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Tokyo 2021

07.04.2021

Ein Augsburger und sein mühsamer Weg zu den Olympischen Spielen

Der Augsburger Canadierfahrer Sideris Tasiadis hat auch bei eisigen Temperaturen Spaß am Paddeltraining. Er konzentriert sich darauf, sich den Startplatz für die Olympischen Spiele in Tokio zu sichern.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Für Tokio ist noch kein deutscher Canadierfahrer im Kanuslalom qualifiziert. Deshalb hofft der Augsburger Sideris Tasiadis auf seine dritte Teilnahme.

In der Sportart Kanuslalom will Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio im August in allen vier Bootskategorien (Kajak Einer Männer und Frauen sowie Canadier Einer Männer und Frauen) Athleten ins Rennen schicken. Drei Startplätze sind bereits fix vergeben, einen davon hat sich Hannes Aigner vom Augsburger Kajak Verein (AKV) gesichert. Der Weltmeister von 2018 ist im K1 der Männer qualifiziert, bei den Frauen im K1 ist es Ricarda Funk (Bad Kreuznach), bei den Frauen im C1 Andrea Herzog aus Leipzig.

Einzig und allein im C1 der Männer konnte sich keiner der deutschen Kandidaten bei der Qualifikation in Spanien vor eineinhalb Jahren durchsetzen. Weil ein paar Monate später die Corona-Pandemie übers Land zog, ist dieser Platz knapp vier Monate vor Beginn der Spiele in Tokio immer noch nicht vergeben und auch noch nicht gesichert – so dass sich der Augsburger Canadier-Spezialist und Weltranglisten-Führende Sideris Tasiadis weiter Hoffnung auf seine dritte Olympia-Teilnahme machen kann. Nach dem Rückzug des Augsburgers Florian Breuer (siehe nebenstehender Bericht) ist Tasiadis härtester Mitkonkurrent im C1 der Weltranglisten-Dritte Franz Anton aus Leipzig, aber auch die jungen Fahrer Lennard Tuscherer (Leipzig) und Timo Trummer (Zeitz).

Corona-Pandemie beeinträchtigt die Planung von Kanuslalom-Wettkämpfen

Bei einer Online-Konferenz des Deutschen Kanu Verbandes (DKV) mit Athleten und Trainern wurde allerdings schnell klar, wie schwierig es ist, Antworten auf die derzeit offenen Fragen rund um die C1-Besetzung zu bekommen. Denn angesichts der weltweit grassierenden Pandemie ist es nahezu unmöglich, Voraussagen für Wettkämpfe oder gar eine Olympia-Qualifikation zu treffen. Momentan gehen die Sportler noch davon aus, dass die Entscheidung um den deutschen C1-Startplatz im Mai bei der Europameisterschaft im italienischen Ivrea fallen wird. Doch die Voraussetzungen dafür sind alles andere als günstig. Ein Training vor Ort war für die deutschen Athleten aufgrund von Bauarbeiten und der Pandemie bisher nicht möglich. Sollte die EM in Italien vom 6. bis 9. Mai tatsächlich stattfinden, hätten die Kanuten nur eine extrem kurze Eingewöhnungszeit. Zudem können Russland und Italien den Deutschen den C1-Startplatz noch streitig machen.

 

Keine einfache Situation für Tasiadis und seine Mitbewerber. Doch der routinierte Paddler von Kanu Schwaben Augsburg will sich durch die Situation nicht vom Kurs abbringen lassen. „Für uns Canadierfahrer liegt der Fokus klar auf Ivrea. Unsere Aufgabe ist es, dort den Olympiaplatz für Deutschland herauszufahren. Darauf arbeiten wir hin“, sagte Tasiadis. Weil vor Ort bisher kein Trainingsaufenthalt möglich war, „müssen wir das vielleicht kurzfristig machen. Aber wir müssen natürlich auch schauen, dass wir unsere Gesundheit soweit wie möglich schützen. Ein Weltcup-Rennen ist auch meistens so gestaltet, dass man nur vier oder fünf Trainingsfahrten hat.“ Der Leipziger Franz Anton hat da schon mehr Respekt vor den Gegebenheiten. „Das wird sicher eine Herausforderung“, sagt er, „die Strecke in Ivrea ist sehr naturbelassen. Da ist die Anpassung schon anders. Wir trainieren ja meist in einem geschlossenen Kanal. Deshalb muss man schon ein Gefühl dafür bekommen.“

Augsburger Eiskanal statt Warmwasser-Lehrgang auf La Réunion

Während Anton mit dem erweiterten Olympiateam im Februar einen dreiwöchigen Warmwasser-Lehrgang auf der Insel La Réunion verbrachte, bereitete sich der Augsburger Tasiadis während des Winters ausschließlich auf seiner Heimatstrecke am Eiskanal vor. „Ich brauche keine warmen Temperaturen und ich konnte in Augsburg ohne Einschränkungen trainieren“, zeigt sich der 30-Jährige abgehärtet. Da im vergangenen Jahr nahezu alle Wettkämpfe abgesagt wurden, hat er die Zeit genutzt, um seine Technik zu verbessern. „Da konnte ich mehr ins Detail gehen, ausprobieren, wie hoch ich ins Risiko gehen kann.“ Allerdings habe man keine Ahnung, wie etwa die internationale Konkurrenz so aufgestellt ist.

Kanuslalom-Bundestrainer Klaus Pohlen möchte sich mit einer möglichen Olympia-Absage derzeit gar nicht befassen.
Foto: Ulrich Wagner

Tasiadis zweifelt an Durchführbarkeit der Olympischen Spiele, Bundestrainer Pohlen nicht

Ob Tasiadis das in diesem Jahr überhaupt noch erfahren wird? Bei der Frage nach der Realisierbarkeit der Olympischen Spiele zeigt er sich skeptisch. „Ich kann mir vorstellen, dass Olympia nicht stattfindet. Ich weiß nicht, welche Hygienekonzepte da greifen sollen. Ich habe selbst zweimal gesehen, wie viele Leute da aufeinandertreffen. Da sind noch zu viele Fragen offen.“

 

Kanuslalom-Bundestrainer Klaus Pohlen will sich mit dem „Worst Case“-Szenario hingegen gar nicht auseinandersetzen. „Wir dürfen Olympia zwar nicht über das Gemeinwohl der Gesellschaft setzen, aber ich glaube, dass wir das lösen können. Der erste Schritt ist gemacht, dass in Tokio keine ausländischen Zuschauer zugelassen sind. Für viele Sportler sind es die ersten Olympischen Spiele, deshalb dürfen wir das Thema nicht abschreiben und sagen, wir verschieben das auf 2024. Das verbiete ich mir“, zeigt er Verständnis für alle, die die Spiele (noch) nicht aufgeben wollen. So liegt im deutschen Kanuslalom-Team der Fokus weiterhin darauf, überhaupt irgendeinen Canadier-Fahrer für die Spiele in Tokio zu qualifizieren.

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