FCA

18.03.2016

Ein Talent geht seinen Weg

Albian Ajeti (links) will sich von niemandem aufhalten lassen. Er will als Profi-Fußballer vorwärtskommen. Hier trainiert er mit Ja-Cheol Koo an einem Gummiband, das den Laufwiderstand erhöht.
Bild: Klaus-Rainer Krieger

Albian Ajeti absolvierte gegen Darmstadt sein erstes Bundesligaspiel. Doch der 19-Jährige, der schon vom FC Barcelona umworben war, will mehr. Der Schweiz-Albaner steht aber auch vor einer schwierigen Entscheidung

So kurz vor der Halbzeit beschlich Albian Ajeti im Stadion am Böllenfalltor das Gefühl, dass es so weit sein könnte. 0:2 lag der FC Augsburg beim SV Darmstadt 98 zurück. Dreimal zuvor war der Neuzugang vom FC Basel schon im Kader gewesen, ohne eingewechselt zu werden. „Als Stürmer spürt man das ein bisschen. Bei 0:2-Rückstand muss und will fast jeder Trainer ja offensiver spielen. Ich habe mich von Anfang an vorbereitet. Ich ahnte, dass dies der Tag sein könnte, an dem ich mein Debüt geben kann“, erinnert sich Ajeti zurück.

In der 54. Minute war es dann so weit. FCA-Trainer Markus Weinzierl brachte den jungen Stürmer für Dominik Kohr. Am Ende hieß es 2:2. Auch dank Ajeti, der frischen Schwung in den Angriff des FCA gebracht hatte. Der Schweizer, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, hatte sein erstes Etappenziel erreicht: seinen ersten Bundesliga-Einsatz mit 19 Jahren und 15 Tagen. Damit ist er der jüngste Bundesligaspieler des FCA aller Zeiten.

Dass Ajeti überhaupt im Frühjahr 2016 beim FCA spielt, überraschte nicht nur die Schweizer Fußballwelt. Denn Ajeti gilt als Stürmerhoffnung in der Schweiz. Und er spielte nicht bei irgendeinen Dorfklub, sondern beim FC Basel: Champions-League-Teilnehmer, Dauer-Meister, dem FC Bayern der Eidgenossen. Dort hatte er mit seinem Zwillingsbruder Adonis (jetzt FC Wil) die Jugend durchlaufen, dort hatten sie 2013 mit 16 ihren ersten Profivertrag erhalten.

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Kurz zuvor war der FC Barcelona auf die Talente aus der Fußballer-Familie aufmerksam geworden. Vater Afrim, der aus dem Kosovo stammt, war in Ex-Jugoslawien Torhüter, der große Bruder Arlind, 22, spielt seit dem Sommer für Frosinone Calcio in Italiens Serie A.

Barcelona hätte die Zwillinge gerne in seine berühmte Jugendakademie „La Masia“ geholt. Doch Mutter Sylvie sagte Nein. „Ich hätte den Wechsel gewagt, aber als meiner Mutter die Tränen kamen, war das ein Zeichen“, sagt Ajeti drei Jahre später. Damals fügte er sich.

Es schien sich auch so alles optimal zu entwickeln. Mit 17 absolvierte er zum ersten Mal für den FC Basel ein Punktspiel, doch in dieser Saison lief es nicht mehr so. Ajeti wurde von den Profis in die U21 zurückgestuft.

Damit wollte sich Ajeti nicht abfinden. Und da war auch wieder diese Abenteuerlust, dieser Wunsch, sich von der Familie abzunabeln, es selbst irgendwo zu versuchen, sich allein durchzusetzen. Es vielleicht auch dem FC Basel zu zeigen, dass seine Degradierung falsch war. Schweizer Medien schickten Ajeti schon zum Medizincheck zu Newcastle United, doch am Ende unterschrieb Ajeti im Januar beim FCA. „Der Traum bei uns in der Familie war es immer schon, in der Bundesliga spielen. Ich hätte auch viele andere Optionen wählen können, aber das wäre alles in die falsche Richtung gegangen“, sagt Ajeti beim Interview. Er wirkt mit 19 schon sehr gereift, weiß genau was er will. „Ich wollte in eine Mannschaft, in der ich mich weiterentwickeln kann, da kam das Angebot aus Augsburg genau richtig.“

FCA-Trainer Markus Weinzierl ist zufrieden, wie sich Ajeti entwickelt. „Er macht sich gut, gibt Gas. Er ist ein Talent, das wir jetzt reingeschmissen haben. Er ist ein richtiger Stürmer, ein Strafraum-Stürmer, der im Sechzehner seine Stärken hat.“ Aber auch menschlich hat Ajeti bisher überzeugt. Weinzierl: „Er ist ein sehr angenehmer junger Bursche, der gerade mal 19 geworden ist. Er tut alles für den Erfolg, hat sich hier gut vom ersten Tag an präsentiert und eingegliedert.“

Behutsam will Weinzierl den Schweizer aufbauen. Und seine Stärken fördern. „Er kann Tore erzielen, das sieht man im Training und das wird er auch in der Bundesliga tun.“ Gegen Darmstadt gelang Ajeti das noch nicht.

Schon nach diesen 36 Minuten, war ihm klar, dass seine Entscheidung für die Bundesliga richtig war. Den ersten Schritt hat er getan. Weitere sollen folgen. Er hat Zeit, sein Vertrag läuft bis 2020. In dieser Saison will er mit dem FCA die Klasse halten. „Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass wir das schaffen.“ Seine Ziele trägt er nicht zu forsch vor: „Ich will einfach gerne noch den einen oder anderen Einsatz machen. Ich bin sehr ehrgeizig und jetzt hab ich Blut geleckt. Ich will dieses Gefühl möglichst oft erleben. Aber das entscheidet der Trainer.“

Vielleicht darf er ja am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund in der ausverkauften WWK-Arena schon wieder ran. Für Ajeti wäre es ein besonders Erlebnis. Der BVB ist der Klub der Schweizer. Stephane Chapuisat, Philipp Degen, Andy Egli, Alexander Frei oder Roman Bürki. Ajeti sagt: „Mit Alex Frei habe ich in Basel noch zusammen trainiert. Er ist dort eine lebende Legende. Und gegen Roman Bürki habe ich in der Schweiz schon gespielt. Ein Tor gegen ihn am Sonntag wäre natürlich ein Traum.“

Es wäre auch ein weiteres Empfehlungsschreiben für eine eventuelle EM-Teilnahme in Frankreich. Denn Ajeti hat die Schweizer und die albanische Staatsbürgerschaft. Bisher trug er das Trikot der Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften. Doch Albanien hat sich erstmals für die EM qualifiziert. Zudem spielt sein Bruder Arlind für das Heimatland seines Vaters. Ajeti ist hin- und her gerissen: Gerade Albanien drängt auf eine Entscheidung. Was besonders pikant ist: Schweiz und Albanien wurden in Frankreich in die gleiche Gruppe gelost. Egal wie er sich entscheiden wird. Er wird sich Freunde, aber auch Feinde machen.

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