3-m-Brett).

Auch seine Vereinskollegen räumten 2020 in Karlsruhe noch ab. Für Moritz Schmitt gab es zwei erste Plätze in der D-Jugend, Colin Jung sicherte sich Silber vom 1-Meter-Brett. Bei den Masters gab es für den 31-jährigen Sebastian Becher, der in dieser Klasse bereits deutscher Meister wurde, die Goldmedaille vom 1-m- und 3-m-Brett.

Das war es dann aber schon mit den Wettkampf-Einsätzen und Erfolgen für die Delphin-Springer in diesem Jahr, denn die Corona-Pandemie beendete im März abrupt sämtliche Wettkampfaktivitäten. Dabei hatten sich die Augsburger schon auf die süddeutschen Meisterschaften in Mainz gefreut. „Das wäre vom Niveau her relativ hoch gewesen. Da macht es besonders Spaß. Ich hatte gute Erfahrungen aus dem Vorjahr und wäre gern noch einmal hingefahren“, bedauert Vollmayr die Absage.

Wettkampfsituation fehlt den Wasserspringern

Mittlerweile ist ein gutes dreiviertel Jahr ohne Wettkämpfe vergangen und es werde langsam schwer, die Motivation hochzuhalten, gestehen die Springer. „Es fehlt einfach die Wettkampfsituation, wo man jeden Sprung perfekt machen muss und nicht noch einen zweiten Versuch hat“, berichtet Vollmayr. Doch Sebastian Becher erzählt, dass dann eben das Schwierigkeitslevel der einzelnen Sprünge nach oben geschraubt oder ein ganz neues Element eingeübt wird.

„Für unsere Kadersportler ist es schön, aber es tut natürlich weh, dass alle anderen Vereinsmitglieder, und vor allem der Nachwuchs, verloren gehen. Wir hatten zu Beginn des Schuljahres viele Anfragen von Interessenten, die in unseren Sport reinschnuppern wollten. Aber das war alles nicht möglich“, berichtet Wolfhart Binding, Trainer und Leiter der Abteilung Wasserspringen beim SB Delphin Augsburg. Er befürchtet, dass sich die Auswirkungen des Lockdowns auf den Verein erst später zeigen. „Die, die zu uns kommen möchten, muss ich abweisen und auf später verschieben. Aber so verliere ich sie unter Umständen vielleicht ganz an eine andere Sportart.“

Heftige Lücken im Trainingsprogramm der Wasserspringer

Bei den Delphin-Mitgliedern ohne Kaderzugehörigkeit würden die Trainingsrückstände durch die nun fehlenden Übungseinheiten stetig gravierend ansteigen. „Wenn sie irgendwann wieder auf einen Wettkampf wollen, ist das eine heftige Lücke, die es dann wieder aufzuarbeiten gilt“, sagt Binding. „Das ist schon etwas, das zu einem Aderlass führen kann.“ Seine Kollegin Balletshofer ist überzeugt: „Wenn die Kadersportler die Disziplin haben, dann würden das sicher auch die Breitensportler haben. Sie wären einfach nur froh, wenn sie überhaupt trainieren dürften.“

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