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Handball

28.01.2015

Eine ganz eigene Sichtweise

Herbert Vornehm als Trainer. Da legt er Wert auf das Mannschaftsspiel. Und das vermisste er die letzten Jahre. Jetzt sieht er Deutschland aber auf einem guten Weg.
Bild: Michael Hochgemuth

Herbert Vornehm ist Abteilungsleiter beim TSV Haunstetten, trainiert die Zweitliga-Frauen und ist auch noch Schiedsrichter. In allen drei Funktionen sieht er die WM anders als die breite Öffentlichkeit

Wo werden Sie das WM-Achtelfinalspiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft heute gegen Katar ansehen?

Ich muss wahrscheinlich arbeiten. Dass die WM nur auf Sky zu sehen ist, ist eigentlich genauso entsetzlich wie die Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft nachträglich über eine Wildcard.

Wie meinen Sie das?

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Man muss das ganze System überdenken. Europa bräuchte von Haus aus mehr Startplätze. Eine Europameisterschaft ist immer stärker besetzt als eine Weltmeisterschaft. Es war einfach eine politische Entscheidung, Deutschland nachträglich zu nominieren. Da muss man nur die Werbebanner sehen, dann ist es doch klar, warum Deutschland dabei sein sollte.

Was sagen Sie dazu, dass die WM nur im Bezahlfernsehen zu sehen ist?

Das ist halt so. Ich ticke da auch ein bisschen anders. Ich schaue mir grundsätzlich immer die Spiele der anderen Nationen an. Weil ich von denen was lernen konnte. Und bei ARD und ZDF haben sie ja immer nur die deutschen Spiele gezeigt.

Von der deutschen Mannschaft konnten Sie nicht mehr lernen?

Die Spielweise der letzten Jahre hat mir überhaupt nicht mehr gefallen. Da wurde viel zu viel Wert auf den Einzelnen gelegt. Das Mannschaftsspiel, das meine Philosophie ist, wurde vernachlässigt. In der Bundesliga gibt es eine Kreuzbewegung und dann wirft einer. Das ist einfach nicht meine Spielweise.

Worauf beruht jetzt der Erfolg?

Der Trainer ist sehr gut. Der Druck liegt nicht nur auf zwei oder drei Spielern, sondern die Probleme löst die Mannschaft. Es wurde von diesem Team aber auch nicht viel erwartet. Die Spieler haben sich dann gesagt, jetzt zeigen wir es den Nörglern. Und sich in den richtigen Momenten zu steigern, ist ja eine typisch deutsche Eigenschaft.

Wie weit kann Deutschland kommen?

Normalerweise wäre Katar kein Problem. Aber das ist ja eine zusammengekaufte Europaauswahl. Wenn Deutschland ins Halbfinale kommt, gibt es keine Favoriten mehr, weil alle Teams dann schon sieben Spiele in den Knochen haben.

Glauben Sie, dass eine erfolgreiche WM aus deutscher Sicht dem TSV Haunstetten im Nachwuchsbereich einen Schub geben würde?

Da bringt eine WM nicht so viel wie beim Fußball. Den WM-Titel 2007 haben wir vielleicht drei, vier Monate gespürt. Am Ende hilft im Handball nur gute Basisarbeit.

Was sagen Sie als Schiedsrichter zu der Leistung der Unparteiischen?

Wenn ich die Kritik höre, da lache ich mich tot. Es werden immer nur die letzten fünf Minuten des Spieles betrachtet. Und wenn dann zwei Situationen gegen eine Mannschaft ausgelegt werden, wird da gleich laut geschrien. Heutzutage kann sich das kein Schiedsrichter mehr leisten. Jedes Spiel wird gnadenlos analysiert. Wenn sie drei oder vier gravierende Fehler machen, sind sie weg. Das will keiner. Die wollen ja wieder zu einer WM. Wie die Mannschaften ja auch.

Das Interview führte Robert Götz

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